Freitag, 19. Juli 2019

US-Wahl Die bemerkenswerte Gleichgültigkeit des Präsidenten

Die Chefvolkswirte führender deutscher Banken erwarten, dass die Wiederwahl von George W. Bush die Märkte kurzfristig stärkt. Mittelfristig drohen jedoch höhere Zinsen, steigende Schulden sowie eine rasante Talfahrt des Dollar: Es knirscht im Währungsgefüge.

George Bush nach der Stimmabgabe: Bereit für die zweite Amtszeit

Die Wiederwahl von George W. Bush dürfte kurzfristig für Erleichterung an den Börsen sorgen, meint Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank. Der neue Präsident der USA muss aber mit wachsenden Problemen daheim und einer sich abkühlenden US-Wirtschaft zurechtkommen: "Wenn Bush seine Gleichgültigkeit gegenüber dem Schuldenberg nicht ablegt, werden ihn die Märkte dazu zwingen", sagte Kater gegenüber manager-magazin.de.

Die europäischen Märkte können mit einem Präsidenten Bush gut weiterleben und kurzfristig mit Kursgewinnen reagieren. "Trotz des erbittert geführten Wahlkampfes und vieler politischer Gegensätze war es keine ökonomische Richtungswahl: Bush wie Kerry setzen auf die Kraft der Märkte, und beide haben ähnliche wirtschaftliche Konzepte angeboten", sagt der Chefvolkswirt der Dekabank.

Abkühlung der US-Konjunktur auch in Europa zu spüren

Eine Wiederwahl des US-Präsidenten beseitigt indessen nicht die alten Probleme. "Das Wachstum in den USA wird sich im Frühjahr abschwächen, da die Steuersenkungspolitik zum Abschluss gekommen ist und die unmittelbaren Folgen auslaufen", sagt Kater. Zudem dämpfen die höheren Öl- und Rohstoffpreise sowie die steigenden Zinsen das Wachstum. Diese konjunkturelle Abkühlung in den USA werde bald auch Europa zu spüren bekommen.

Der neue US-Präsident muss sich gewaltigen Aufgaben stellen. Zum Doppeldefizit in Haushalt und Handelsbilanz kommen steigende Kosten der Gesundheits- und Sozialsysteme. Wenn Bush nicht "zumindest den Versuch" unternehme, das Defizit zu begrenzen, sei es nur eine Frage der Zeit, bis die Finanzmärkte nicht mehr so viel Geld in die USA pumpen und damit das US-Defizit finanzieren, meint Kater.

© manager magazin 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung