Commerzbank Eine Null zu Weihnachten

Das Weihnachtsgeld für die Commerzbank-Mitarbeiter ist auf Grund mangelnder Erträge gestrichen. Für Bank-Experte Wolfgang Gerke ist das seit langem gärende Ertragsproblem immer noch der Hauptgrund für die Misere aller deutschen Banken. Die Verantwortlichen seien stark im Kostensparen aber unkreativ beim Thema Gewinnwachstum.

Frankfurt - Die Commerzbank  streicht der "Financial Times Deutschland" zufolge ihren Mitarbeitern im laufenden Jahr wegen der schlechten Ertragslage das Weihnachtsgeld. Das habe ein Banksprecher bestätigt, berichtete das Blatt.

Als Begründung beruft sich die Bank auf das schlechte Ergebnis im dritten Quartal. Wegen eines hohen Restrukturierungsaufwands im defizitären Investmentbanking musste die Bank einen Nettoverlust von 208 Millionen Euro für die Zeit zwischen Anfang Juli und Ende September ausweisen. Bereits im vergangenen Jahr hatte der Konzern kein Weihnachtsgeld ausgeschüttet.

Daneben waren ein extrem schwaches Handelsergebnis und ein beachtlicher Steueraufwand Gründe für die Streichung der freiwilligen Arbeitgeber-Leistung.

Gegenüber der Nachrichtenagentur DPA sagte Wolfgang Gerke, Professor für Bank- und Börsenwesen an der Universität Erlangen-Nürnberg, auch die anderen deutschen Banken hätten ihre Krise noch nicht überstanden. "Man hat zwar überall Kosten gespart, aber noch nicht entdeckt, woher jetzt die Erträge kommen sollen", so Gerke.

Auch die HypoVereinsbank strebt weitere Restrukturierungen an, die zu zusätzlichem Stellenabbau führen werden. Die Zahlen der Allianz-Tochter Dresdner Bank  an diesem Freitag (12. November) werden nach Einschätzung von Analysten auch keinen eitel Sonnenschein verbreiten. Nur die Deutsche Bank  konnte im dritten Quartal einen stolzen Vorsteuergewinn von einer Milliarde Euro vorweisen, profitierte dabei aber auch von einer geringeren Risikovorsorge.

Warum prosperiert die Citibank?

Gerke: Wie erreicht die Citibank an ihre Gewinne?

Einen Schuldigen haben die Banken für einen Teil ihrer Probleme ausgemacht. "Wir können uns nicht der Entwicklung der Konjunktur und der Kapitalmärkte entziehen", sagte HVB-Chef Dieter Rampl. Wegen der Flaute an den Börsen fiel bei allen Banken das Handelsergebnis nicht sonderlich gut aus.

Bei der HVB halbierte sich das Handelsergebnis auf 111 Millionen Euro. Insgesamt machte die HypoVereinsbank auch deshalb nur einen minimalen Quartalsgewinn von 6 Millionen Euro. Gerke will aber den Hinweis auf die schwachen Finanzmärkte nicht als alleinige Begründung gelten lassen. "Es gibt immer eine Entschuldigung, und andere wie die Citibank verdienen unterdessen Geld."

So sind es bei der HypoVereinsbank immer noch "die Immobiliendarlehen, die in der Vergangenheit zu großzügig ausgegeben wurden", sagt Klaus Grünewald, der für die Gewerkschaft Verdi im HVB-Aufsichtsrat sitzt. Auch komme die Ankündigung von Konzernchef Dieter Rampl recht spät, alle Prozesse auf den Prüfstand zu stellen. "Das hätte man alles vor einem halben Jahr beginnen können." Rampl will seine Pläne Anfang kommenden Jahres präsentieren. Weiteren Stellenabbau schloss er nicht aus.

Die Region vom Overbanking befreien

Am weitesten ist nach Einschätzung Gerkes die Deutsche Bank. "Sie ist im Restrukturierungsprozess am weitesten vorangekommen." Allerdings sei das lange Zeit vernachlässigte Privatkundengeschäft noch immer zu klein. Das allerdings ist die Crux aller privaten Kreditinstitute. Im deutschen Drei-Säulen-Modell dominieren die Sparkassen und die Volks- und Raiffeisenbanken den Markt. Gerke sieht daher nur eine Möglichkeit: "Die Banken müssen den Platz durch entsprechende Fusionen vom Overbanking befreien."

Seine Lieblingsvariante wäre noch immer eine Fusion von Allianz und Deutscher Bank, durch die ein auch nach internationalen Maßstäben imposanter Allfinanzkonzern entstehen würde. Auch ein Zusammengehen von HypoVereinsbank und Commerzbank wäre nach seiner Einschätzung ein Fortschritt.

Die Arbeitnehmer ziehen andere Schlüsse aus den deutschen Besonderheiten. "Ich halte Großfusionen für nicht zu managen", sagt Grünewald. Die privaten Kreditinstitute hätten sich in den vergangenen Jahren zu ehrgeizige Margenziele gesetzt. Eigenkapitalrenditen wie in Skandinavien oder Großbritannien seien auf dem deutschen Markt aber nun einfach nicht erzielbar.

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