Transrapid Ausverkauf nach China möglich

Entwicklung und Vermarktung des Transrapid könnten nach Medienberichten komplett an China abgegeben. Nur mit der deutschen Strecke zum Münchner Flughafen sei die Weiterentwicklung noch sinnvoll. Doch die wackelt - während die Chinesen eine Langstrecke planen.

Shanghai - Der Transrapid-Entwicklung droht in Deutschland eine unsichere Zukunft, falls die geplante Verbindung zwischen Münchner Innenstadt und Flughafen nicht gebaut wird. Zwar dementierten die Transrapid-Partner Siemens und ThyssenKrupp inzwischen eine Meldung des "Handelsblatt", wonach sie aus der Magnetschwebebahntechnik aussteigen wollen mit den Worten "Siemens und ThyssenKrupp halten an jedem Fall an der Technologie fest."

Dies gelte auch, wenn das geplante Transrapid-Projekt in München scheitern sollte. Für den Fall des Scheiterns der Münchner Strecke räumte ein Sprecher des Konsortiums aber ein: "Es wird dann aber schwierig, die Technologie in Deutschland zu halten."

Die Weiterentwicklung in Deutschland gilt ohne eigene Strecke als schwierig, weil die Ingenieure dafür Daten aus dem täglichen Betrieb benötigen, die bisher nur auf einer Kurzstrecke in Schanghai gewonnen werden. Die Chinesen rücken diese Daten aber schon heute nicht mehr raus.

Zusätzlich hatten die Betreiber der einzigen kommerziellen Transrapid-Strecke am Donnerstag auf gute Chancen für den Bau einer weiteren Strecke hingewiesen, dabei aber auf weiteren Technologietransfer nach China gedrängt. "Wir fördern aktiv die Verlängerung des Transrapids von Shanghai nach Hanzhou", sagte der Chef der Transrapid-Projektgesellschaft, Wu Xiangming, am Donnerstag in Shanghai.

Ein Kilometer Schwebebahn kostet 30 Millionen Euro

Das Vorhaben für den Bau der 170 Kilometer langen Trasse werde von Teilen der Regierung unterstützt. Bislang führt ein 30 Kilometer langer Abschnitt vom Flughafen in das Stadtgebiet. An den bisherigen Endpunkt soll der Neubau anschließen und zur Expo 2010 in Shanghai in Betrieb sein.

Mit dem deutschen Transrapid-Konsortium aus ThyssenKrupp  und Siemens  liefen Verhandlungen, sagte Xiangming. Für eine Realisierung des Projekts müssten die Kosten allerdings drastisch reduziert werden. Der Bau der Strecke vom Flughafen habe pro Kilometer umgerechnet rund 30 Millionen Euro gekostet. Um den Neubau wirtschaftlich betreiben zu können, müssten die Kosten auf 15 Millionen Euro sinken. Das könnte auch erreicht werden, indem verstärkt Komponenten in China gefertigt und weiterentwickelt würden.

Gemeinsame Vermarktung in aller Welt

Gemeinsame Vermarktung in aller Welt

Dahinter steckt auch der Wunsch, weitere Teile der Technologie ins Reich der Mitte zu holen. Schon jetzt haben die Chinesen beim Fahrweg, auf dem die Magnetbahn geführt wird, ein beträchtliches Know How entwickelt. Denn das deutsche System wurde für Bau und Dauerbetrieb der Trasse in Schanghai weiterentwickelt.

Nicht ohne Stolz berichtet Xiangming, dass inzwischen 20 Patente angemeldet wurden. Nun wollen die Chinesen auch bei den Zügen, die für die erste Strecke noch komplett aus Deutschland geliefert wurden, mit ins Boot. Mittelfristiges Ziel ist dann eine gemeinsame Vermarktung der gesamten Technologie auf dem Weltmarkt.

Für den Bau der Strecke in München existiert zurzeit eine Finanzierungslücke von mindestens 150 Millionen Euro. Für die vom Land Bayern befürwortete, von der Stadt aber abgelehnte Flughafenanbindung werde das Planfeststellungsverfahren zwar noch in diesem Jahr eröffnet, sagte der Geschäftsführer der Bayerischen Magnetbahnvorbereitungs-Gesellschaft, Josef Zeiselmair.

Er rechne mit einer Dauer von 18 Monaten, so dass etwa Mitte 2006 mit dem Bau begonnen werden könnte. Doch eine verbindliche Abschätzung der zurzeit noch mit 1,6 Milliarden Euro angegebenen Baukosten könne erst nach Abschluss des Verfahrens abgegeben werden.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.