KarstadtQuelle "Die schlechteste aller Kapitalerhöhungen"

Zur Hauptversammlung schlagen die Wellen noch einmal hoch – der Gewerkschaft Verdi ist das Tempo des Konzernumbaus bei Karstadt und Quelle zu niedrig. DSW-Aktionärsschützerin Benner-Heinacher kritisiert zudem, dass die Banken zwar der lebenswichtigen Finanzspritze zugestimmt hätten, sich aber ansonsten zu passiv verhielten.

Essen - Nach der Unterschrift des Bankenkonsortiums unter die Milliarden-Kredite für den angeschlagenen Waren- und Versandhausriesen KarstadtQuelle  steht jetzt einer Zustimmung der Aktionäre zu der geplanten Kapitalerhöhung nichts mehr im Wege. Bei einer außerordentlichen Hauptversammlung am Montag (22.11.) in Düsseldorf sollen die Anteilseigner der Kapitalerhöhung zustimmen, die rund 500 Millionen Euro in die Kassen des ums Überleben kämpfenden Unternehmens bringen soll.

Wichtige Großaktionäre wie der Pool Madeleine Schickedanz und die Dresdner Bank AG hätten bereits ihre grundsätzliche Bereitschaft erklärt, die Kapitalerhöhung entsprechend ihres Anteils zu zeichnen, teilte das Unternehmen mit. Die überlebenswichtige Kapitalerhöhung, die das drastisch geschrumpfte Eigenkapital von KarstadtQuelle auffüttern soll, gilt damit als gesichert.

Großaktionärin Madeleine Schickedanz (61) muss nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" tief in die Tasche greifen. Von der für die Sanierung benötigten Kapitalerhöhung von 500 Millionen Euro würden "mehr als 210 Millionen Euro" aus dem Milliarden-Vermögen der mit einem Anteil von 41 Prozent an dem Unternehmen beteiligten Quelle-Erbin kommen, berichtete die Zeitung.

Würde der Schikedanz-Pool nicht mit seinem Kapital zu KarstadtQuelle stehen, gäbe es den Konzern wohl bald nicht mehr, schreibt das Blatt.

"Wir können jetzt daran gehen, auf unserer außerordentlichen Hauptversammlung die notwendige Kapitalerhöhung sicherzustellen", erklärte Konzernchef Christoph Achenbach. Dies sei ein wichtiger weiterer Schritt, um KarstadtQuelle schnellstmöglichst wieder zu einem profitablen Unternehmen zu machen.

Kredit als Vertrauensbeweis

Nach langen Verhandlungen hatte ein Konsortium von 16 Banken am Freitag schließlich die Unterschriften unter eine dem Konzern gewährte Kreditlinie von 1,75 Milliarden Euro mit einer Laufzeit von drei Jahren gesetzt. Als letzte Institute hatten die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) und die Norddeutschen Landesbank (Nord/LB) zugestimmt. Beide Landesbanken, die mit je 25 Millionen Euro beim Essener Konzern engagiert sind, hatten nach Angaben aus Branchenkreisen bislang eine Einigung unter den Gläubigerbanken behindert.

Das Konsortium wird von der Bayerischen Landesbank und der ABN Amro Bank koordiniert. Die Banken zeigten "mit diesem Kredit ein hohes Maß an Vertrauen in den Konzern und das Management", sagte Achenbach.

Die Deutsche Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) kritisierte den Finanzierungsplan. "Das ist die schlechtestes Kapitalerhöhung, die ich je erlebt habe", sagte DSW-Geschäftsführerin Jella Benner-Heinacher der Tageszeitung "Die Welt". Die Banken seien die Hauptprofiteure der Kapitalerhöhung. Zur Sanierung des Konzern hätten die Kreditinstitute jedoch noch nicht viel beigetragen. Kleinaktionäre sollten sich eine Zeichnung der Kapitalerhöhung sehr genau überlegen.

