KarstadtQuelle Sechs Aktionäre schießen quer

Die mühsam ausgehandelte Kreditlinie über 1,75 Milliarden Euro wackelt: Auf der Hauptversammlung haben sechs Aktionärsvertreter Widerspruch gegen den Beschluss der Kapitalerhöhung eingelegt. Sollten die Widersprüche nicht bis Freitag ausgeräumt werden, droht die Insolvenz.

Düsseldorf - Die Aktie von KarstadtQuelle  ist seit der turbulenten Hauptversammlung wieder unter Druck geraten. Die fest geplante und lebenswichtige Kapitalerhöhung droht zu scheitern, weil es überraschend Widerstand von Aktionärsseite gibt. Zu den Widerständlern zählt der Verein zur Förderung Aktionärsdemokratie, der von Studenten des Wirtschaftswissenschaftlers Ekkehard Wenger gegründet wurde.

Zwar haben die Aktionäre der Kapitalerhöhung mit 99,7 Prozent der Stimmen zugestimmt. Doch sechs Aktionärsvertreter haben nach Angaben von Aufsichtsratschef Thomas Middelhoff noch vor der Abstimmung Widerspruch gegen den Beschluss eingelegt.

Einspruch von ehemaligem Geschäftsführer

Der frühere Geschäftsführer einer Sinn-Leffers-Modehaus-Filiale, Rainer Johannes, ist nach Konzernangaben einer von den insgesamt sechs KarstadtQuelle-Aktionären, die Widerspruch eingelegt haben. Johannes bot auf der Hauptversammlung aber an, seinen Widerspruch zurückzuziehen, wenn ihm und seinen Geschäftspartnern Sinn Leffers zum Kauf angeboten werde.

Zweite Aktionärin, die Widerspruch einreichte, ist Caterina Steeg, die bereits auf der Hauptversammlung des Mobilfunk-Konzerns Mobilcom  im Mai harte Wortgefechte mit dem dortigen Aufsichtsratschef Dieter Vogel führte. Auch während der Übernahmeverhandlungen zwischen Mannesmann und Vodafone  war Steeg als Aktionärssprecherin mehrfach aufgetreten.

Sie ist zweite Vorsitzende des "Vereins zur Förderung der Aktionärsdemokratie" in Würzburg. In Düsseldorf vertrat sie für den Verein weitere Aktionäre als Sprecherin.

Andere Aktionärsvertreter hatten die Konditionen der Kapitalerhöhung ebenfalls kritisiert. "KarstadtQuelle wird viel zu billig angeboten", sagte die Sprecherin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Jella Benner-Heinacher.

Weitere Sprecher kritisierten mangelnde Informationen über die Details der Kapitalerhöhung, die erst in den nächsten Tagen bekannt gegeben werden sollen.

Banken allergisch gegen "anfechtungsinfizierte Aktien"

Allergisch gegen "anfechtungsinfizierte Aktien"

AR-Chef Middelhoff warnte die Aktionäre jedoch vor einer Blockade des Beschlusses. "Wenn die Kapitalerhöhung blockiert wird, dann ist das existenzgefährdend, dann droht der Gesellschaft die Insolvenz." Die Versammlung muss bis spätestens Mitternacht die Kapitalerhöhung auf den Weg bringen, sonst drohe der Terminplan für die Kapitalerhöhung zu platzen, hieß es anfangs.

Später wurde eingeschränkt, der Verkaufsprospekt für die neuen Aktien müsse am Freitag gedruckt werden. Bei bestehenden Einsprüchen sei dies unmöglich, sagte ein Konzernsprecher. Ohne die Kapitalerhöhung platzt jedoch der Kredit der Banken über 1,75 Milliarden Euro - die Insolvenz stände vor der Tür.

Sollten Widersprüche bestehen bleiben, würden die Kredit gewährenden Banken ein erhebliches Risiko sehen, "anfechtungsinfizierte Aktien" zu platzieren, sagte KarstadtQuelle-Sprecher Jörg Howe nach Gesprächen mit den Bankenvertretern.

Zwei Millionen Euro Abfindung für Ex-Chef Urban

Damit die Kapitalerhöhung mit der Ausgabe von 93,041 Millionen Aktien noch in diesem Jahr stattfinden könne, müsse der Verkaufsprospekt bis Ende November von der Börse gebilligt werden. "Die Banken werden mit der Platzierung der Aktien nicht beginnen, wenn es die Möglichkeit von Anfechtungsklagen gibt", sagte Howe.

Aktionärsschützer kritisierten während der Versammmlung die Regelung für den Ex-Chef des Konzerns, Wolfgang Urban, als "goldenen Handschlag". Der gescheiterte Topmanager hat nach seinem Abgang im Frühjahr (zum 31. Mai) eine Abfindung von zwei Millionen Euro erhalten. Damit seien alle Ansprüche auf Bonuszahlungen aus seinem Vertrag bis Ende September 2007 pauschal abgegolten worden, sagte Middelhoff.

Zudem erhalte Urban bis zu diesem Zeitpunkt monatlich 65.000 Euro. Ausgehend von 40 Monaten Laufzeit summiert sich die Gesamtsumme, die der Konzern an Urban von seiner Freistellung an zahlt, demnach auf 4,6 Millionen Euro. Von dem monatlich zahlbaren Betrag würden aber eventuelle anderweitige Einnahmen des früheren Vorstandsvorsitzenden abgezogen, ergänzte Middelhoff.

