Streikhistorie Arbeitskämpfe, die das Land veränderten

Wenn die Belegschaft meutert: manager-magazin.de zeigt acht der prominentesten Protestaktionen der jüngeren Geschichte und ihre Auswirkungen. Mit dem wilden Streik bei Opel, dem ersten seit Jahrzehnten in Deutschland, könnten sich die Kollegen einen Bärendienst erwiesen haben - auch auf europäischer Ebene.
Von Christian Buchholz

Hamburg/Köln - Horst-Udo Niedenhoff vom arbeitgeberfreundlichen Institut der deutschen Wirtschaft in Köln ist als Referatsleiter "Gewerkschaftspolitik und Mitbestimmung" erstaunt über die Strategie der Betriebsräte und Gewerkschafter bei Opel in Bochum.

Paukenschlag: Zum ersten Mal in 40 Jahren treten im Juni 2002 die Bauarbeiter in den Ausstand, um 4,5 Prozent mehr Lohn sowie die Angleichung der Gehälter im Osten an den Westen zu erstreiten. Mit dem Streik hat niemand gerechnet - nach einer Woche kann weiter gearbeitet werden.

Paukenschlag: Zum ersten Mal in 40 Jahren treten im Juni 2002 die Bauarbeiter in den Ausstand, um 4,5 Prozent mehr Lohn sowie die Angleichung der Gehälter im Osten an den Westen zu erstreiten. Mit dem Streik hat niemand gerechnet - nach einer Woche kann weiter gearbeitet werden.

Foto: DDP
Reinfall: Im Juni vergangenen Jahres streikt die IG Metall in Ostdeutschland für die Einführung der 35-Stunden-Woche, stößt damit aber selbst bei eigenen Mitgliedern auf Unverständnis. "Die bittere Wahrheit ist: Der Streik ist gescheitert", lautet das Resümee des damaligen IG-Metall-Chefs, Klaus Zwickel. Als Folge der Arbeitsniederlegungen mußte BMW zwischenzeitlich die Produktion der Dreier-Reihe stoppen, weil wichtige Bauteile aus den neuen Bundesländern nicht mehr geliefert wurden.

Reinfall: Im Juni vergangenen Jahres streikt die IG Metall in Ostdeutschland für die Einführung der 35-Stunden-Woche, stößt damit aber selbst bei eigenen Mitgliedern auf Unverständnis. "Die bittere Wahrheit ist: Der Streik ist gescheitert", lautet das Resümee des damaligen IG-Metall-Chefs, Klaus Zwickel. Als Folge der Arbeitsniederlegungen mußte BMW zwischenzeitlich die Produktion der Dreier-Reihe stoppen, weil wichtige Bauteile aus den neuen Bundesländern nicht mehr geliefert wurden.

Foto: AP
Feuertaufe: Im Mai 2001 fordern die Piloten der Lufthansa mehr Gehalt. Es ist das erste Mal in der damals 75-jährigen Geschichte der Fluglinie, dass die Piloten geschlossen in den Ausstand treten. Nach Jahren des Verzichts fordern sie einen saftigen Aufschlag von 38 Prozent. Im Juni einigt man sich auf 28 Prozent.

Feuertaufe: Im Mai 2001 fordern die Piloten der Lufthansa mehr Gehalt. Es ist das erste Mal in der damals 75-jährigen Geschichte der Fluglinie, dass die Piloten geschlossen in den Ausstand treten. Nach Jahren des Verzichts fordern sie einen saftigen Aufschlag von 38 Prozent. Im Juni einigt man sich auf 28 Prozent.

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Dramatik: "Wenn die Franzosen die Zahlungen einstellen, müssen wir innerhalb von wenigen Tagen Insolvenz anmelden." Als der Geldgeber von Mobilcom, France Télécom, im September 2002 mit Rückzug droht, protestieren die Mitarbeiter. 5000 Stellen stehen bei dem Telekomunternehmen im kleinen Büdelsdorf zur Disposition.

Dramatik: "Wenn die Franzosen die Zahlungen einstellen, müssen wir innerhalb von wenigen Tagen Insolvenz anmelden." Als der Geldgeber von Mobilcom, France Télécom, im September 2002 mit Rückzug droht, protestieren die Mitarbeiter. 5000 Stellen stehen bei dem Telekomunternehmen im kleinen Büdelsdorf zur Disposition.

