Deutsche Bahn Gütersparte wird zum Bremsklotz

Gerade hatte er einen Pakt zur Beschäftigungssicherung mit den Gewerkschaften geschnürt. Nun plant Bahn-Chef Hartmut Mehdorn offenbar massive Kürzungen in der Gütersparte. Der zuständige Vorstand steht unter starkem Erfolgsdruck.

Berlin - Die Deutsche Bahn will wegen der massiven Probleme im Fernverkehr und vor allem in der Schienen-Gütersparte (Railion) nach Angaben aus Konzernkreisen bis 2009 jährlich rund eine Milliarde Euro sparen. Zwischen Güterverkehrsvorstand Bernd Malmström und Bahnchef Hartmut Mehdorn wüchsen deshalb die Spannungen, hieß es im Konzern.

"Mehdorn will jährlich etwa eine Milliarde Euro zusätzlich sparen", erfuhr Reuters am Sonntag aus den Kreisen. Das Programm solle über die bereits festgelegten Kürzungen bei Investitionen hinausgehen. Allein bei Railion sollten 2005 nun nahezu 2000 Stellen gestrichen werden, damit der Bereich wie vorgesehen 2007 aus den roten Zahlen komme. Bis 2009 war von deutlich mehr als 5000 Stellen die Rede.

Railion leidet unter einem Preisverfall sowie verstärkter Konkurrenz des Lkw vor allem im Verkehr mit Osteuropa. Die Bahn wollte sich unter Hinweis auf laufende Planungen nicht zu den Angaben aus Konzernkreisen äußern.

Über Gegenmaßnahmen gibt es den Kreisen zufolge zwischen Bahnchef Mehdorn und Güterverkehrsvorstand Malmström Spannungen. Ein drastisches Zurückschneiden unwirtschaftlicher Transporte, wie von Malmström verlangt, kann Mehdorn beim Eigentümer Bund kaum durchsetzen. In Regierungskreisen hieß es: "Ein Kahlschlag ist mit uns nicht zu machen."

Railion setzt in den Planungen den Angaben zufolge nun im Jahr 2005 auf Preiserhöhungen. Dennoch wird die Schienen-Sparte danach einen Betriebsverlust nach Zinsen von gut 160 Millionen Euro einfahren und damit auch die Gewinne von Schenker (Lkw, Schiff, Flugzeug) praktisch zunichte machen. Die Frachtsparte Stinnes (Railion plus Schenker) wird so nur eine schwarze Null schreiben. Die Planungen sehen den Kreisen zufolge - anders als von Mehdorn angekündigt - erst 2007 bei Railion wieder einen Gewinn vor.

Mehdorn hatte am Wochenende bei einem Touristik-Kongress auf Mallorca von einem Railion-Gewinn ab 2006 gesprochen. Einen Medienbericht, wonach bis 2008 rund 8000 Stellen der knapp 25.000 bei Railion gestrichen werden, nannte er Spekulation. Betriebsbedingte Kündigungen werde es nicht geben.

Vorstand Malmström steht unter starkem Druck

Railion soll den Kreisen zufolge bis 2009 wieder einen Gewinn (Betriebsergebnis nach Zinsen) von 200 Millionen Euro erwirtschaften. Der Umsatz soll bis dahin um etwa 10 Prozent auf 3,6 Milliarden Euro steigen. Preiserhöhungen bei Railion sollten allerdings schon in diesem Jahr durchgesetzt werden. Stattdessen sanken die Preise um fünf Prozent, wie Mehdorn bestätigte. Die neuen Planungen wurde im Konzern daher als sehr optimistisch bezeichnet. Offenbar solle vor allem der drastische Stellenabbau auf Ratschlag der Unternehmensberatung McKinsey die Zahlen bessern. Noch in der vergangenen Woche war aus dem Konzern zu hören, ein Abbau von gut 1500 Stellen in den nächsten Jahren könne ausreichen.

Wegen der Railion-Krise steht Güterverkehrsvorstand Malmström den Kreisen zufolge nun unter starkem Druck. Sein Vertrag läuft 2005 aus und müsste in diesem Jahr verlängert werden. Zum einen wird Malmström zu optimistische Planung vorgeworfen, zum anderen gilt auch seine Neuordnung des Konzernbereichs nach dem Kauf der Spedition Schenker als verfehlt: So war der Vertrieb von Railion getrennt worden und sollte auch Transporte per Schenker organisieren. Mittlerweile wird erwogen, dies rückgängig zu machen. "Das ist vom Kunden nicht akzeptiert worden", hieß es.

Allerdings steckt auch der Bund in der Klemme: Zum einen hatte Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) einen Börsengang für 2007 oder 2008 in Aussicht gestellt, zum anderen ist aber auch eine Verdoppelung des Güterverkehrs auf der Schiene bis 2015 noch Regierungsziel. "Der Bund muss wissen, was er will: Kapitalmarktfähigkeit mit Verzicht auf unprofitablen Verkehr oder mehr Transporte auf der Schiene", hieß es im Konzern.

Markus Wacket, Reuters