KarstadtQuelle Banken sägen an Stühlen der Vorstände

Die umstrittene Kapitalerhöhung könnte die letzte Amtshandlung von Christoph Achenbach und seinen Vorstandskollegen bei KarstadtQuelle sein. Die Spitzenmanager sollten danach gefeuert werden, hieß es aus Bankenkreisen. Unterdessen lässt KarstadtQuelle die Kapitalerhöhung bereits ins Handelsregister eintragen.

Frankfurt - Die Gläubigerbanken des angeschlagenen Handelskonzerns KarstadtQuelle  werden Bankenkreisen zufolge nach der geplanten Kapitalerhöhung auf die Ablösung von mehreren Vorständen drängen. Die gegen die Kapitalspritze opponierenden Kleinaktionäre sollen den Kreisen zufolge mit Abfindungen zur Rücknahme ihrer Widersprüche bewegt werden.

Wenn die für die Rettung des Unternehmens wichtige Kapitalmaßnahme abgeschlossen sei, werde die Gruppe der Gläubigerbanken die Entlassung der verantwortlichen Spitzenmanager fordern, erfuhr Reuters am Donnerstag aus Bankenkreisen. Auf Nachfrage wurde in den Kreisen angedeutet, die Rücktrittsforderung werde auch Konzernchef Christoph Achenbach einschließen. Ein Sprecher des Handelskonzerns sagte dazu: "Wir können Spekulationen und Gerüchte nicht kommentieren."

Der KarstadtQuelle-Aufsichtsratsvorsitzende Thomas Middelhoff sagte Achenbach daraufhin seine Unterstützung zu. Middelhoff habe erklärt, dass er weiter fest zu Achenbach in seiner Funktion als Vorstandsvorsitzender stehe, sagte ein Unternehmenssprecher am Donnerstag zu Dow Jones Newswires. Kürzlich hatte Middelhoff sich und Achenbach in einem Interview der "WirtschaftsWoche" als "perfektes Paar" bezeichnet.

Achenbach hatte erst im vergangenen Juni den Chefsessel in Essen von Wolfgang Urban übernommen, der auf Grund anhaltender Umsatzeinbrüche und Verluste den Hut nehmen musste. Seither hat er dem angeschlagenen Konzern eine Radikalkur verordnet, um das Überleben von KarstadtQuelle zu sichern. Zuvor hatte Achenbach das Versandgeschäft des Konzerns verantwortet. Der 1958 in Münster geborene Manager hatte 1989 bei Quelle im Unternehmensbereich "Strategische Planung" begonnen. Im März 2001 wurde er zum Vorstandschef bei Quelle ernannt. In den Konzernvorstand rückte er im Mai 2001 auf und war dort für den Versandhandel zuständig.

Widerständlier mit Geld auf Linie bringen?

Den Bankenkreisen zufolge soll der Widerstand einiger Aktionäre gegen die Kapitalerhöhung durch die Zahlung von Abfindungen gebrochen werden. Konzernsprecher Jörg Howe sagte dazu: "Es geht definitiv nicht um Geld." Eine für Donnerstagnachmittag angekündigte Erklärung zum Stand der Verhandlungen verschob der Konzern jedoch auf unbestimmte Zeit.

Die KarstadtQuelle AG hat am Donnerstag den Beschluss der Hauptversammlung zur Kapitalerhöhung ins Handelsregister eintragen lassen. Dies teilte ein Sprecher des zuständigen Amtsgerichtes Essen auf Anfrage von Dow Jones Newswires mit. Ob diese Eintragung in Zusammenhang mit einer möglichen Einigung mit den Aktionären stand, die der Finanzmaßnahme widersprochen haben, konnte der Unternehmenssprecher nicht sagen.

Sechs Aktionäre hatten bei der außerordentlichen Hauptversammlung am Montag Widerspruch gegen die geplante Kapitalerhöhung eingelegt. Ziehen sie ihre Widersprüche nicht bis Freitag zurück, kann der Verkaufsprospekt für die neuen Aktien nicht termingerecht veröffentlicht werden. Letztlich wäre damit die gesamte Finanzierung des Sanierungskonzepts gefährdet, womit eine Insolvenz nicht mehr auszuschließen wäre.