Foto: AP
Wahlkampf: Bei 2,4 Milliarden Mark Schulden drehen die Banken dem Baukonzern Holzmann den Geldhahn zu. Die Beschäftigten streiken - und können das Herz Gerhard Schröders erweichen. Seine Rettungsaktion hilft ihm aus einem tiefen Popularitätsloch heraus.

Wahlkampf: Bei 2,4 Milliarden Mark Schulden drehen die Banken dem Baukonzern Holzmann den Geldhahn zu. Die Beschäftigten streiken - und können das Herz Gerhard Schröders erweichen. Seine Rettungsaktion hilft ihm aus einem tiefen Popularitätsloch heraus.

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Hightech-Streik: IG-Metall-Chef Klaus Zwickel droht im Mai 2002 mit einem "völlig unberechenbaren" Streik. Die Arbeitgeber erfahren bald, was das heißt: Das neue "flexible Streikkonzept" legt nicht die gesamte Branche lahm, sondern versetzt einzelnen Betrieben kurze, aber schmerzhafte Nadelstiche.

Hightech-Streik: IG-Metall-Chef Klaus Zwickel droht im Mai 2002 mit einem "völlig unberechenbaren" Streik. Die Arbeitgeber erfahren bald, was das heißt: Das neue "flexible Streikkonzept" legt nicht die gesamte Branche lahm, sondern versetzt einzelnen Betrieben kurze, aber schmerzhafte Nadelstiche.

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Mahnmal: Verwaist steht eine Lore mit einem schwarzen Kreuz vor dem Tor des ehemaligen Krupp-Stahlwerks Rheinhausen. Sie erinnert an den Herbst 1987, als die Schließungspläne des Stahlwerkes mit damals über 5000 Beschäftigten einen Proteststurm entfachten. Heute prägen vorwiegend mittelständische Betriebe mit bis zu 300 Mitarbeitern das Bild der Stadt.

Mahnmal: Verwaist steht eine Lore mit einem schwarzen Kreuz vor dem Tor des ehemaligen Krupp-Stahlwerks Rheinhausen. Sie erinnert an den Herbst 1987, als die Schließungspläne des Stahlwerkes mit damals über 5000 Beschäftigten einen Proteststurm entfachten. Heute prägen vorwiegend mittelständische Betriebe mit bis zu 300 Mitarbeitern das Bild der Stadt.

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Notbremsung: Seitdem das Management die aktuelle Lage beim Warenhausriesen KarstadtQuelle als Krise bezeichnet, ist vom Verzicht der Mitarbeiter die Rede. Die sind auch zu deutlichen Lohneinbußen bereit - wenn auf betriebsbedingte Kündigungen verzichtet wird.

Notbremsung: Seitdem das Management die aktuelle Lage beim Warenhausriesen KarstadtQuelle als Krise bezeichnet, ist vom Verzicht der Mitarbeiter die Rede. Die sind auch zu deutlichen Lohneinbußen bereit - wenn auf betriebsbedingte Kündigungen verzichtet wird.

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Januar/Februar 2004 - Journalistenstreik mit magerem Ergebnis: Viele Tageszeitungen erschienen während des Streiks entweder gar nicht oder in verringertem Umfang. Am Ende einigten sich Verlegerverband und Journalistengewerkschaften in der achten Verhandlungsrunde auf einen neuen Tarif für Zeitungsredakteure. 20 Prozent weniger Urlaubsgeld wurden festgeschrieben, dafür gab es eine Lohnerhöhung um 1,3 Prozent.

Januar/Februar 2004 - Journalistenstreik mit magerem Ergebnis: Viele Tageszeitungen erschienen während des Streiks entweder gar nicht oder in verringertem Umfang. Am Ende einigten sich Verlegerverband und Journalistengewerkschaften in der achten Verhandlungsrunde auf einen neuen Tarif für Zeitungsredakteure. 20 Prozent weniger Urlaubsgeld wurden festgeschrieben, dafür gab es eine Lohnerhöhung um 1,3 Prozent.

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Juni 2004 - Proteste der DaimlerChrysler-Mitarbeiter führen zu Arbeitsplatzgarantie: Bis zu 80.000 Mitarbeiter des Konzerns gingen bundesweit auf die Straße, um gegen die Verlegung der C-Klasse-Produktion von Sindelfingen nach Bremen und Südafrika zu protestieren. Nach zehn Tagen verwirft die Konzernspitze den Plan und macht den Angestellten weit reichende Zugeständnisse. Bis zum Jahr 2012 wird es an den deutschen Standorten keine betriebsbedingten Kündigungen für die 160.000 Mitarbeiter geben. Trotzdem will der Konzern jährlich 500 Millionen Euro einsparen.

