KarstadtQuelle Kurssturz nach der Einigung

Trotz wichtiger Fortschritte im Sanierungsprozess bricht die Aktie ein. Details zur geplanten Kapitalerhöhung beunruhigen die Anleger. Die Unternehmensberatung Roland Berger das Sanierungskonzept überprüfen. Konzernchef Christoph Achenbach erklärt, dass 2005 bereits 3000 Stellen gekappt werden sollen.

Essen - Mit der Vorlage des Gutachtens von Roland Berger werde Anfang November gerechnet, sagte KarstadtQuelle- Sprecher Jörg Howe am Freitag. Das Gutachten sei gemeinsam von den Banken und dem Unternehmen in Auftrag gegeben worden.

Nach der Einigung über das Sanierungspaket und der Veröffentlichung von Einzelheiten zur geplanten Kapitalerhöhung sind die Aktien des Handelskonzerns am Freitag unter Druck geraten. Die Aktie von KarstadtQuelle  brach im Laufe des Tages um rund zehn Prozent ein. An der Börse sei die geplante Kapitalerhöhung "kritisch" bewertet worden, hieß es.

"Sieben-Meilen-Schritt getan"

Mit dem Beschäftigungspakt für die 100.000 Mitarbeiter habe KarstadtQuelle jedoch nach Einschätzung der Konzernführung gute Voraussetzungen für eine Umsetzung des Sanierungsplans geschaffen. Konzenchef Christop Achenbach sprach von einem "Sieben-Meilen-Schritt". Der Aufsichtsrat der KarstadtQuelle AG stellte unmittelbar nach der Einigung mit der Arbeitnehmerseite am Donnerstag die Weichen für die Kapitalerhöhung in Höhe von 500 Millionen Euro, die am 22. November von einer außerordentlichen Hauptversammlung beschlossen werden soll.

"Mindestens die Hälfte" der 5.500 geplanten Stellenstreichungen will der Vorstandsvorsitzende Christoph Achenbach schon im kommenden Jahr abbauen. Das sagte er in einem Gespräch mit der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ)" (Samstagausgabe). Die Hauptverwaltung in Essen wird 600 Arbeitsplätze verlieren.

Für die zum Verkauf stehenden 77 Warenhäuser sowie die Fachmarktketten wie Sinn-Leffers, Wehmeyer oder Runners Point sei der Preis ein wichtiger Faktor, entscheide aber nicht allein. "Wir wollen die betroffenen Mitarbeiter in geordnete Beschäftigungsverhältnisse übergeben", wird Achenbach zitiert. Die Übernahme der Logistik-Aktivitäten wird sich nach "WAZ"-Informationen zwischen der Post-Tochter DHL und Kühne & Nagel entscheiden. Dem dritten Bewerber, der Fiege-Gruppe, werden kaum noch Chancen gegeben.

Die dringend benötigte Verlängerung von Kreditlinien bei KarstadtQuelle im Volumen von insgesamt 1,75 Milliarden Euro dürfte gesichert sein. Sie ist Voraussetzung dafür, dass sich die Mehrheitseigner an der Kapitalerhöhung beteiligen.

Die Beschäftigten müssen sich in den nächsten drei Jahren mit empfindlichen Lohneinbußen abfinden. Die Gefahr betriebsbedingter Kündigungen ist aber weitgehend gebannt. Das Einsparvolumen liegt bei 760 Millionen Euro.

93 Millionen neue Aktien - Banken beruhigen

Bei der Kapitalerhöhung sollen gut 93 Millionen Aktien ausgegeben werden. Für acht alte können sieben neue Aktien bezogen werden. Bislang haben nach Angaben von KarstadtQuelle nur die Großaktionäre Allianz/Dresdner (10,5 Prozent) sowie die Schickedanz-Gruppe (rund 41,5 Prozent) zugesagt, die Kapitalerhöhung mitzumachen.

Nach Informationen aus Bankenkreisen soll die Kapitalerhöhung im Notfall aber auch dann in trockenen Tüchern sein, wenn sich die anderen Aktionäre nicht beteiligen. Voraussetzung ist allerdings, dass die erwartete Kreditzusage über 1,75 Milliarden Euro mit einer Laufzeit von drei Jahren tatsächlich zustande kommt. An der Börse kamen die Details zur Kapitalerhöhung nicht gut an.

"Stärkere Verwässerung als erwartet"

Stärkere Verwässerung als erwartet

"Der Verwässerungseffekt ist sehr hoch", kritisierte ein Börsianer. Das Grundkapital der Gesellschaft soll um rund 80 Prozent oder 238,186 Millionen auf 539,655 Millionen Euro aufgestockt werden.

Auch Analysten äußerten sich kritisch. "Negativ werten wir die Daten der Kapitalmaßnahme", sagte Analyst Christian Schindler von der Landesbank Rheinland-Pfalz. "Das für November erwartete Angebot für acht alte Aktien sieben neue erwerben zu dürfen, könnte zu einer stärkeren Verwässerung führen als bisher erwartet, zumal das Bankenkonsortium lediglich vier Euro pro Aktie garantiert", bemängelte der Analyst.

Die Gläubigerbanken von KarstadtQuelle haben die Einigung über den Sparbeitrag der Beschäftigten des Essener Unternehmens offenbar positiv aufgenommen. Die von ihnen erwartete Verlängerung der Kreditlinien stehe dennoch nicht unmittelbar bevor, hieß es am Freitag aus Kreisen der Kreditinstitute. Die Banken wollten zumindest ein Gutachten der Unternehmensberatung Roland Berger über das Sanierungskonzept abwarten, das Anfang November fertig sein soll.

Es sei positiv registriert worden, dass sich die Arbeitnehmer mit dem Konzern geeinigt hätten, hieß es aus den Kreisen weiter. Jeder müsse seinen Sanierungsbeitrag leisten. Dazu seien auch die Banken bereit. KarstadtQuelle wolle eine Verlängerung der Kreditlinien um drei Jahre und eine Aufstockung von 1,6 Milliarden auf 1,75 Milliarden Euro erreichen. Die Gespräche dazu seien auf gutem Wege.

Abweichler zurück ins Boot?

Die Liquidität sei bis Jahresende gesichert, hieß es weiter. Daher gebe es keinen Druck. In den Bankenkreisen gab man sich zudem zuversichtlich, zumindest eine der beiden abweichlerischen Banken wieder ins Boot zurückholen zu können.

Dem Vernehmen nach wollen sich die NordLB und die türkische Akbank bislang nicht an der Sanierung von KarstadtQuelle beteiligen. Beide sollen allerdings auch nur mit Krediten von deutlich unter 50 Millionen Euro vertreten sein.

Insgesamt umfasst die Gruppe der Gläubigerbanken 16 Häuser. Die Bayerische Landesbank hat dem Vernehmen nach mit 275 Millionen Euro die größten Außenstände.

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