Rolls-Royce Propellerbruch und Imageschaden

Die italienische Reederei Moby zieht gegen Rolls-Royce vor Gericht. Durch "offensichtliche Defekte" am Antrieb seien Passagiere eines Fährschiffs gefährdet worden. Die Reederei will nun die Propeller ihrer gesamten Flotte gegen Fremdteile tauschen. Ist das der Beginn einer weltweiten Rückrufaktion?

Rom - Die italienische Fährschiff-Reederei Moby will die britische Rolls-Royce-Gruppe auf 29 Millionen Euro Schadenersatz verklagen. Die Forderung beziehe sich auf den Bruch der Propeller-Flügel des Schiffes Moby Freedom am 27. August vor der Küste Sardiniens, berichteten italienische Medien am Freitag.

Der Unfall habe die Sicherheit der Passagiere stark gefährdet, argumentiert Moby. Rolls-Royce belieferte die Reederei bisher mit den Antriebssystemen für ihre Schiffe. Die Klage soll nach Abschluss der Experten-Gutachten in Italien eingereicht werden.

Es habe "offensichtliche Defekte" an den Flügeln gegeben, sagte Moby-Präsident Vincenzo Onorato. Deshalb sei die Reederei auch nicht bereit, außergerichtlich mit dem britischen Konzern zu verhandeln.

Reederei lässt Ersatzteil von finnischer Firma einbauen

"Die Sicherheit der Passagiere steht auf dem Spiel und es gibt noch andere Schiffe in der Welt, die mit diesen Propellern fahren." Onorato beklagte, die Antriebssysteme von Rolls-Royce kosteten dreimal so viel wie andere Propelleranlagen, jedoch habe die britische Gruppe die Aufträge anschließend an Unternehmen in Norwegen und Schweden weitergegeben.

Moby habe unterdessen einen neuen Zulieferer gefunden, hieß es weiter. Beim finnischen Schiffsantriebs-Hersteller Wärtsilä Lips seien Propeller für 1,29 Millionen Euro in Auftrag gegeben worden, um die Rolls-Royce-Antriebe auf den Schiffen Moby Freedom und Moby Wonder zu ersetzen.

Die Auseinandersetzung, die am Renommee des Turbinenspezialisten kratzt, könnte auch Auswirkungen auf den Autobauer BMW  haben, der mit knapp 10 Prozent an Rolls-Royce beteiligt ist. Der schwankende Aktienkurs des britischen Unternehmens hatte sich bereits bei Vorlage der Zahlen für das dritte Quartal für die Münchener negativ ausgewirkt.

Sollten sich die Qualitätsvorwürfe der Reederei Moby bestätigen - wofür es bisher allerdings noch keine konkreten Anzeichen gibt - könnte Rolls Royce eine äußerst kostspielige Rückrufaktion drohen. Einen daraus resultierenden Aktienkursverfall würde Shareholder BMW - der auch bei seiner Tochtergesellschaft, der Rolls-Royce-Autosparte, entwickelt, betreut und vermarktet - nicht unbeschadet überstehen.