Juni 2004 - Proteste der DaimlerChrysler-Mitarbeiter führen zu Arbeitsplatzgarantie: Bis zu 80.000 Mitarbeiter des Konzerns gingen bundesweit auf die Straße, um gegen die Verlegung der C-Klasse-Produktion von Sindelfingen nach Bremen und Südafrika zu protestieren. Nach zehn Tagen verwirft die Konzernspitze den Plan und macht den Angestellten weit reichende Zugeständnisse. Bis zum Jahr 2012 wird es an den deutschen Standorten keine betriebsbedingten Kündigungen für die 160.000 Mitarbeiter geben. Trotzdem will der Konzern jährlich 500 Millionen Euro einsparen.

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Februar 1974 bis September 2000 - Die vier größten Protestaktionen bei der Deutschen Bahn: 1974 sind die Eisenbahner am ersten großen Streik nach Kriegsende beteiligt. In der Gepäckabfertigung und auf den Rangierbahnhöfen bewegt sich nichts, Zehntausende Pendler kommen zu spät zur Arbeit. Der dreitägige Aufstand führt für die Tarif-Angestellten zu elf Prozent mehr Lohn. Im November 1990 legen die Beschäftigten der Deutschen Reichsbahn fast alle Strecken in die neuen Länder lahm. Erfolg: Der geplante Stellenabbau soll sozialverträglich gestaltet werden. April 1992: Elf Tage Streik, 3200 Personen- und 390 Güterzüge fallen aus. Die Einigung: 5,4 Prozent mehr Gehalt und eine Aufstockung beim Urlaubsgeld. Im September 2000 ruft die Gewerkschaft Transnet zu Warnstreiks auf. Die Arbeitsniederlegungen einiger Lokführer und Stellwerks-Mitarbeiter treffen das System an neuralgischen Punkten - Hunderttausende Fahrgäste sitzen fest. Erreicht wird eine stufenweise Anhebung der Löhne um 2,5 Prozent.

Februar 1974 bis September 2000 - Die vier größten Protestaktionen bei der Deutschen Bahn: 1974 sind die Eisenbahner am ersten großen Streik nach Kriegsende beteiligt. In der Gepäckabfertigung und auf den Rangierbahnhöfen bewegt sich nichts, Zehntausende Pendler kommen zu spät zur Arbeit. Der dreitägige Aufstand führt für die Tarif-Angestellten zu elf Prozent mehr Lohn. Im November 1990 legen die Beschäftigten der Deutschen Reichsbahn fast alle Strecken in die neuen Länder lahm. Erfolg: Der geplante Stellenabbau soll sozialverträglich gestaltet werden. April 1992: Elf Tage Streik, 3200 Personen- und 390 Güterzüge fallen aus. Die Einigung: 5,4 Prozent mehr Gehalt und eine Aufstockung beim Urlaubsgeld. Im September 2000 ruft die Gewerkschaft Transnet zu Warnstreiks auf. Die Arbeitsniederlegungen einiger Lokführer und Stellwerks-Mitarbeiter treffen das System an neuralgischen Punkten - Hunderttausende Fahrgäste sitzen fest. Erreicht wird eine stufenweise Anhebung der Löhne um 2,5 Prozent.

Foto: DDP
1963 bis 1999 - Streik-Dokumentation der Hans-Böckler-Stiftung: 119.000 Beschäftigte der baden-württembergischen Metaller streiken zwei Wochen für fünf Prozent mehr Lohn. 1969: 18 Tage spontane Streiks, unter anderem der ÖTV, führen zu sechs Wochen Urlaubsanspruch. 1973: 275.000 Beschäftigte der Stahl-, Kohle- und Metallindustrie erreichen durch Spontanstreiks Lohnerhöhungen. 1974: 11 Prozent mehr Lohn nach drei Tagen Streik im öffentlichen Dienst, bei Post und Bahn. 1989: Neun Tage Streik von 126.000 Beschäftigten in der Druckindustrie führen zu Veränderungen bei Wochenend- und Teilzeitarbeit. 1992: 400.000 öffentliche Angestellte legen für elf Tage die Arbeit nieder - ein Einkommensplus von 5,4 Prozent plus 200 Mark mehr Urlaubsgeld. 1994: 100.000 Drucker erreichen mit zahlreichen Aktionen nach 17 Wochen besseren Gesundsheitsschutz, Vorruhestandsregelungen für Schichtarbeiter und die Gleichstellung der Frau. 1996: Gegen verlängerte Ladenöffnungszeiten streiken 100.000 Beschäftigte im Einzelhandel und erreichen, dass Zuschläge für Spätarbeit gezahlt werden. 1999: 100.000 Metaller erreichen durch Warnstreiks eine 3,2-prozentige Einkommensverbesserung.

