KarstadtQuelle Banken zweifeln an Sanierungsplan

Ein positives Gutachten der Unternehmensberatung Roland Berger sollte den Weg für die Sanierung von KarstadtQuelle frei machen. Doch zwei wichtige Banken zögern.

Frankfurt - Die langfristige Finanzierung des angeschlagenen KarstadtQuelle-Konzerns ist auch nach der Vorlage eines von den Banken angeforderten Gutachtens noch nicht gesichert.

Nach Angaben aus Branchenkreisen tragen die NordLB und die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) bislang das längerfristige Finanzierungskonzept für den Handelskonzern nicht mit. "Die NordLB und die LBBW stehen quer im Stall", hieß es in den Kreisen. Ablehnend äußere sich bislang vor allem die NordLB, und deshalb sei auch die LBBW noch nicht zu einer Zustimmung bereit.

"Es ist noch nichts entschieden", hieß es in den Kreisen. Auf dem Tisch liege ein Vorschlag der größten Gläubigerbank BayernLB für die längerfristige Finanzierung der Kreditlinie von etwa 1,75 Milliarden Euro, der sich bei der Verteilung auf die Banken an den bisherigen Engagements orientiere. Die Unterhändler der Banken müssten nun auch noch mit den zuständigen Gremien in ihren Häusern beraten.

Alle Beteiligten hofften, dass die NordLB und die LBBW noch ins Boot geholt werden könnten, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters weiter aus den Kreisen. "Keine Bank wird sich vorhalten lassen wollen, wegen ihr platze der ganze Deal", hieß es.

KarstadtQuelle lehnte eine Stellungnahme ab. Kommentare der NordLB und der LBBW waren zunächst nicht zu erhalten. An der Börse verlor die Karstadt-Aktie nach der Reuters-Meldung zu den Bankengesprächen weiter, ihr Kurs gab zeitweise um rund vier Prozent auf 9,85 Euro nach.

Die Bankenvertreter hatten am Vortag über das von der Unternehmensberatung Roland Berger vorgelegte Gutachten beraten. Das Dokument unterstütze zwar den Sanierungskurs des Essener Konzerns und sehe ihn als sanierungsfähig an, stelle dem Karstadt-Management aber "keinen Persilschein" aus, hieß es in den Kreisen. Die Vorstände der beteiligten Banken müssten nun über das weitere Vorgehen entscheiden. Es werde dann "hoffentlich" eine Einigung innerhalb des kreditgebenden Banken-Konsortiums geben.

Zeitdruck durch Hauptversammlung

Zeitdruck durch Hauptversammlung

In dem Gutachten waren KarstadtQuelle zufolge zusätzliche Anstrengungen und eine konsequente Umsetzung des eingeschlagenen Kurses angemahnt worden. Die rund 16 beteiligten Banken, Vertreter von Roland Berger sowie der komplette Vorstand von KarstadtQuelle hatten nach Angaben des Konzerns am Mittwoch in Düsseldorf über die Schlussfolgerungen des Gutachtens beraten. Die Banken haben bislang nur die kurzfristige Finanzierung von KarstadtQuelle bis zum Jahresende sichergestellt. Die längerfristige Finanzierung mit einer Kreditlinie von 1,75 Milliarden Euro ist dagegen noch offen.

Bei einer umfassenden Finanzierung wie im Fall KarstadtQuelle gibt es üblicherweise einen Konsortialvorbehalt. Dabei geben die einzelnen Banken ihre Zusage zur Finanzierung unter der Bedingung, dass alle anderen Banken dabei ebenfalls mitziehen. Falls eine oder mehrere Banken ein solches Konzept nicht mittragen, ist die Finanzierung zwar nicht sofort in Gänze geplatzt. Die übrigen Banken müssten dann aber darüber verhandeln, wie der durch eine oder mehrere Absagen entfallene Finanzierungsanteil aufgefangen wird. Die NordLB gilt als kleinere Gläubigerbank von KarstadtQuelle.

Bereits bei den Gesprächen im Oktober über die kurzfristige Finanzierung von Karstadt bis Jahresende hatte die NordLB nach früheren Angaben aus Finanzkreisen mit der Zustimmung gezögert, später dem für das Weihnachtsgeschäft wichtigen Finanzpaket aber zugestimmt.

Am 22. November sollen die KarstadtQuelle-Aktionäre auf einer außerordentlichen Hauptversammlung unter anderem über die ebenfalls zur Sanierung nötige Kapitalerhöhung abstimmen. Bis dahin müssen die Verhandlungen der Banken über die Finanzierung des Konzerns im Grunde abgeschlossen sein.

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