Alan Greenspan US-Notenbankchef schickt Dax ins Minus

Mahnungen des US-Notenbankchefs Alan Greenspan belasten den Dollar sowie die Aktienmärkte. Lediglich Bundesbankpräsident Axel Weber sieht Anzeichen, dass sich der Dollar bald erholt. Der Dax schließt mit deutlichen Verlusten.

Frankfurt am Main - Das große Außenhandelsdefizit der USA könnte sich nach Worten von US-Notenbankpräsident Alan Greenspan als Belastung für die amerikanische Wirtschaft erweisen. Die derzeitigen Bilanzungleichgewichte müssten für sich genommen noch kein Problem darstellen, "kumulative Defizite werfen aber komplexere Fragen auf", sagte Greenspan am Freitag auf einem Bankenkongress in Frankfurt am Main.

Das US-Leistungsbilanzdefizit kann nach Einschätzung von Greenspan im Ausland zu einem geringeren Interesse an Dollar-Anlagen führen. Es bestehe zwar weltweit immer noch die Bereitschaft, US-Wertpapiere zu kaufen, sagte Greenspan. Es wäre jedoch falsch anzunehmen, dass dies so bleiben müsste.

Dax fällt ins Minus

Der Dollar setzte daraufhin am Freitag seine Talfahrt gegenüber dem Euro fort. Auch die US-Indizes Dow Jones  und Nasdaq Composite  drehten daraufhin ins Minus. Der Dax , der am Freitag Mittag noch die Marke von 4200 überschritten und ein neues Jahreshoch getestet hatte, schloss auf Xetra mit einem Verlust von 1,1 Prozent auf 4134 Punkten.

Gleichzeitig sprach sich der US-Notenbankchef für Strukturreformen auf dem Arbeitsmarkt und in der Finanzpolitik in den USA und Europa aus. "Es muss mehr getan werden, damit beide widerstandsfähiger gegen Schocks sind, die die Zukunft sicher bringen wird", sagte Greenspan. Ein Abbau des riesigen US-Haushaltsdefizits werde mehr Stabilität in den internationalen Handel bringen.

"Unsere Produkte haben sich um 30 Prozent verteuert"

Der scheidende Siemens-Chef Heinrich von Pierer hat unterdessen eindringlich vor den Folgen eines weiter steigenden Euro gewarnt. "Unsere Produkte haben sich in den vergangenen Monaten um 30 Prozent verteuert. Die Europäer müssen einmal ganz klar zum Ausdruck bringen, dass wir einen weiter steigenden Euro nicht haben wollen", sagte von Pierer dem "Handelsblatt" (Freitagausgabe).

Bundesbankpräsident Axel Weber stellte dagegen die Erwartung einer anhaltenden Dollar-Schwäche in Frage. Es gebe "einige Fundamentaldaten, die eine Stärkung des Dollar nahe legen könnten", sagte Weber der "Börsen-Zeitung" (Freitagausgabe). Dazu zählte er die Bewegung der US-Goldpolitik hin zu einem neutralen Zinsniveau und die Wachstumsperspektiven der USA, die mittelfristig günstiger seien als in Euroland.

Hinsichtlich der Folgen der Euro-Aufwertung für die deutsche Wirtschaft gab sich der Bundesbankpräsident gelassen. Der bisherige Rückgang der preislichen Wettbewerbsfähigkeit sei nicht so ausgeprägt, dass er den exportgetriebenen Aufschwung ernsthaft gefährden könnte.

Dollar Thema beim G-20-Treffen

Inoffizielles Thema bein G-20-Treffen

Vor Beginn des G-20-Treffens in Berlin plädierte Bundesfinanzminister Hans Eichel dafür, dass sich die Europäer mit den USA und Japan "zu gegebener Zeit" über die Wechselkurse verständigen. Das Thema dürfte aber zumindest inoffiziell auf der Agenda des dreitägigen Treffens sein.

Falls es zu einer Absprache mit den USA und Japan komme, werde dies nicht auf dem öffentlichen Markt diskutiert, sagte Eichel. Gespräche über Wechselkurse fänden hinter verschlossenen Türen statt. Der schwache Dollar habe den Vorteil, dass der hohe Ölpreis nicht so stark auf der europäischen Okonomie laste.

Euro: Rasante Aufwertung seit 2002

Der Euro ist am Freitag kurzzeitig auf 1,3074 Dollar und damit auf den höchsten Stand seiner Geschichte geklettert. Der 1999 eingeführte Euro hat seit Januar 2002, als er bei 86 US-Cents lag, rund 5o Prozent hinzugewonnen. Als Hauptgründe für den schwachen Dollar gelten das riesige Haushalts- und Außenhandelsdefizit der USA: Die relative Stärke des Euro wird von den meisten Volkswirten eher als Schwäche des Dollar gesehen.

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