KarstadtQuelle Poker um Logistik-Sparte

Bereits im kommenden Jahr soll "mindestens die Hälfte" der 5500 geplanten Stellenstreichungen umgesetzt werden, kündigte KarstadtQuelle-Chef Christoph Achenbach an. Als Käufer für die Logistik-Sparte kommen laut Achenbach nur noch zwei Kandidaten in Frage.

Essen - Die Hauptverwaltung in Essen solle 600 Arbeitsplätze verlieren, sagte Achenbach der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung". Für die zum Verkauf stehenden 77 Warenhäuser sowie die Fachmarktketten Sinn-Leffers, Wehmeyer und Runners Point sei der Preis ein wichtiger Faktor, entscheide aber nicht allein.

"Wir wollen die betroffenen Mitarbeiter in geordnete Beschäftigungsverhältnisse übergeben", sagte Achenbach. Die Übernahme der Logistik-Aktivitäten werde sich zwischen der Post-Tochter DHL und Kühne & Nagel entscheiden. Dem dritten Bewerber, der Fiege-Gruppe aus dem Münsterland, gab Achenbach kaum noch Chancen.

Der Vorstand des angeschlagenen Warenhaus- und Versandhandelskonzerns KarstadtQuelle hatte sich mit dem Betriebsrat und der Gewerkschaft ver.di nach zähen Verhandlungen darauf geeinigt, im Zuge der Sanierung auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten.

Aktie verliert fast zehn Prozent

In Erwartung der Kapitalerhöhung über 500 Millionen Euro waren die KarstadtQuelle-Aktien  am Freitagabend massiv unter Druck geraten. Die im Nebenwerteindex MDAX notierten Aktien verloren fast zehn Prozent an Wert. Aktienhändler werteten den Kurssturz als Reaktion auf die Einzelheiten zu der Kapitalerhöhung, die von den Aktionären am 22. November beschlossen werden soll. Insgesamt will der Konzern mehr als 93 Millionen neue Aktien ausgeben.

Kapitalerhöhung: Dresdner Bank ist dabei

Dresdner-Bank-Chef Herbert Walter kündigte in der "Bild am Sonntag" an, dass sich das Institut an der Kapitalerhöhung beteiligt. Den Sanierungskurs des Vorstands bezeichnete er als alternativlos. Die Dresdner Bank ist mit einem Anteil von gut zehn Prozent einer der Hauptaktionäre des Handelskonzerns.

Die Gläubigerbanken wollen die Sanierung mittragen. Vor der von ihnen erwarteten Verlängerung der Kreditlinien wollen sie allerdings nach Angaben aus Bankenkreisen noch ein Gutachten der Unternehmensberatung Roland Berger über das Sanierungskonzept abwarten, das Anfang November fertig sein soll. KarstadtQuelle strebt eine Verlängerung der Kreditlinien um drei Jahre und eine Aufstockung von 1,6 Milliarden auf 1,75 Milliarden Euro an.

Das Traditionsunternehmen plant den Verkauf von 77 kleineren Warenhäusern innerhalb der kommenden drei Jahre an einen Investor. Für zehn dieser Filialen gibt das Unternehmen zwar keine Bestandsgarantie, will sie aber ausdrücklich nicht schließen. Insgesamt will der Konzern bis 2007 im Einzel- und Versandhandel 760 Millionen Euro sparen.

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