KarstadtQuelle Der Widerspenstigen Zähmung

Nach stundenlangem Ringen hat sich KarstadtQuelle mit den letzten Widerstand leistenden Aktionären geeinigt. Geld, so betont der Konzern, sei dabei nicht geflossen. Die zur Sanierung des Warenhauskonzerns nötige Kapitalerhöhung findet nun wie geplant statt. Die neuen Aktien werden 5,75 Euro kosten.

Essen - Der in Gefahr geratene Sanierungsplan des angeschlagenen KarstadtQuelle-Konzerns  ist gerettet. In den seit Tagen laufenden Verhandlungen mit Aktionären hat der Konzern am späten Donnerstagabend eine Einigung erzielt, teilte Konzernsprecher Jörg Howe mit. Zuvor war eine angekündigte Pressekonferenz immer wieder verschoben worden.

"Die letzte Hürde ist geschafft", so Howe. "Wir können davon ausgehen, dass die Kapitalerhöhung und die Kreditlinie von 1,75 Milliarden Euro für drei Jahre gesichert sind." Darüber hinaus bemühe sich der Konzern noch weiteren finanziellen Spielraum zu verschaffen. Der Sprecher betonte, dass sich das Unternehmen jetzt um die Kunden im wichtigen Weihnachtsgeschäft kümmern werde.

Ausdrücklich unterstrich Howe, mit den widersprechenden Aktionären seien keinerlei Nebenabreden getroffen worden. Sondervorteile oder Kostenerstattungen seien weder gewährt noch von den Aktionären gefordert worden.

Die Aktionäre hatten unter anderem gerügt, dass in der Hauptversammlung erteilte Informationen zur Kapitalerhöhung unzureichend und widersprüchlich waren. Insbesondere hatten sie moniert, dass der Inhalt eines Gutachtens von Roland Berger über das Sanierungskonzept den Aktionären nicht offen gelegt wurde. Darüber hinaus hatten die Aktionäre den für die neuen Aktien vorgesehenen Mindestausgabepreis von 4 Euro als zu niedrig eingestuft.

Ausgabekurs auf 5,75 Euro festgelegt

KarstadtQuelle verpflichtete sich daher nach eigenen Angaben, kurzfristig eine Zusatzinformation zum Roland Berger-Gutachten zu erstellen und allen Aktionären auf Anforderung zugänglich zu machen. Außerdem werde der Konzern dafür Sorge tragen dass der Ausgabekurs der neuen Aktien mindestens 5,38 Euro beträgt - am Freitag wurde der Kurs dann auf 5,75 Euro festgelegt. Der Gesellschaft fließen so ohne zusätzliche weitere Kapitalerhöhung mindestens 500 Millionen Euro zu. Im Gegenzug erklärten die widersprechenden Aktionäre, keine weiteren rechtlichen Maßnahmen gegen den Kapitalerhöhungsbeschluss einzuleiten.

Mit dem KarstadtQuelle-Aktionär Rainer Johannes blieb jedoch einer der lautstärksten Wortführer der Diskussion in den vergangenen Tagen außen vor. Mit ihm seien keine Verhandlungen geführt worden, da sein Widerspruch aus Sicht des Unternehmens nicht beim Notar zur Niederschrift gegeben sei und damit nicht existiere, sagte Howe. Johannes hatte zuvor eine Anfechtungsklage angekündigt, falls der Handelskonzern seine Kapitalerhöhung vornimmt. "Sobald die Maßnahme durchgeführt wird, werde ich klagen", so Johannes.

Kein Umbau der Konzernspitze

Bereits vor der Einigung hatte der Aufsichtsrat Gerüchte über eine Ablösung der Konzernspitze zerstreut. Der Vorsitzende des Aufsichtsgremiums Thomas Middelhoff stärkte Konzernchef Christoph Achenbach den Rücken und wies die Spekulation über eine geplante Entlassung zurück. Middelhoff ließ in Essen erklären, an den Berichten, dass Banken nach der Sanierung den Rücktritt von Achenbach betreiben würden, sei nichts dran. Er stehe nach wie vor fest zu Achenbach. Der frühere Versandhandelschef hatte erst im Juni den glücklosen Wolfgang Urban an der Konzernspitze abgelöst. Hintergrund sind schwere Einbußen im Kaufhaus-, aber auch Versandhandelsgeschäft.

KarstadtQuelle stand im Laufe der Woche unter dem Druck, bis zum heutigen Freitag die von Einzelaktionären eingelegten Widersprüche gegen die 500 Millionen Euro umfassende Kapitalerhöhung auszuräumen. Ohne die Einigung wollten die Banken die zugesagten Kredite in Höhe von 1,75 Milliarden Euro zurückziehen, hieß es. "Wenn die Kapitalerhöhung blockiert wird, droht der Gesellschaft die Insolvenz", hatte Middelhoff am Montag im Zuge der Hauptversammlung gewarnt. Die Kapitalspritze ist jedoch dringend nötig, um das nahezu aufgezehrte Eigenkapital wieder aufzustocken.

Widersprochen hatten der Kapitalerhöhung unter anderen eine Gruppe von Kleinaktionären, die vom Verein zur Förderung der Aktionärsdemokratie (VFA) vertreten werden, sowie der Kasseler Kleinaktionär Rainer Johannes. Der VFA hat Vorwürfe zurückgewiesen, dass es bei den Widersprüchen darum ginge, finanzielle Vorteile zu erlangen. Der Einspruch sei ein rein formaler Akt, mit dem Kleinaktionäre ihre Rechte bei künftigen gerichtlichen Verfahren wahren wollten. "Auf keinen Fall haben wir die Sanierung von KarstadtQuelle damit blockieren wollen", hieß es.