KarstadtQuelle Die lange Nacht von Essen

Gute Nachrichten für einen Großteil der Beschäftigten - die Konzernleitung erklärt, dass beim Verkaufspersonal keine Entlassungen geplant seien. Das Ziel, sich bis heute Nachmittag über ein Sanierungskonzept zu einigen, scheint nach einer durchtagten Nacht und einem Krisengespräch am Morgen aber nur schwer erreichbar.

Essen - Bei den Verhandlungen über einen Beschäftigungspakt beim angeschlagenen Handelskonzern KarstadtQuelle ist nach den Worten von Konzernsprecher Jörg Howe eine Lösung näher gerückt.

"Ich denke, dass wir in den kommenden Stunden eine Lösung finden", sagte Howe am Donnerstag im "ZDF-Morgenmagazin". Es sei jetzt deutlich mehr Bewegung in die Gespräche gekommen. Die Gewerkschaft Verdi äußerte sich weniger zuversichtlich.

Die ganze Nacht lang sei durchverhandelt worden, sagte Howe. Unternehmensleitung und Arbeitnehmervertreter würden sich weiter in "mühsamen, aber konstruktiven Schritten" aufeinander zubewegen. Die "Deadline" für die Gespräche sei 15 Uhr, bis dahin müsse eine Lösung gefunden werden.

Vier-Augen-Gespräch zwischen Achenbach und Wiethold

KarstadtQuelle-Chef Christoph Achenbach und die ver.di-Verhandlungsführerin Franziska Wiethold haben am Donnerstagmorgen versucht, in einem Vier-Augen-Gespräch die festgefahrenen Verhandlungen zur Rettung des KarstadtQuelle-Konzern vor dem Scheitern zu bewahren. "Ich denke, wir können in den nächsten Stunden eine Lösung finden", sagte Sprecher Howe.

Gewerkschaftssprecher Harald Reutter zeigte sich allerdings deutlich skeptischer. Er sagte: "Von einer Bewegung nach vorne kann bisher noch keine Rede sein." Er hoffe aber, dass nach dem Gespräch nun das Nachdenken auf der Arbeitgeberseite einsetze.

Kernthema Beschäftigungsgarantie weiter strittig

Verdi-Sprecher Harald Reutter sagte hingegen: "Es sieht nicht so aus, als ob wir kurz vor einer Lösung stünden." Er ergänzte: "Es ist zwar etwas Bewegung in die Gespräche gekommen, aber wir haben dabei eher keine Fortschritte erzielt." Der Konzern beharre auf Einschnitten in die geltenden Tarifverträge und habe bislang nur vage Formulierungen in Bezug auf eine Beschäftigungsgarantie gemacht.

Die Arbeitnehmervertreter verlangen als Gegenleistung für Einschnitte bei Arbeitszeit, Lohn, Gehalt und Sondervergütungen sowie für mögliche Standortschließungen einen Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen.

Sollte bis zu einer Aufsichtsratssitzung am Nachmittag keine Einigung erzielt werden, drohen dem Konzern nach eigener Darstellung ernsthafte Schwierigkeiten. Der Aufsichtsrat soll über die Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung am 22. November entscheiden.

Der Rotstift trifft die Verwaltung

Der Rotstift trifft die Verwaltung

Wichtigster Tagesordnungspunkt dieses Aktionärstreffens ist die Absegnung der geplanten Kapitalerhöhung über 500 Millionen Euro. Sollten die Arbeitnehmer nicht zu tiefen Einschnitten bereit sein, so würden die Banken ihr Engagement überdenken und auch die Kapitalerhöhung sei gefährdet, hatte der Konzern in den vergangenen Tagen mehrfach bekräftigt.

Der Vorstand von KarstadtQuelle  erklärte aber bereits, dass er bei der Sanierung des Unternehmens kein Verkaufspersonal entlassen will. "Die Stärke des Warenhauses Karstadt ist das fachkundige Verkaufspersonal und seine Kundenberatung", sagte Karstadt-Warenhausvorstand Helmut Merkel der "Bild"-Zeitung. "Wir wären verrückt, wenn wir genau dort den Rotstift ansetzen würden. Wenn ein Stellenabbau erforderlich sein sollte, sehe ich den viel eher im Verwaltungsbereich."

Auch der Vorstandsvorsitzende des Gesamtkonzerns, Christoph Achenbach, sprach sich unmittelbar vor Abschluss der Sanierungsverhandlungen von Management und Belegschaft gegen einen übereilten Personalabbau aus. "Es geht nicht darum, jetzt möglichst schnell möglichst viele Arbeitsplätze abzubauen. Es muss keine Entlassungen geben, wenn wir die Personalkosten anders dauerhaft senken." Allerdings bekräftigte er, dass bis Ende 2007 im Warenhaus und Versandhandel deutlich mehr als 500 Millionen Euro beim Personal eingespart werden müssten. "Sonst steht die Zukunft des Konzerns auf dem Spiel", sagte Achenbach.