Prognose runter, Dividende weg

Gewinnprognose gesenkt, Dividende gestrichen

Der angeschlagene Handelskonzern hat außerdem angesichts des harten Sanierungskonzepts und der anhaltenden Konsumflaute seine Gewinnprognose für das Jahr 2005 reduziert. Man gehe weiterhin davon aus, 2005 in die schwarzen Zahlen zu kommen, sagte Vorstandschef Christoph Achenbach - wenn auch nur knapp. Der Umsatz ist im Vergleich zum Vorjahr um sieben Prozent auf 11,9 Milliarden Euro gesunken.

Der Konzern steuere im kommenden Jahr trotzdem ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) in Höhe von 245 Milionen Euro an. Unter dem Strich rechne der Konzern mit einem ausgeglichenen Ergebnis, sagte Finanzchef Harald Pinger.

2006 rechne der Konzern mit einem Ebit von 481 Millionen Euro, im Jahr darauf mit 666 Millionen Euro und 2008 mit dann 710 Millionen Euro. Die Prognosen für den Überschuss lägen für diese Zeiträume bei 240 Millionen Euro für 2006 und jeweils 313 Millionen Euro in den Jahren 2007 und 2008.

Bezugspreis für neue Aktien noch in dieser Woche

Achenbach präsentierte während der Hauptversammlung den Aktionären Details der Kapitalerhöhung, die noch am Montag abgesegnet werden muss. Insgesamt sollen rund 93,041 Millionen neue Aktien ausgegeben werden, um 500 Millionen Euro für die Sanierung des Unternehmens zu erlösen. Die Kapitalspritze ist nötig, weil das Eigenkapital wegen der hohen Verluste drastisch geschrumpft ist.

Die Hauptaktionäre, der Pool Madeleine Schickedanz und die Dresdner Bank hätten sich verpflichtet, sich mit insgesamt rund 280 Millionen Euro an der Kapitalerhöhung zu beteiligen, sagte Achenbach.

Sieben neue für acht alte Aktien

Für acht alte KarstadtQuelle-Aktien können sieben neue Aktien bezogen werden. Die Höhe des Bezugspreises hänge vom Marktumfeld ab, sagte Achenbach. Er erwarte einen Preis von mindestens 5,38 Euro.

"Sollte der Bezugspreis unter 5,38 Euro liegen, wäre mit der heute zu beschließenden Kapitalerhöhung der geplante Emissionserlös von mindestens 500 Millionen Euro nicht auf direktem Weg zu erzielen." In diesem Fall werde der Vorstand mit Zustimmung des Aufsichtsrats mehr als die geplanten rund 93 Millionen Anteilsscheine platzieren. Die Bezugsfrist für die neuen Aktien von KarstadtQuelle soll am 30. November beginnen und am 13. Dezember enden.

Banken wollen Sanierungsberater

Banken wollen Sanierungsberater

KarstadtQuelle bestätigte, dass mit den Banken über einen externen Sanierungsberater für den Vorstand gesprochen werde. Die Banken wollen einen Experten im Umfeld von Karstadt-Chef Christoph Achenbach platzieren, um den Sanierungskurs zu begleiten. Das Bankkonsortium hat dem Konzern für drei Jahre Kredite über 1,75 Milliarden Euro zugesagt.

Verkauf von Immobilien stockt

Die vom KarstadtQuelle-Konzern geplante Trennung von Immobilien und Beteiligungen erweist sich unterdessen wegen zu niedriger Preisangebote komplizierter als gedacht. "Da die gebotenen Preise für einzelne Objekte teilweise noch nicht unseren Vorstellungen entsprechen, werden wir zunächst noch mit der Veräußerung warten und weitere Angebote einholen", sagte Achenbach. Deshalb werde der erwartete Liquiditätszufluss nicht je zur Hälfte in 2004 und 2005 erfolgen, sondern zu größeren Teilen auf das Jahr 2005 entfallen.

Der Konzern werde keinen eigenen Vorstand für die laufenden Restrukturierungsaufgaben einsetzen, aber auf das Know-how von externen Experten wie der Unternehmensberatungsfirma Roland Berger unterhalb der Vorstandsebene zurückgreifen.

Insgesamt will das Unternehmen aus den Verkäufen von kleineren Warenhäusern, Fitness-Studios, Einzelhandelsketten und Firmenbeteiligungen eine Milliarde Euro erzielen.

Abschied von Starbucks - DSF-Verkauf möglich

Als erster Teil des Desinvestitionsprogramm ist der bereits angekündigte Verkauf der 82-Prozent-Beteiligung am Joint Venture mit der US-Kaffeehauskette Starbucks  perfekt.

Die Amerikaner übernehmen zu einem nicht genannten Preis die 37 Filialen in Deutschland. Achenbach erklärte, die weitere Expansion der Kette wäre für den Konzern zu teuer geworden. Der Konzern habe mehr als die Hälfte seiner Investitionen von insgesamt 36 Millionen Euro eingenommen, fügte Achenbach auf Fragen von Aktionären hinzu.

Ein Verkauf der Beteiligung am TV-Sportsender DSF werde generell nicht ausgeschlossen. Zwar wolle man nach derzeitigem Stand an dem Investment festhalten, bei einem angemessenen Preis sei eine Trennung jedoch eine Option, teilte der Vorstand mit. Karstadt und der Medienkonzern EM.TV  sind jeweils mit etwa 40 Prozent am DSF beteiligt. EM.TV-Chef Werner Klatten hatte im Oktober Interesse am Kauf des Karstadt-Anteils gezeigt, Achenbachs erste Reaktion darauf war jedoch ablehnend.

Als Ergebnis einer Abstimmung gegen 20.30 Uhr wurde beschlossen, die Hauptversammlung nicht zu vertagen. Ebenfalls verworfen wurde ein Aktionärsvorschlag, wonach der Konzern eine Sonderprüfung durchführen soll.

Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.