Eon Neues Kohlekraftwerk für 800 Millionen Euro

Deutschlands größter Energiekonzern hat erste Details zu seinem Kraftwerks-Erneuerungsprogramm bekannt gegeben. Der Atomausstieg setzt die Versorger unter Zugzwang: Bis 2025 müssen sie zahlreiche veraltete Anlagen ersetzen.

Recklinghausen - Geplant sei der Ersatz des Kohlekraftwerks im westfälischen Datteln, sagte Rainer Frank Elsässer, Vorstand der Stromtochter E.ON Energie, am Montag am Rande einer Firmenveranstaltung in Recklinghausen. Endgültig entschieden werde über diese Investition in der Größenordnung von 800 Millionen Euro sowie über möglicherweise weitere Investitionen in neue Kraftwerke im nächsten Jahr, fügte Elsässer hinzu.

Das neue Kraftwerk solle mit einer Leistung von 800 Megawatt (MW) deutlich größer sein als das bisherige, das auf 300 MW komme.

In Deutschland muss in den nächsten zwei Jahrzehnten rund ein Drittel der installierten Kraftwerksleistung ersetzt werden. Das liegt zum einen an den veralteten Anlagen, aber auch am beschlossenen Atomausstieg. Wegen seines vergleichsweise modernen Kraftwerksparks steht E.ON bei der Planung von Ersatz- oder neuen Anlagen nach Einschätzung von Branchenbeobachtern weniger unter Zeitdruck als beispielsweise Konkurrent RWE.

Schwerpunkt Süden - "Trend weg von der Küste"

RWE hat daher schon im Sommer ein erstes Neubauprojekt angekündigt. Im Rheinland will der Konzern für bis zu zwei Milliarden Euro zwei Kraftwerksblöcke mit einer Gesamtleistung von 2000 Megawatt bauen.

Bei E.ON dürfte der Schwerpunkt der neuen Kraftwerke in Süddeutschland liegen, sagte Elsässer. Zum einen habe E.ON nach der Strommarktliberalisierung vor sechs Jahren im Süden mehr überschüssige Kapazitäten stillgelegt als im Norden. Hinzu komme das Thema Wind im Norden.

Windkrafterzeuger haben per Gesetz Vorrang bei der Einspeisung ihres Stroms in die Netze. Das mache den Norden für die integrierten Anbieter weniger attraktiv. "Der Trend geht eher weg von der Küste", sagte Elsässer.

Gespräche mit Vattenfall

E.ON beteiligt sich möglicherweise an einem Netz-Projekt des Versorgers Vattenfall. Dieser nordostdeutsche Konkurrent will sein Netz um eine Strecke von Thüringen nach Bayern ausbauen, um die Windstrommenge, die er an den Küsten abnehmen muss, weitertransportieren zu können. "Wir führen derzeit mit Vattenfall Gespräche", sagte Elsässer. Es gehe darum, die Trasse in Bayern auf zirka 100 Kilometer ins E.ON-Versorgungsgebiet bis zur nächsten E.ON-Schaltanlage weiterzubauen. Die Investition dürfte sich auf rund 300 Millionen Euro belaufen.

Stärkere EU-Regulierung wahrscheinlich

Eine stärkere Einflussnahme der EU-Kommission auf die Energiepolitik sieht Elsässer nicht auf die Mitgliedsländer zukommen. Das wäre sachlich unbegründet, sagte er. Die niederländische Ratspräsidentschaft setze sich derzeit zwar für eine schärfere Trennung der Stromnetze von den übrigen Geschäften der Versorger (das so genannte Unbundling) ein. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass es eine Mehrheit dafür geben wird", sagte der E.ON-Manager. Die Niederländer versuchten einfach, ihr Modell EU-weit durchzusetzen.

Das Nachbarland will seine Versorger zwecks besserer Transparenz bei den Netzkosten in zwei selbstständige Gesellschaften (Netz und Rest) aufteilen. In der EU ist lediglich die gesellschaftsrechtliche Ausgliederung des Netzbetriebs in eine eigenständige Gesellschaft vorgeschrieben, die aber weiterhin noch zum jeweiligen Versorger gehören soll.

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