Opel Werksschließungen vermeidbar - vorerst

Wenn die Opel-Beschäftigten zu Lohnkürzungen bereit sind, muss "vorerst" kein Werk geschlossen werden, so GME-Chef Fritz Henderson. Opel-Aufsichtsratschef Carl-Peter Forster skizziert, wie sich Entlassungen vermeiden lassen. Am Sonntag blieben die Werkstore in Bochum blockiert - ob am Montag wieder gearbeitet wird, ist offen.

Hamburg - Der Chef von General Motors Europe (GME), Fritz Henderson, will die von der Belegschaft befürchtete Schließung ganzer Opel-Werke mittelfristig nicht ausschließen. "Das kann ich nicht ausschließen. Wenn es um die Planung neuer Produkte wie der nächsten Mittelklasse geht, müssen wir klären, wo deren Produktion sinnvoll konzentriert werden kann. Aber das steht erst 2008 an", sagte Henderson dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Vor allem der Standort Bochum gilt als gefährdet.

In den kommenden zwei Jahren müsse hingegen kein Werk geschlossen werden, wenn sich die Beschäftigten zu einem einschneidenden Sparprogramm bereit erklärten. "Das Programm, mit dem wir die Kosten jährlich um 500 Millionen Euro senken wollen, ist für 2005 und 2006 angelegt. Es kann erreicht werden, ohne eine Fabrik dichtzumachen", sagte er.

Proteste in Bochum gehen weiter

Auch am Sonntag haben die Opel-Mitarbeiter ihre Proteste vor den Werkstoren in Bochum fortgesetzt. Nach wie vor sei unklar, ob am Montag die Produktion weitergehen werde, teilte der Betriebsrat am Sonntag mit. "Wenn positive Signale von General Motors kommen, könnte die Arbeit wieder aufgenommen werden", sagte Europa-Betriebsrat Klaus Hemmerling. Letztendlich entscheide jedoch die Belegschaft, ob sie zur nächsten Schicht am Montagmorgen um sechs Uhr antreten werde.

Forster: Kündigungen vermeidbar

Opel-Aufsichtsratschef Carl-Peter Forster brachte außerdem die Gründung von Beschäftigungsgesellschaften ins Gespräch. "Wenn es uns gelingt, die betreffenden Mitarbeiter in Beschäftigungsgesellschaften zu überführen, können wir betriebsbedingte Kündigungen vermeiden", sagte Carl-Peter Forster, GM-Vize in Europa und Aufsichtsratschef bei Adam Opel, in einem Gespräch der "Welt am Sonntag".

Der Zeitung zufolge solle die Mehrzahl der von Arbeitslosigkeit bedrohten Opel-Beschäftigten nach Vorstellung der Konzernführung in Auffanggesellschaften für zwei Jahre garantiert weiter beschäftigt werden.

Dafür müsse die Belegschaft aber Einbußen bei den Einkommen in Höhe von rund 30 Prozent in Kauf nehmen - eine Forderung, die der frühere Opel-Vorstandschef jüngst schon auf dem Pariser Autosalon formuliert hatte. "Wenn wir die Probleme weiter kaschieren, hat die Marke in zwei, drei Jahren ein viel dramatischeres Problem", mahnte Forster.

Jede dritte Opel-Stelle in Gefahr

Jede dritte Opel-Stelle in Deutschland in Gefahr

Der seit Jahren im europäischen Geschäft hohe Verluste schreibende weltgrößte Autobauer GM hatte angekündigt, 12.000 Arbeitsplätze in Europa abbauen zu wollen. Opel wird dabei die Hauptlast tragen müssen. Nach Gewerkschaftsangaben sollen allein in Bochum - dort werden die Modelle Astra und Zafira gebaut - rund 4000 Stellen in den kommenden Jahren gestrichen werden, ebenso wie im Stammwerk Rüsselsheim. Insgesamt stehen in Deutschland 10.000 der 32.000 Opel-Arbeitsplätze zur Disposition.

Die Belegschaft hatte mit wütenden Prozessen reagiert und aus Angst vor dem Verlust tausender Jobs im Werk Bochum bis Freitagnacht die Arbeit niedergelegt. Am Samstag beriet der Betriebsrat des Werkes mit Vertretern der Gewerkschaft das weitere Vorgehen und bereitete zudem den für Dienstag angekündigten europaweiten Protesttag der GM-Belegschaft vor. "Heute stehen die Bänder sowieso still, da am Samstag generell nicht produziert wird", sagte IG-Metall-Vertreter Willi Kröber in Bochum. Ob es zu Beginn der Woche Arbeitsniederlegungen geben werde, wollte er nicht sagen.

Clement: Nerven bewahren

Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) hatte am Vortag an die Beschäftigten appelliert, die Nerven zu bewahren und an die Arbeit zu gehen. Auch Forster warnte vor anhaltenden Produktionsausfällen. Streiks seien keineswegs zielführend, um eine Lösung für die Probleme bei Opel zu finden, sagte er.

Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz sagte am Samstag: "So lange nicht alle Verhandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind, ist es fahrlässig von Streiks zu sprechen. Wir haben immer betont, dass wir Lösungen am Verhandlungstisch suchen."

Franz zeigte sich verhalten optimistisch, den Jobabbau noch halbwegs in Grenzen halten zu können. Forster habe deutlich gemacht, dass die Frage des Arbeitsplatzabbaus bei den beginnenden Verhandlungen kein Dogma sei, sagte Franz im Gespräch mit Reuters. "Wir verhandeln nächste Woche über die Vorgaben von GM", fügte er hinzu. Europaweit hätten sich die Gewerkschaften der GM-Standorte bereits auf einen Rahmenvertrag verständigt. Ziel sei, die Vorgehensweise der Restrukturierung zu regeln.

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