Neuausrichtung in Zeitlupe?

Neuausrichtung in Zeitlupe?

Ein unabhängiger Experte soll den weiteren Sanierungsprozess nun nach Informationen des manager magazins als sogenannter CRO (Chief Restruction Officer) begleiten - auf Drängen beteiligter Kreditinstitute. Auch die Unternehmensberatung Roland Berger wird in die Restrukturierung eingebunden. Vor gut einer Woche hatte Roland Berger in einem von den Banken beauftragten Gutachten grünes Licht für den Sanierungsplan des Warenhauskonzerns gegeben.

Das von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (BaFin) geforderte Gutachten sei für die Banken bereits bei der Vorlage das entscheidende Zusagekriterium gewesen, hieß es in Bankenkreisen. Das Restrukturierungskonzept greife an die richtigen Hebel und sei geeignet, die bisherigen Verlustursachen im KarstadtQuelle-Konzern zu beseitigen, hieß es in dem Gutachten.

Neben der Verlängerung der Kreditlinien und der Zustimmung der Aktionäre zu der Kapitalerhöhung war die Einigung mit der Belegschaft eines der Schlüsselelemente für die Sanierung des Konzerns. Mit ihrer Zustimmung zu dem geplanten Abbau von 5500 Stellen und zu Lohneinbußen soll der Sanierungsbeitrag der Belegschaft bei 760 Millionen Euro liegen. Zudem verhandelt KarstadtQuelle auch noch mit mehreren Geldgebern über eine weitere Finanzierung von rund 500 Millionen Euro als zusätzlichen "Puffer".

Verdi: Mitbestimmung muss verändert werden

Der Gewerkschaft gehen die Umbau-Pläne allerdings nicht schnell genug voran. Verdi-Vorstandsmitglied Franziska Wiethold hat die Leitung des angeschlagenen Karstadt-Konzerns aufgefordert, endlich mit der notwendigen Neuausrichtung zu beginnen. Wiethold, die auch im Aufsichtsrat des Konzerns ist, wandte sich am Sonntag in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP gegen Vorwürfe, die Arbeitnehmervertreter hätten nicht frühzeitig auf Fehlentwicklungen bei KarstadtQuelle aufmerksam gemacht.

Wiethold verwies darauf, dass die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat nicht die Mehrheit haben und sich deshalb oft nicht hätten durchsetzen können. "Wir haben unsere Verantwortung immer sehr ernst genommen und früh auf Dinge hingewiesen, die aus unserer Sicht nicht richtig gelaufen sind", sagte sie. Beispielsweise habe sie kritisiert, dass nur mit kurzfristigen Kostensparprogrammen reagiert worden sei und der Konzern sein Heil in Investitionen in neuen Geschäftsfelder gesucht habe. "Er hätte stärker am Kerngeschäft arbeiten müssen", sagte die Verdi-Vertreterin.

Aus den Erfahrungen der Karstadt-Krise soll nach Auffassung von Wiethold darüber nachgedacht werden, "ob eine echte Parität, also Stimmengleichheit für Arbeitnehmer- und Eignervertreter, helfen könnte, Fehlentwicklungen rechtzeitig zu korrigieren". Im Übrigen habe gerade das Beispiel KarstadtQuelle gezeigt, dass die Arbeitnehmerseite bereit sei, in schwierigen Zeiten in die Verantwortung zu gehen und gemeinsam mit der Unternehmensleitung tragfähige Lösungen zu entwickeln. "So etwas geht immer nur mit, nicht ohne oder gar gegen die Beschäftigten."

Wiethold wandte sich entschieden gegen Positionen der Arbeitnehmerseite, die Mitbestimmung in Deutschland sei im internationalen Wettbewerb ein Standortnachteil. In Betrieben, in denen die Arbeitnehmerinteressen von gewählten Betriebsräten vertreten würden, herrsche meist ein produktives Miteinander, sagte sie. "