US-Regierung Rice beerbt Powell

Die bisherige Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice wird Nachfolgerin des zurückgetretenen Außenministers Colin Powell. Den zurückgetretenen Powell würdigte Bush als einen "großen Patrioten und Staatsmann".

Washington - US-Präsident George W. Bush wird den Angaben amerikanischer Medien zufolge beide Personalien heute bekannt geben. Die promovierte Politologin Condoleezza Rice ist seit dem Amtsantritt Bushs im Januar 2001 in dem einflussreichen Amt und gilt als eine der engsten Vertrauten Bushs.

Die 50-Jährige wäre die erste schwarze Frau auf dem Chefposten des Außenministeriums. Neuer Sicherheitsberater im Weißen Haus soll den Berichten zufolge der bisherige Stellvertreter von Rice, Steve Hadley, werden. Als potenzieller Außenminister war auch John Danforth, US-Botschafter bei der Uno, gehandelt worden.

Der Personalwechsel an der Spitze der US-Diplomatie kommt zu einer Zeit, in der die USA nach dem Tod von Palästinenser-Präsident Jassir Arafat um eine Wiederbelebung des Nahost-Friedensprozesse bemüht sind. Powell, der wohl noch bis Mitte Januar im Amt bleiben wird, wird noch in diesem Monat in die Nahost-Region reisen, um möglicherweise mit palästinensischen Führern zusammenzukommen.

Rücktritt kurz vor Palästina-Reise

Auf palästinensischer Seite war zuvor von einer Reise Powells in die Nahost-Region schon in der nächsten Woche die Rede gewesen. Der Chefunterhändler der Palästinenser, Saeb Erekat, zollte Powell höchsten Respekt, machte aber deutlich, dass die US-Außenpolitik nicht von einer einzelnen Person abhänge. "Wir hoffen, dass die Politik der USA zum Ende der israelischen Besatzung führt und die Vision zweier Staaten - Israels und Palästinas - von Präsident Bush umgesetzt wird".

Der US-Präsident würdigte die Verdienste Powells, der gestern seinen Rückzug angekündigte. "Ich weiß seine Freundschaft hoch zu schätzen. Er wird vermisst werden", erklärte Bush. "Er ist ein Soldat, ein Diplomat, ein ziviler Führer, ein Staatsmann und ein großartiger Patriot", hieß es in der Erklärung Bushs. Es wurde erwartet, dass auch Vize-Außenminister und zugleich ein Freund Powells, Richard Armitage, sein Amt niederlegen wird.

Weltweit bedauerten Politiker den Rücktritt des 67 Jahre alten Powell. In Europa wurde er als zuverlässiger Partner und Freund gewürdigt. Die Zusammenarbeit mit Powell sei "nicht nur von Professionalität, sondern auch von Freundschaft" geprägt gewesen, so Außenminister Joschka Fischer in New York.

Zukunft von Donald Rumsfeld unklar

Der Rücktritt Powells ist Teil eines größeren Umbaus der US-Regierung. Neben Powell scheiden auch Agrarministerin Ann Veneman, Bildungsminister Rod Paige und Energieminister Spencer Abraham aus dem Kabinett aus. In der vergangenen Woche hatten bereits Justizminister John Ashcroft und Handelsminister Donald Evans ihren Rücktritt erklärt.

Ob Verteidigungsminister Donald Rumsfeld im Amt bleiben werde, sei unklar, verlautete indes aus Kreisen der Republikanischen Partei. Rumsfeld, der sich derzeit auf einer Reise in Ecuador befindet, sagte vor Journalisten, er habe seine eigene Zukunft mit Bush noch nicht besprochen. Rumsfeld, der oft als Gegenspieler des eher moderaten Powells aufgetreten war, würdigte den scheidenden Außenminister als "enorm talentierte Person".

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