KarstadtQuelle "Wir nehmen kein Schmutzgeld"

Ein halbes Dutzend Aktionäre setzt Karstadts Management unter Druck und blockt ein Rettungsprogramm. "Subversive Unterstellungen" nennt VFA-Aktionärsschützer Leonhard Knoll den Abzock-Vorwurf, der den Rebellierenden prompt gemacht wurde. Gegenüber manager-magazin.de erläutert Knoll, welches Exempel tatsächlich statuiert werden soll.
Von Christian Buchholz

Berlin/Essen - Wird KarstadtQuelle  auf Grund der Beharrlichkeit einiger Aktionäre in die Insolvenz steuern? Vorgestern hatte Aufsichtsratschef Thomas Middelhoff dieses Szenario gemalt und an die Adresse rebellischer Aktionäre gedroht, dass ihnen in dem Fall Schadensersatzforderungen ins Haus stünden. "Derartige Totschlaginstrumente gilt es - auch für die Zukunft - zu vermeiden", sagt Leonhard Knoll, Sprecher des Vereins zur Förderung der Aktionärsdemokratie (VFA) in Würzburg, gegenüber manager-magazin.de.

Eine VFA-Vertreterin, die ebenso wie der Verein selbst keine KarstadtQuelle-Aktie hält, hatte während der Hauptversammlung von KarstadtQuelle am Montag Widerspruch gegen das zentrale Thema Kapitalerhöhung - über 500 Millionen Euro - eingelegt.

Die Widersprüche bezeichnet Knoll als "wesentlich harmloser als vom KarstadtQuelle-Management dargestellt". Es seien seltene Fälle in Deutschland, bei denen eine Kapitalerhöhung während einer Hauptversammlung beschlossen werde, ohne dass Widersprüche zu Protokoll gingen.

Anfechtungsinfizierte Aktien sind nichts Besonderes

Die Argumentation der KarstadtQuelle-Chefs, das Bankenkonsortium werde die Kapitalerhöhung nicht umsetzen, so lange die jungen Aktien "anfechtungsinfiziert" seien, hält Knoll mithin für nicht überzeugend: "Die Banken sind so etwas durchaus gewohnt." Der Aktienrechtsexperte verweist darauf, dass es dem VFA nicht darum gehe, den KarstadtQuelle-Konzern an den Rand der Insolvenz zu drängen.

Wichtig sei vielmehr, dass es dem Konzernmanagement nicht gelingen dürfe, "mit schwammigen Formulierungen und wenig Transparenz" eine Kapitalerhöhung durchzusetzen. Die Aktionäre hätten als Geldgeber des Unternehmens ein Recht darauf, rechtzeitig über finanzielle Maßnahmen von gewisser Tragweite umfassend informiert zu werden.

Nachgefordert wird nun von dem Verein, dass KarstadtQuelle zumindest eine Zusammenfassung der Analyse von Unternehmensberater Roland Berger veröffentlicht, nach deren Studium die Banken eine Kreditlinie über 1,75 Milliarden Euro verlängerten.

"Die Kuh sollte schnell vom Eis"

Kommt nach der Kapitalerhöhung noch ein Convertible?

Ebenso müsse der Konzern eine Antwort auf die Frage geben, ob die Kapitalerhöhung - Ausgabe von 93 Millionen jungen Aktien - ausreiche, um den zusätzlichen Finanzbedarf des Konzerns zu decken. KarstadtQuelle könnte nämlich eine Wandelanleihe über mindestens 125 Millionen Euro auflegen, falls die 500 Millionen Euro allein durch die Kapitalerhöhung nicht hereinzuholen sind.

KarstadtQuelle-Vorstandschef Christoph Achenbach hatte während der HV zwar mitgeteilt, dass der Konzern sich vorbehalte, eine solche Wandelanleihe auf den Markt zu bringen, über die Konditionen des Finanzierungsinstruments aber nur spärliche Informationen geliefert. "Hätte nur gefehlt, dass das Management an dieser Stelle hinzufügt, 'Liebe Aktionäre, vertraut uns einfach'", sagt Knoll.

"Die Kuh sollte schnell vom Eis"

Am heutigen Mittwoch sitzen die rebellierenden Aktionäre am Runden Tisch mit der Konzernleitung von KarstadtQuelle. "Ich hoffe, dass die Kuh anschließend vom Eis ist", prognostiziert VFA-Sprecher Knoll. Allerdings könne er nicht für die "drei bis vier Aktionäre" sprechen, die neben der VFA Widerspruch gegen die Kapitalerhöhung eingelegt hatten.

