European Banking Congress Der Banker von Loch Ness

Die Elite der europäischen Bankwirtschaft erstarrt in Ehrfurcht, wenn sich der Doyen der Finanzwelt zu ihnen hernieder begibt: Alan Greenspan in Frankfurt, das war schon ein Ereignis. Auch wenn er die Europäer enttäuschte. manager-magazin.de war live dabei.
Von Arne Stuhr und Matthias Kaufmann

Frankfurt am Main - In einem Cartoon des Amerikaners Gary Larson bietet sich einem ahnungslosen Touristen auf einer Dschungellichtung ein unglaubliches Bild: Der Yeti, Pinocchio, Elvis und das Monster von Loch Ness - vier Legenden beim gemütlichen Plausch. Nur, dass dem Touristen niemand glauben wird. Er hat keinen Film in seiner Kamera.

Der European Banking Congress, der heute in der altehrwürdigen Frankfurter Oper stattfand, erinnerte ein wenig an diese Szene. Nur dass die Zeugen der Begegnung besser vorbereitet waren als Larsons Tourist. Kameras und Mikrofone waren scharf geschaltet. Das letzte Mal, dass die deutsche Finanzwelt solch ein Medienaufgebot gesehen hat, war wohl beim Mannesmann-Prozess.

Auch heute beteiligte sich Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, allerdings kam ihm glücklicherweise diesmal nur die Rolle als Statist zu. Neben ihm traten unter anderem auch EZB-Chef Jean-Claude Trichet und Bundesbank-Präsident Axel Weber als Nebendarsteller auf. Doch die Show gehörte einem allein: Dem Chef der US-Notenbank, Alan Greenspan.

Scherzende Titanen: Greenspan (l.) lacht über einen Witz von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet

Scherzende Titanen: Greenspan (l.) lacht über einen Witz von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet

Foto: DPA
Gipfeltreffen: Greenspan mit Kazumasa Iwata, Vizegouverneur der japanischen Nationalbank, Josef Ackermann und Jean-Claude Trichet (v. l.)

Gipfeltreffen: Greenspan mit Kazumasa Iwata, Vizegouverneur der japanischen Nationalbank, Josef Ackermann und Jean-Claude Trichet (v. l.)

Foto: DDP
Er spricht: Greenspan hält seine mit Spannung erwartete Rede

Er spricht: Greenspan hält seine mit Spannung erwartete Rede

Foto: DDP
Auf der Dschungellichtung: Petra Roth (CDU), Oberbürgermeisterin von Frankfurt, als Gastgeberin der Finanzbranche

Auf der Dschungellichtung: Petra Roth (CDU), Oberbürgermeisterin von Frankfurt, als Gastgeberin der Finanzbranche

Foto: DDP


Die Landung:
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um Greenspan in Frankfurt zu sehen.

Ebbte das Interesse der Kongressteilnehmer in früheren Jahren nach der Mittagspause - auch diesmal war das Lunchbuffet von barocker Opulenz - rapide ab, blieben diesmal alle bis zum Schluss. Der mächtigste Banker der Welt, zum Anfassen nahe - das wollte sich niemand entgehen lassen.

Um zwanzig nach Zwei dann kam es zum ersehnten Gruppenfoto. Die Chefs der veranstaltenden Banken zusammen mit Oberbürgermeisterin Petra Roth - heute in Pink -, dazu Trichet und der etwas kauzige Amerikaner. Fast schon schüchtern gesellte sich Bundesbank-Chef Weber hinzu, dem Vor-Vorgänger Tietmeyer eine Lektion im staatsmännischen Smalltalk erteilte, als er Greenspan jovial scherzend begrüßte.

Ernst wurde es bei Greenspans Rede, in der mit Spannung ein Statement zum hohen Leistungsbilanzdefizit der USA erwartet wurde. Er könne darin kein unmittelbares Risiko für die Finanzmärkte erkennen, ließ der Banker wissen. Derzeit deute nichts auf Probleme bei der Finanzierung des Defizits hin. Vielmehr bestehe an den internationalen Märkten weiterhin die Bereitschaft, US-Wertpapiere zu kaufen und so das Defizit auszugleichen. Allerdings müsse dies nicht immer so bleiben. Ein Bekenntnis zum schwachen Dollar, und damit zum teuren Euro. Ob Trichet die Stirn runzelte, war nicht zu erkennen.

Ackermann freudig erregt

Hängen blieb bei allen Beteiligten auch die freudige Erregung, mit der Deutsche-Bank-Chef Ackermann das Podium als Moderator eröffnete. "Zum ersten Mal weiß ich, was es heißt, ein Filmstar zu sein - oder ein Notenbanker!" Vor Jahren habe er Greenspan, den "Doyen der Zentralbanker", bei einer Videokonferenz kennen gelernt. Ihn aber jetzt "leibhaftig" zu treffen, sei ja etwas ganz anderes.

Greenspan grinste verschmitzt.

Zwei Stunden später verabschiedete er sich höflich und verließ im Kreise seiner filmreifen Bodyguards die Alte Oper. Dazu spielte eine Combo im Foyer "Guantanamera".

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