1963 bis 1999 - Streik-Dokumentation der Hans-Böckler-Stiftung: 119.000 Beschäftigte der baden-württembergischen Metaller streiken zwei Wochen für fünf Prozent mehr Lohn. 1969: 18 Tage spontane Streiks, unter anderem der ÖTV, führen zu sechs Wochen Urlaubsanspruch. 1973: 275.000 Beschäftigte der Stahl-, Kohle- und Metallindustrie erreichen durch Spontanstreiks Lohnerhöhungen. 1974: 11 Prozent mehr Lohn nach drei Tagen Streik im öffentlichen Dienst, bei Post und Bahn. 1989: Neun Tage Streik von 126.000 Beschäftigten in der Druckindustrie führen zu Veränderungen bei Wochenend- und Teilzeitarbeit. 1992: 400.000 öffentliche Angestellte legen für elf Tage die Arbeit nieder - ein Einkommensplus von 5,4 Prozent plus 200 Mark mehr Urlaubsgeld. 1994: 100.000 Drucker erreichen mit zahlreichen Aktionen nach 17 Wochen besseren Gesundsheitsschutz, Vorruhestandsregelungen für Schichtarbeiter und die Gleichstellung der Frau. 1996: Gegen verlängerte Ladenöffnungszeiten streiken 100.000 Beschäftigte im Einzelhandel und erreichen, dass Zuschläge für Spätarbeit gezahlt werden. 1999: 100.000 Metaller erreichen durch Warnstreiks eine 3,2-prozentige Einkommensverbesserung.

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Jenseits des wilden Streiks - Proteste in Deutschland
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"Hatten die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat bei Opel wirklich bis vor wenigen Tagen keine Informationen über die Lage des Konzerns und Stellenabbaupläne?", fragt Niedenhoff. Da Arbeitnehmervertreter zumindest einmal monatlich an Sitzungen des AR-Wirtschaftsausschusses teilnehmen, und anschließend auch die Betriebsräte informieren, hätten die Stellenabbaupläne in den Gremien schon früher bekannt sein können. Durch eine geschicktere und früher einsetzende Informationspolitik wäre möglicherweise der nun erfolgte "großer Knall" zu vermeiden gewesen.

Aus Niedenhoffs Sicht hat der Opel-Betriebsrat "einen strategischen Fehler begangen und das Thema Mitbestimmung ad absurdum geführt." Der siebentägige, wilde, illegale Streik - Informationsveranstaltung genannt - hätte demnach vermieden werden müssen. Ein anderes, effektiveres Instrument der Mitbestimmung hätte aus Sicht des Experten für Gewerkschaftspolitik für beide Seiten förderlicher gewirkt: "Wäre eine Betriebsversammlung einberufen worden, hätte diese durchaus auch zwei Tage dauern können", sagt Niedenhoff.

Stattdessen hätten sich die Betriebsräte durch die weitgehend unkontrollierten Aktionen selbst einen Bärendienst erwiesen - wie auch dem Thema Mitbestimmung in Deutschland allgemein. "Und das zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt", betont Niedenhoff. Kurz vor einem wichtigen Treffen des Arbeitgeber- und des Industrieverbands (BDA und BDI), bei dem über die Form eines in der gesamten EU einheitlichen Gesellschaftsrechts diskutiert wird, hätte Opel Bochum ein falsches Signal gegeben. Die Argumente anderer Länder, die den Mitarbeitern in Unternehmen keine oder nur sehr beschränkte Mitspracherechte einräumen, seien durch den wilden Streik gestärkt worden. Auf EU-Ebene sind diese Länder aber ebenfalls an der Entwicklung der neuen Gesellschaftsform beteiligt.

