Deutsche Bank Bis zu 2000 Stellen in Gefahr

Es verdichten sich die Anzeichen, dass die Deutsche Bank umfassend Arbeitsplätze streichen wird. Vorstandschef Josef Ackermann will dabei den Kundenbereich von den Kürzungen ausnehmen. In einem Interview sprach er auch über die Laufzeit von Vorstandsverträgen und fand harte Worte für Ex-Aufsichtsrat Ulrich Cartellieri.

Frankfurt/Main - Die Deutsche Bank  plant zur Erreichung ihrer anvisierten Ertragsziele nun offenbar doch umfassende Stellenstreichungen im Inland. Dabei geht es um um eine "Zielgröße" von 2000 der insgesamt 27.000 Arbeitsplätze im Inlandsgeschäft, wie die Nachrichtenagentur Reuters von einem mit dem Vorgang betrauten Banker erfahren hatte.

Da der Filialbereich mit Kundenkontakt ausgespart bleiben soll, will der neue Deutschland-Chef Jürgen Fitschen die Kürzungen offenbar vor allem im so genannten Back-Office-Bereich vornehmen, der die Abwicklungsgeschäfte umfasst. Ackermann selbst wollte sich zum Ausmaß des Arbeitsplatzabbaus nicht äußern. "Alle Zahlen, die derzeit kursieren, sind reine Spekulation", sagte er in einem Interview mit dem "Focus", das allerdings bereits Anfang der Woche freigegeben worden war.

Ackermanns Worten zufolge soll der Kundenbereich von den Kürzungen allerdings weitgehend verschont bleiben. "In Deutschland sind wir mit unseren Filialen sehr gut aufgestellt", sagte Ackermann dem Nachrichtenmagazin laut Vorabbericht vom Samstag: "Deshalb werden wir im Kundenbereich nach jetziger Planung nichts verändern." Er verteidigte die geplanten Einschnitte, die Mitte der Woche bekannt gegeben werden sollen. Sein Konzern komme an Effizienzsteigerungen nicht vorbei, um sich im internationalen Wettbewerb zu behaupten.

Erstmals nach Bekanntwerden von entsprechenden Plänen bestätigte indes ein Aufsichtsratsmitglied einen erneuten Stellenabbau bei der größten deutschen Bank. Margret Mönig-Raane, Mitglied des Kontrollgremiums und stellvertretende Vorsitzende der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, sagte der "Welt am Sonntag", mehrfach seien die Pläne, die mit der Umstrukturierung einhergehen, im Aufsichtsrat der Bank diskutiert worden.

Zu den Spekulationen, dass in Deutschland theoretisch sogar 3000 Stellen wegfallen könnten, sagte sie: "Ich gehe nicht davon aus, dass es beim geplanten Personalabbau in Deutschland um eine Zahl in einer Größenordnung von 2000 oder mehr Stellen geht." Die Tageszeitung "Die Welt" hatte zuvor berichtet, dass Personal-Vorstand Tessen von Heydebreck den Betriebsräten auf deren Jahresversammlung zugesichert habe, nicht mehr als 2000 Stellen im Inland zu kürzen.

Ackermann keilt gegen Cartellieri

Ackermann keilt gegen Cartellieri

Damit läutet Deutschlands größtes Geldhaus eine weitere Runde von Stellenstreichungen in der von der Börsenflaute schwer gebeutelten Branche ein. Neben den Kürzungen im Inlandsgeschäft ist ein deutlicher Personalabbau im Investmentbanking vorgesehen. Auch die Commerzbank  hatte jüngst umfangreiche Entlassungen im Investmentbanking angekündigt, die HypoVereinsbank  plant ein tief greifendes Sparprogramm. In den vergangenen drei Jahren haben allein die deutschen Privatbanken bereits mehr als 30.000 Arbeitsplätze abgebaut.

Ackermann sprach sich in dem "Focus"-Interview derweil für eine Verkürzung der Vertragsdauer von Vorständen aus. Um auch eine größere Flexibilität im Management zu erreichen, halte er statt der bisher üblichen fünfjährigen Laufzeit "zwei Jahre für sinnvoll". Der Vorstandschef bekräftigte zugleich, dass die Deutsche Bank ihren Sitz in Deutschland behalten will. Spekulationen über eine Auswanderung ins Ausland seien "ohne Grundlage". Auch einer Aufspaltung des Instituts in einen Investmentbanking-Teil mit Sitz in London und einen Bereich Privat- und Firmenkunden in Frankfurt erteilte der Schweizer eine Absage. "Eine Trennung zwischen Deutschland und dem Rest der Welt wäre falsch", unterstrich er.

Harte Worte fand Ackermann im Interview für seinen Kollegen Ulrich Cartellieri, der im Oktober seinen Rücktritt aus dem Aufsichtsrat der Deutschen Bank bekannt gegeben hatte: "Die Führung der Bank obliegt laut Aktiengesetz dem Vorstand. Wenn ein Aufsichtsratsmitglied hier eine andere Meinung hat als der Vorstand, sollte es das offen in den Gremien ansprechen."

Auf sein schlechtes Image in der Öffentlichkeit angesprochen zeigte sich Ackermann gelassen: "So lange wir hier auf dem richtigen Weg sind, mache ich gerne Abstriche an der eigenen Beliebtheit." Nach seiner Auffassung hat sich hier aber vieles zum Positiven gewandelt: "Langsam setzt sich bei den Menschen das Gefühl durch, dass dieser Herr Ackermann wirklich etwas Gutes für sie erreichen will."