Dienstag, 18. Juni 2019

Yukos Eons russische Option

Wenn die wichtigste Sparte des Öl-Multis verkauft wird, könnte Eon das zur Verbesserung seiner Marktposition nutzen. Auf Druck der Regierung wird der Ölförderer Yuganskneftegaz verkauft, für bis zu 30 Milliarden Dollar. Von der anschließenden Neuordnung des Marktes kann Eon profitieren, prognostiziert die Ratingagentur Fitch.

London / Moskau / Düsseldorf - Die eventuelle Beteiligung an der Yukos-Tochter Yuganskneftegaz eröffnet Eon Börsen-Chart zeigen in Düsseldorf, nach Ansicht der Ratingagentur Fitch weitere strategische Optionen im russischen Markt.

Der Staat hat ein Auge auf eines der profitabelsten Unternehmen des Landes: Polizei-Offizier vor der Jukos-Zentrale in Moskau
Fitch geht in einer Mitteilung vom Dienstag von dem Szenario aus, dass der Verkauf der größten ölproduzierenden Tochter von Yukos Börsen-Chart zeigen an Gazprom-Rosneft Börsen-Chart zeigen unter Beteiligung von Eon erfolgt. Ein Anteil an Yuganskneftegaz wäre für den deutschen Versorger ein geeignetes Tauschobjekt für zukünftige Pläne auf dem Strom- und Gasmarkt in Russland, urteilt die Ratingagentur. Ein Eon-Sprecher sagte gegenüber manager-magazin.de, zu Gerüchten nehme der Konzern prinzipiell nicht Stellung - kein Kommentar.

Ein Yuganskneftegaz-Anteil würde Eon in die Lage versetzen, ihren strategisch wenig bedeutenden Anteil von 6,5 Prozent an Gazprom teilweise oder ganz gegen wertvollere Assets einzutauschen. Die russische Regierung könnte wiederum durch einen Aktien-gegen-Assets-Tausch ihren Anteil an Gazprom erhöhen, meint Fitch.

Eon könnte mehr Kontrolle über Gas gewinnen

Die Auswirkungen einer solchen Transaktion auf das Rating von Eon seien nicht deutlich vorherzusagen. Sie hingen im Wesentlichen von eingesetzten Barmitteln und dem Grad der Kontrolle über potenzielle Akquisitionen ab, so Fitch. Bei erfolgreicher Umsetzung hätte Eon aber eine größere Kontrolle über Gasimporte aus Russland. Das sei auch bei Investitionen in ein neues Pipeline-Projekt von Vorteil, mit dem russiches Gas auf einem kürzeren Weg nach Westeuropa geliefert werden soll. Für Gazprom wäre der Erwerb von Yuganskneftegaz nach Meinung von Fitch klar liquiditätsfördernd und würde aufgrund der steigenden strategischen Bedeutung von Gazprom auch zu einer Heraufstufung des Ratings führen. Fitch bewertet Eon zurzeit mit "AA-" bei stabilem Ausblick und Gazprom mit "BB" bei ebenfalls stabilem Ausblick.

Die Regierung in Moskau ermittelt seit mehr als einem Jahr gegen den Yukos-Gründer und Ex-Chef Michail Chodorkowsky. Seit Ende 2003 sitzt er in Untersuchungshaft, das Gerichtsverfahren gegen ihn läuft noch. Per Gerichtsbeschluss soll nun eine milliardenschwere Schuld vom Konzern eingefordert werden, die sich laut Regierung durch jahrelang nicht gezahlte Steuern auftürmte. Aus den liquiden Mitteln kann Yukos die geforderte Summe nach eigenen Angaben allerdings nicht aufbringen.

In einem Jahr 50 Millionen Tonnen Öl gefördert

Mit Yuganskneftegaz haben sich die Gerichtsvollstrecker als Erstes nicht irgendeinen Vermögenswert des Yukos-Konzerns herausgepickt, sondern quasi dessen "Herz", denn es ist die zentrale Produktionsgesellschaft von Yukos. Sie hat 2003 in der Gegend des westsibirischen Chanty-Mansisk auf 29 Feldern insgesamt 49,7 Millionen Tonnen Erdöl gefördert, was 62 Prozent der Gesamtproduktion von Yukos entsprach.

Der Konzern hatte eine unabhängige Schätzung der einschlägigen internationalen Firma DeGolyer and MacNaughton in Auftrag gegeben. Auch auf Grund der hohen Erdölreserven taxierten die Schätzer den Wert von Yuganskneftegaz auf 30,4 Milliarden Dollar. Das untere Ende der Werttaxierungen durch andere Experten liegt bei 20 Millionen Dollar.

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