BASF "Zukunft ohne Risiko ist nicht zu haben"

Rund zwei Milliarden Euro investiert der weltgrößte Chemiekonzern BASF derzeit für neue Anlagen in China. Laut Vorstandschef Jürgen Hambrecht sind Investitionen in Asien nötig, um den Standort Deutschland zu sichern. Damit allein sei es jedoch nicht getan.

Hamburg - "Wir erschließen in China einen Wachstumsmarkt, der in zehn Jahren fast zehnmal größer sein wird als heute", sagte Hambrecht am Mittwoch vor dem Club Hamburger Wirtschaftsjournalisten (CHW). Allein von Deutschland aus lasse sich "der am schnellsten wachsende Chemiemarkt der Welt" kaum erschließen.

BASF  investiert derzeit unter anderem in eine neue Fertigungsanlage im Chemiepark Caojing bei Shanghai. Bis zum Jahr 2010 sollen 70 Prozent der Produkte, die BASF in Asien verkauft, vor Ort produziert werden. Derzeit sind es rund 50 Prozent. "Die im Stammwerk Ludwigshafen hergestellten Spezialitäten können wir auf diese Produkte aufsetzen - das ist auch gut für den Standort Deutschland", sagte Hambrecht.

Das Stammwerk Ludwigshafen, derzeit der größte Chemiestandort der Welt, soll seine überragende Stellung behalten: Die BASF investiere in Ludwigshafen allein für Forschung, Entwicklung und Wartung jedes Jahr mehr als eine Milliarde Euro, sagte Hambrecht. "Wir sind Deutschland verbunden und beauftragt, das Herz gesund zu halten - das tun wir auch durch Wachstum in Asien."

An Produktivitäts- und Effizienzsteigerungen, die in Ludwigshafen in den vergangenen Jahren bereits zu einem deutlichen Personalabbau geführt haben, komme der Konzern angesichts des globalen Wettbewerbs nicht vorbei: Der Konzern hätte jetzt um rund 1,6 Milliarden Euro höhere Fixkosten pro Jahr, wenn die BASF ihre Produktivität seit 1990 nicht kontinuierlich verbessert hätte. "Dann wäre die BASF heute nicht mehr da", so Hambrecht.

Mehr Mut zu Risiko und Innovation

Mehr Mut zum Risiko, mehr Mut zur Innovation

Investitionen in Wachstumsmärkte und Steigerungen der Effizienz reichen nach Einschätzung des BASF-Vorstandschefs aber nicht aus, um den Standort Deutschland zu sichern.

"Mut zur Innovation und die Bereitschaft, stärker voneinander zu lernen, sind der Schlüssel zu mehr Wachstum in Deutschland", betonte Hambrecht. Es mangele in Deutschland nicht an guten ausgebildeten Köpfen und an guten Ideen. "Wir müssen aber noch viel stärker gemeinsam und voneinander lernen", sagte der 57-Jährige BASF-Chef.

Ein funktionierendes Wissensnetzwerk sowie mehr Unternehmertum an den Hochschulen seien Voraussetzungen für den Erfolg. Entscheidend für Deutschland sei die Innovationsstärke: "Wir müssen umso besser werden, je teurer wir sind", sagte Hambrecht.

Wichtige Innovationen stehen nach seiner Einschätzung auf dem Gebiet der Biotechnologie, der Nanotechnologie, des Energiemanagements und der Materialwissenschaften bevor. Auf diesen Gebieten müsse Deutschland dabei sein.

Dazu gehöre allerdings auch der Mut, Neues zu wagen. "Die Aversion gegen jedes Risiko gehört zu den größten wirtschaftlichen Hindernissen in Deutschland", sagte Hambrecht mit Blick auf die deutsche Gesetzgebung zum Thema Gentechnik. Null Risiko bedeute null Wachstum: "Eine Zukunft ohne Risiko ist nicht zu haben".

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