Railion Güterverkehr der Bahn plant Schrumpfkur

Bis zum Jahresende sind betriebsbedingte Kündigungen beim Schienengüterverkehr der Deutschen Bahn zwar ausgeschlossen. Intern wurden aber angeblich bereits radikale Pläne für die Zeit danach gemacht: Jeder neunte Angestellte könnte seinen Job verlieren.

Berlin - Wie die Eisenbahner-Gewerkschaft Transnet unter Berufung auf unternehmensinterne Papiere meldet, könnten bei der vor gut einem Jahr von DB Cargo in Railion umgetauften Schienen-Güterverkehrssparte der Deutschen Bahn bis zu zwölf Prozent der 26.000 Stellen gestrichen werden. "Zurzeit werden Pläne im Management bewegt, die den Abbau von bis zu 3000 Stellen zur Folge haben könnten", sagte Transnet-Vorstandsmitglied Wolfgang Zell.

Der bundeseigene Konzern wollte sich mit Verweis auf laufende Planungen nicht konkret äußern. "Es wird Einschnitte geben", bestätigte aber ein Sprecher der Bahn-Tochter Stinnes, in der alle Frachtgeschäft des Konzerns Deutsche Bahn zusammengefasst sind. Die Planungen seien aber noch in einem frühen Stadium.

Die Streichpläne dürften auch auf einem Treffen zwischen Bahn-Management und Gewerkschaften am Freitag in Frankfurt am Main sein. Dort soll über eine Fortführung eines bisher bestehenden Beschäftigungsbündnisses verhandelt werden, dass betriebsbedingte Kündigungen in der Sparte noch bis zum Jahresende ausschließt.

Transportgeschäft per LKW läuft gut, per Schiene nicht

Der Schienengüterverkehr der Deutschen Bahn hatte zuletzt auffällig schlechte Geschäftszahlen geliefert und gilt schon lange als sanierungsbedürftig. Während die Lkw-gestützten Bahn-Logistiktochter Schenker im Güterverkehr hoch profitabel arbeitet und vom weltweiten Konjunkturaufschwung profitiert, hat der Schienenverkehr erhebliche Probleme. Trotz guter Umsätze leidet die Sparte Railion unter einem Verfall der Gewinnmargen. Railion wies im ersten Halbjahr dieses Jahres einen Verlust aus und ist neben dem Personen-Fernverkehr dafür verantwortlich, dass die Bahn in diesem Jahr unter ihren Gewinn-Planungen liegt.

Nach Angaben aus Unternehmenskreisen ist die Beratungsfirma McKinsey derzeit mit der Analyse der Lage des Güterverkehrs befasst und soll Änderungsvorschläge machen. Vor allem der nach Umsatz relativ kleine Bereich Intermodal steht bei der Bahn offenbar auf dem Prüfstand. Intermodal ist für den kombinierten Verkehr zwischen Bahn und Lkw zuständig. Nach dem Wegfall der umfangreichen Grenzkontrollen nach Osteuropa durch den EU-Beitritt ist der Lkw-Verkehr hier wieder attraktiver geworden. "Vor diesem Hintergrund überprüft die DB derzeit grundsätzlich die Struktur des Geschäftsbereichs (Anzahl und Lage der Terminals etc.), um gegebenenfalls Rationalisierungsreserven erschließen zu können", heißt es in dem Papier von Morgan Stanley.

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