Wilde Streiks sind die Ausnahme

Wilde Streiks sind die Ausnahme

Wilde Streiks, also Arbeitsniederlegungen, die nicht mit einer Urabstimmung beschlossen sind und nicht im Rahmen von Tarifkonflikten stehen, gab es in Deutschland zuletzt vor Jahrzehnten. Solange Verhandlungen mit der Unternehmensleitung laufen, gilt juristisch laut Betriebsverfassungsgesetz eine Friedenspflicht.

Paukenschlag: Zum ersten Mal in 40 Jahren treten im Juni 2002 die Bauarbeiter in den Ausstand, um 4,5 Prozent mehr Lohn sowie die Angleichung der Gehälter im Osten an den Westen zu erstreiten. Mit dem Streik hat niemand gerechnet - nach einer Woche kann weiter gearbeitet werden.

Paukenschlag: Zum ersten Mal in 40 Jahren treten im Juni 2002 die Bauarbeiter in den Ausstand, um 4,5 Prozent mehr Lohn sowie die Angleichung der Gehälter im Osten an den Westen zu erstreiten. Mit dem Streik hat niemand gerechnet - nach einer Woche kann weiter gearbeitet werden.

Foto: DDP
Reinfall: Im Juni vergangenen Jahres streikt die IG Metall in Ostdeutschland für die Einführung der 35-Stunden-Woche, stößt damit aber selbst bei eigenen Mitgliedern auf Unverständnis. "Die bittere Wahrheit ist: Der Streik ist gescheitert", lautet das Resümee des damaligen IG-Metall-Chefs, Klaus Zwickel.

Reinfall: Im Juni vergangenen Jahres streikt die IG Metall in Ostdeutschland für die Einführung der 35-Stunden-Woche, stößt damit aber selbst bei eigenen Mitgliedern auf Unverständnis. "Die bittere Wahrheit ist: Der Streik ist gescheitert", lautet das Resümee des damaligen IG-Metall-Chefs, Klaus Zwickel.

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Feuertaufe: Im Mai 2001 fordern die Piloten der Lufthansa mehr Gehalt. Es ist das erste Mal in der damals 75-jährigen Geschichte der Fluglinie, dass die Piloten geschlossen in den Ausstand treten. Nach Jahren des Verzichts fordern sie einen saftigen Aufschlag von 38 Prozent. Im Juni einigt man sich auf 28 Prozent.

Feuertaufe: Im Mai 2001 fordern die Piloten der Lufthansa mehr Gehalt. Es ist das erste Mal in der damals 75-jährigen Geschichte der Fluglinie, dass die Piloten geschlossen in den Ausstand treten. Nach Jahren des Verzichts fordern sie einen saftigen Aufschlag von 38 Prozent. Im Juni einigt man sich auf 28 Prozent.

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Dramatik: "Wenn die Franzosen die Zahlungen einstellen, müssen wir innerhalb von wenigen Tagen Insolvenz anmelden." Als der Geldgeber von Mobilcom, France Télécom, im September 2002 mit Rückzug droht, protestieren die Mitarbeiter. 5000 Stellen stehen bei dem Telekomunternehmen im kleinen Büdelsdorf zur Disposition.

Dramatik: "Wenn die Franzosen die Zahlungen einstellen, müssen wir innerhalb von wenigen Tagen Insolvenz anmelden." Als der Geldgeber von Mobilcom, France Télécom, im September 2002 mit Rückzug droht, protestieren die Mitarbeiter. 5000 Stellen stehen bei dem Telekomunternehmen im kleinen Büdelsdorf zur Disposition.

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Wahlkampf: Bei 2,4 Milliarden Mark Schulden drehen die Banken dem Baukonzern Holzmann den Geldhahn zu. Die Beschäftigten streiken - und können das Herz Gerhard Schröders erweichen. Seine Rettungsaktion hilft ihm aus einem tiefen Popularitätsloch heraus.

Wahlkampf: Bei 2,4 Milliarden Mark Schulden drehen die Banken dem Baukonzern Holzmann den Geldhahn zu. Die Beschäftigten streiken - und können das Herz Gerhard Schröders erweichen. Seine Rettungsaktion hilft ihm aus einem tiefen Popularitätsloch heraus.