"Bislang sind wir uns nicht näher gerückt, aber auch nicht auseinander", sagte Investor-Relations-Chef Detlef Neveling. Die Gespräche würden auf Vorstandebene geführt. "Die Aktionäre, die Widerspruch eingelegt haben, sind keine Betonköpfe, sondern sie setzen sich konstruktiv mit uns auseinander," sagte Neveling. Er sei zuversichtlich, dass bis Freitag eine Lösung gefunden werde. Zur Frage, ob die widerstrebenden Aktionäre finanzielle Forderungen erhoben hätten, sagte Neveling: "Ich glaube nicht, dass finanzielle Aspekte im Vordergrund stehen." Für den morgigen Donnerstag Nachmittag kündigte ein Sprecher von KarstadtQuelle gegenüber manager-magazin.de eine Erklärung zum Stand der Gespräche an, die am Mittwoch ohne umfassende Einigung der Parteien unterbrochen worden waren.

Der Aktionärsbund erwarte aber nach dem Gespräch, dass im Ergebnis mehr Fakten von KarstadtQuelle "in Form von Pressemitteilungen oder Adhocs" genannt werden. Ob auch über die Frage des Festhaltens an der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO diskutiert wird, ließ Knoll offen. Die Prüfer hatten dem Konzern noch im Februar ein Testat verliehen, in dem die Gefahr der wenig später einsetzenden, existenzbedrohlichen Krise offenbar nicht erkannt wurde.

Knoll verwahrte sich gegen einen indirekt erhobenen Vorwurf des Betriebsratsvorsitzenden von KarstadtQuelle, Wolfgang Pokriefke, es ginge den rebellischen Kleinaktionären lediglich darum "Geld abzuzocken".

Knoll erwiderte, dies seien "subversive Unterstellungen. Der VFA nimmt kein Schmutzgeld. Uns geht es einzig und allein darum, dass der Konzern seine Entscheidungen und Strategien transparenter und damit bewertbarer macht. Wenn es in der Vergangenheit Schmutzgeldzahlungen zur Abwendung von Klagen gegeben haben sollte, lehnen wir dies ab. Und wer das Gegenteil behauptet, soll Beweise vorlegen oder schweigen."

Betriebsrat - Abzocker und Theater

Betriebsrat spricht von Abzockern und Theater

Betriebsratschef Pokriefke hatte zuvor schwere Vorwürfe gegen die Kleinaktionäre erhoben, die Widerspruch eingelegt haben. Auch bei der Fusion mit der Warenhauskette Hertie habe es ein vergleichbares "Theater" gegeben, in dem es den Aktionären nur um eigene Gewinne gegangen sei, sagte Pokriefke am Mittwoch im DeutschlandRadio Berlin.

"Letzten Endes kam es denen nur darauf an, Geld abzuzocken." Der Betriebsratsvorsitzende sprach sich dafür aus, diesen Aktionären Geld für ihre Zustimmung anzubieten. Von einem Scheitern der Kapitalerhöhung gehe er dennoch nicht aus, sagte Pokriefke, der auch Aufsichtsratsmitglied ist.

Pokriefke betonte, dass KarstadtQuelle auf dem besten Wege zur Stabilisierung sei. Er warnte entschieden davor, die Kunden durch die öffentlichen Diskussionen nochmals zu verschrecken. "Und die Kleinaktionäre, die hier meinen, ihren Proporz nicht richtig einsetzen zu können, sollten genauso daran ein Interesse haben, dass die Aktie und damit auch unser Unternehmen wieder hoch kommt."

Middelhoff verzichtet auf juristischen Druck

Damit KarstadtQuelle das Kapital noch in diesem Jahr erhöhen kann, müssen die Widersprüche bis Freitag zurückgenommen werden, teilte der Konzern mit. Sonst könne der Börsenprospekt für die Kapitalerhöhung nicht veröffentlicht werden. Gelinge dies nicht, könnten die neuen Aktien in diesem Jahr nicht mehr platziert werden.

Die Gläubigerbanken hielten sich einen Tag nach der Hauptversammlung bedeckt. Aus Kreisen der Institute hieß es jedoch, dass diese an ihrer Forderung nach einer Kapitalerhöhung noch in diesem Jahr festhalten wollten. Ohne die Kapitalerhöhung würden sie ihre Kreditzusagen für KarstadtQuelle zurückziehen.

Das Geld benötige der Konzern ab Anfang 2005, erklärte der Unternehmenssprecher. Gegenüber der "Wirtschaftwoche" sagte Aufsichtsratschef Thomas Middelhoff, der Konzern werden juristisch nicht gegen die sechs Aktionäre vorgehen: "Die Zeit haben wir ganz einfach nicht." Außerdem forderte Middelhoff eine "öffentliche Diskussion" zu dem Thema, da "andere Unternehmen künftig in ganz ähnlichen Situationen sein werden".