Opel Auch England droht Produktionsstopp

Im Fall einer Schließung des Bochumer Werkes drohe "der längste und härteste Arbeitskampf, den Opel je erlebt hat", droht ein Gewerkschaftssprecher. Von Montag an dürften auch in England, Polen und Belgien Bänder still stehen.

Bochum - Im Kampf um ihre Arbeitsplätze bleiben die Arbeiter des besonders hart betroffenen Bochumer Opel-Werkes bei ihrer harten Linie. Sie wollen auch am Montag die Produktion lahm legen, sofern GM und Opel betriebsbedingte Kündigungen nicht deutlich ausschließen. Die Entscheidung darüber, ob die Belegschaft zur nächsten Schicht um sechs Uhr wieder antritt, liege bei den Beschäftigten, sagte Europa-Betriebsrat Klaus Hemmerling am Sonntag.

Die Arbeit war am Donnerstag unmittelbar nach Bekanntwerden der GM-Pläne eingestellt worden. Das ganze Wochenende über blockierten Arbeiter die Werkstore.

Eine lange Auseinandersetzung droht Opel nach dem Willen der Bochumer Beschäftigten, wenn GM bei seiner harten Linie bleibt: Wenn das Werk geschlossen werden solle, werde es den "längsten und härtesten Arbeitskampf geben, den Opel je erlebt hat", sagte Hemmerling.

Die Arbeitnehmervertreter erwarten, dass auch in den europäischen Werken in England, Belgien und Polen von Montag an die Produktion ruht. Die Betriebe werden von Opel Bochum beliefert. "Am Montag dürfte dort die Pipeline leer sein, dann kann auch dort nicht mehr gearbeitet werden", sagte der Betriebsratssprecher Lothar Marquardt am Sonnabend.

Verhandlungen ab Montag

Im Konflikt um drohende Massenentlassungen bei Opel wollen Betriebsrat und Vorstand der deutschen General-Motors-Tochter am Montag Verhandlungen aufnehmen. "Oberste Priorität hat es jetzt, die Thematik auf den Verhandlungsweg zu bringen", sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Klaus Franz am Sonntag.

An dem Gespräch sollen der Vorstandsvorsitzende, der Arbeitsdirektor, der Fertigungsvorstand sowie die Betriebsräte der Werke in Rüsselsheim, Bochum und Kaiserslautern teilnehmen.

Zu möglichen Spielräumen, den Stellenabbau zu begrenzen und Massenentlassungen zu verhindern, kamen am Wochenende noch keine konkreten Signale aus dem GM-Management. Der Vizechef von GM Europe, der frühere Opel-Vorstandsvorsitzende Carl-Peter Forster, brachte eine Auffanggesellschaft ins Gespräch. Damit wären die Arbeitsplätze zwei Jahre garantiert, allerdings bei deutlichen Lohneinbußen.

Die Belegschaft in Bochum sprach sich am Sonntag bereits dagegen aus. Dies sei nur ein verzögerter Weg in die sichere Arbeitslosigkeit.

"Müssen schnell handeln"

GM-Europachef Fritz Henderson schloss im "Spiegel" Werksschließungen nicht aus. Auf die Frage, wie lange Opel ohne den angekündigten Sanierungskurs durchhalten könne, sagte er der "Bild am Sonntag": "Gar nicht mehr." Auf die Opel-Standorte könnten sogar noch härtere Schnitte zukommen: "Wenn sich die Autowirtschaft weiter verschlechtert, müssen wir weiter nachjustieren."

Henderson und sein Vize Forster ließ keinen Zweifel daran, dass vor allem das Bochumer Werk gefährdet ist: "Die Gefahr einer Schließung ist nicht vom Tisch", sagte Henderson. "Wenn wir jetzt nicht schnell und schlau handeln, hat Bochum keine Zukunft", unterstrich Forster.

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