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Hightech-Streik: IG-Metall-Chef Klaus Zwickel droht im Mai 2002 mit einem "völlig unberechenbaren" Streik. Die Arbeitgeber erfahren bald, was das heißt: Das neue "flexible Streikkonzept" legt nicht die gesamte Branche lahm, sondern versetzt einzelnen Betrieben kurze, aber schmerzhafte Nadelstiche.

Hightech-Streik: IG-Metall-Chef Klaus Zwickel droht im Mai 2002 mit einem "völlig unberechenbaren" Streik. Die Arbeitgeber erfahren bald, was das heißt: Das neue "flexible Streikkonzept" legt nicht die gesamte Branche lahm, sondern versetzt einzelnen Betrieben kurze, aber schmerzhafte Nadelstiche.

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Mahnmal: Verwaist steht eine Lore mit einem schwarzen Kreuz vor dem Tor des ehemaligen Krupp-Stahlwerks Rheinhausen. Sie erinnert an den Herbst 1987, als die Schließungspläne des Stahlwerkes mit damals über 5000 Beschäftigten einen Proteststurm entfachten. Heute prägen vorwiegend mittelständische Betriebe mit bis zu 300 Mitarbeitern das Bild der Stadt.

Mahnmal: Verwaist steht eine Lore mit einem schwarzen Kreuz vor dem Tor des ehemaligen Krupp-Stahlwerks Rheinhausen. Sie erinnert an den Herbst 1987, als die Schließungspläne des Stahlwerkes mit damals über 5000 Beschäftigten einen Proteststurm entfachten. Heute prägen vorwiegend mittelständische Betriebe mit bis zu 300 Mitarbeitern das Bild der Stadt.

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Notbremsung: Seitdem das Management die aktuelle Lage beim Warenhausriesen KarstadtQuelle als Krise bezeichnet, ist vom Verzicht der Mitarbeiter die Rede. Die sind auch zu deutlichen Einschnitten beim Gehalt bereit - wenn auf betriebsbedingte Kündigungen verzichtet wird.

Notbremsung: Seitdem das Management die aktuelle Lage beim Warenhausriesen KarstadtQuelle als Krise bezeichnet, ist vom Verzicht der Mitarbeiter die Rede. Die sind auch zu deutlichen Einschnitten beim Gehalt bereit - wenn auf betriebsbedingte Kündigungen verzichtet wird.

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Jenseits des wilden Streiks - Proteste in Deutschland
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Ähnlich wütend und unstrukturiert wie in Bochum protestierten im Jahr 1973 rund 275.000 Beschäftigte der Stahl-, Kohle- und Metallindustrie sowie im öffentlichen Dienst. Sie beteiligten sich zwischen Mai und Oktober an wilden Streiks, unter anderem, um Teuerungszulagen durchzusetzen. Zu den bestreikten Unternehmen zählten etwa Volkswagen , Mannesmann, Ford  in Köln und auch Opel  in Bochum.

14.000 Bergleute legen die Arbeit nieder

Im Saarland traten damals 14.000 Bergleute in einen dreitägigen Ausstand und legten ihre Gruben vorübergehend lahm. Die Streikenden erreichten Teuerungszulagen, höhere Stundenlöhne und bessere Arbeitsbedingungen. Bereits 1969 hatten sich 140.000 Beschäftigte mehrerer Branchen an 18-tägigen spontanen Streiks beteiligt und unter anderem einen sechswöchigen Urlaubsanspruch erreicht.

Spektakulär waren aber nicht nur branchenbezogene Arbeitskämpfe, sondern auch Auseinandersetzungen in einzelnen Firmen: 449 Tage dauerten 1975/76 ein wilder Streik und eine nachfolgende Werksbesetzung in einer Zementfabrik im westfälischen Erwitte. Eine Zusage, die Betroffenen wieder an ihre Arbeitsplätze zu lassen, hielt die Firma nicht ein. Das Bundesarbeitsgericht bezeichnete den nicht von der IG Chemie getragenen Streik sowie die Kündigungen des Unternehmens später als rechtswidrig.

Im Osten Deutschlands wehrten sich nach der Wende viele Belegschaften gegen die Zerschlagung ihrer Betriebe. Großes Aufsehen erregte 1992/93 etwa der monatelange Kampf der Kali-Bergleute im thüringischen Bischofferode. Neun weitere Beispiele für Aufsehen erregende Protestaktionen von Arbeitnehmern in Deutschland finden Sie per Klick auf die oben stehende Bildergalerie.

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