Volkswagen Nun drohen Streiks

Auch die vierte Tarifrunde bei VW brachte kein Ergebnis. Die IG Metall droht mit Warnstreiks im November. VW spricht von "Rezepten von gestern", mit denen Industriearbeit in Deutschland nicht zu halten sei. Die letzte Chance einer Einigung gibt es kommende Woche.

Hannover - IG-Metall-Verhandlungsführer Hartmut Meine warf der Konzernführung im Anschluss an die vierte Verhandlungsrunde gestern vor, sie provoziere eine Eskalation des Tarifkonflikts. Die IG Metall sei von ihrer ursprünglichen Forderung nach vierprozentigen Einkommenserhöhungen abgerückt und verlange nun Lohn- und Gehaltssteigerungen, wie sie in der Metallindustrie vereinbart worden seien. VW-Chefunterhändler Josef-Fidelis Senn bezeichnete die Chancen auf eine baldige Einigung als "äußerst gering".

Die IG Metall sei zu weiteren Flexibilisierungen der Arbeitszeit bereit und habe bei Neueinstellungen eine niedrigere Bezahlung vorgeschlagen, sagte Meine. "Diese ausgestreckte Hand hat VW ausgeschlagen", fügte er hinzu. "Wenn wir am 28. Oktober nicht zu einer Einigung kommen, wird es ab Anfang November bei Volkswagen  zu Warnstreiks kommen."

Von vier Prozent abgerückt

Senn entgegnete, die IG Metall sei nicht zu der geforderten Kostenentlastung bereit. "Die IG Metall verlangt eine Tariferhöhung, die zu einer Mehrbelastung unserer deutschen Standorte in dreistelliger Millionenhöhe führen würde." Unter diesen Voraussetzungen würde sich in Deutschland weder die Herstellung neuer Produkte und Komponenten rechnen, noch sei eine Beschäftigungssicherung machbar.

"Mit Rezepten von gestern ist Industriearbeit in Deutschland nicht zu halten", betonte Senn. Vor Beginn der vierten Runde hatte sich Senn noch optimistisch gezeigt, dass in den Verhandlungen Fortschritte erzielt werden könnten.

IG Metall will zweistufige Erhöhungen

Der Tarifabschluss in der Metall- und Elektroindustrie, an dem sich die IG Metall nun orientiert, sieht zweistufige Einkommenserhöhungen um 2,2 Prozent in diesem und weitere 2,7 Prozent im nächsten Jahr vor.

Der unter Ertragsschwäche leidende Autobauer VW  will in der Tarifrunde dagegen einen Verzicht der Beschäftigten auf Einkommenserhöhungen für zwei Jahre aushandeln und verlangt von der Gewerkschaft erste Schritte, um die Kosten langfristig um 30 Prozent oder zwei Milliarden Euro zu senken. Volkswagen hat mit dem Abbau von bis zu 30.000 Stellen gedroht, wenn die Arbeitskosten nicht anders gesenkt werden könnten.

Kosten müssen um zwei Milliarden runter

In einem Sieben-Punkte-Programm fordert der Konzern neben einer Nullrunde bei den Löhnen auch, dass bei Neueinstellungen nicht mehr nach dem Haustarif bezahlt wird, der Beschäftigten in den westdeutschen Werken bislang Einkommensvorteile von elf Prozent im Vergleich zur deutschen Konkurrenz und von 20 Prozent gegenüber der übrigen Metallindustrie sichert.

Überstunden sollen nach Vorstellungen von VW erst ab einer durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit von 40 Stunden gezahlt werden. Generell soll flexibler gearbeitet werden. Langfristig will VW fast ein Drittel des Gesamteinkommens der Beschäftigten vom Gewinn des Unternehmens abhängig machen.

In jungen Jahren sollen Beschäftigte mehr arbeiten und die auf Konten gutgeschriebene Arbeitszeit dann im Alter durch Freizeit abbauen. Auch sollen sich einzelne Standorte im internen Wettbewerb um Ausschreibungen freiwillig dazu verpflichten können, bei Bedarf temporär ohne Lohnausgleich länger zu arbeiten, um den Wettbewerbsnachteil gegenüber ausländischen Standorten auszugleichen.

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