Mittwoch, 23. Oktober 2019

Deutsche Telekom Verschmelzung mit T-Online geregelt

Mutter und Tochter sind sich einig - aber deren Liebhaber wollen nicht mitspielen. Telekom und T-Online haben sich auf einen Rückzug der Internettochter von der Börse verständigt. Das soll eine Milliarde Euro sparen. Die T-Online-Aktionäre wollen sich mit dem Kaufpreis nicht zufrieden geben.

Bonn - Die Deutsche Telekom Börsen-Chart zeigen und T-Online Börsen-Chart zeigen haben sich auf die Eckpunkte der geplanten Wiedereingliederung der Internet-Tochter verständigt. T-Online habe mit einstimmiger Billigung des Aufsichtsrats eine Grundsatzvereinbarung für die geplante Verschmelzung auf den Mutterkonzern geschlossen, teilte die Gesellschaft am Montag in Darmstadt mit.

Er lebte nur vier Sommer: Robert T-Online, der zum Börsengang von T-Online für die Aktie warb
Eine am Morgen unterzeichnete Grundsatzvereinbarung sieht vor, dass T-Online auch nach der Verschmelzung mit der Telekom als eingeständige organisatorische Einheit mit eigenem Management und eigener Gewinnverantwortung erhalten bleibt. Das Unternehmen werde die Entwicklung und Vermarktung aller IP-Internetprodukte der Telekom-Sparte "Breitband/Festnetz" übernehmen.

Die Telekom erwartet durch die Verschmelzung Wachstumssynergien von rund einer Milliarde Euro, wie sie am Montag in Bonn mitteilte. Verschmelzungsstichtag soll der 1. Januar 2005 sein. Ziel der Verschmelzung sei es, die Markt- und Innovationsführerschaft beider Unternehmen zu sichern. Nach Angaben eines T-Online-Sprechers ergibt sich das Volumen durch einen verbesserten Marktangang und Kosteneinsparungen. Er bekräftigte, dass bei der geplanten Verschmelzung ein Abbau der Kosten nicht im Vordergrund steht.

Die Telekom hatte im Oktober angekündigt, ihre Internet-Tochter nach nur vier Jahren wieder von der Börse nehmen zu wollen. Telekom-Vorstandschef Kai-Uwe Ricke erklärte damals, das Geschäftsmodell des alleinigen Internet-Anbieters habe sich überlebt.

Die Aktionäre von T-Online sollen im Tausch Telekom-Aktien erhalten. Alternativ bot die Telekom den T-Online-Anteilseignern an, Aktien zum Kurs von 8,99 Euro zurückzukaufen. Aktionärsschützer kritisierten das als "absolut inakzeptabel", da die T-Online-Aktie im April 2000 zum Kurs von 27 Euro an die Börse gebracht worden war.

Der größte Internetanbieter Europas will am Dienstag seine Zahlen für das dritte Quartal vorlegen. Analysten rechnen mit einem deutlichen Ergebnisschub. Der Fokus der Anleger wird allerdings auf der anstehenden Übernahme liegen.

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