KarstadtQuelle Rotstift angesetzt

Der angeschlagene Warenhauskonzern plant nach Darstellung seines Vorstandsmitglieds Helmut Merkel, in der Verwaltung des Bereichs Warenhäuser bis zu 3000 Stellen zu streichen. Karstadt-Verkaufspersonal sei davon ausdrücklich nicht betroffen. Die Arbeitnehmer schnüren unterdessen ein millionenschweres Sparpaket.

Düsseldorf - Der Standard beim Service solle gehalten werden, sagte Merkel dem Wirtschaftsmagazin "Capital" laut einem am Mittwoch vorab veröffentlichten Bericht. Damit präzisierte ein Konzernvorstand erstmals den angekündigten Personalabbau im Unternehmen.

Für die 77 kleinen Karstadt-Warenhäuser liegen nach Merkels Worten "bereits mehr als 100 Anfragen von Investoren" vor. Mit drei potenziellen Interessenten werde schon konkret verhandelt.

Der Vorstand erwarte, bis "Mitte 2005" einen Verkauf über die Bühne zu bringen. KarstadtQuelle habe ABM Amro und Société Générale mit der europaweiten Käufersuche beauftragt. Drei Gewerbe-Immobilien gebe das Unternehmen bis Jahresende ab. "Das bringt einen dreistelligen Millionenbetrag", sagte Merkel.

Verdi mahnt die Banken

Unterdessen hat die stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft Verdi, Margret Mönig-Raane, die Banken zur Hilfe aufgefordert und ein Zukunftskonzept angemahnt.

Die NordLB und die AK-Bank wollen nach Angaben aus Branchenkreisen den Kreis der rund 15 Kredit gebenden Banken von KarstadtQuelle verlassen. Die übrigen Banken wollten den Konzern aber mindestens bis zum Jahresende weiter unterstützen.

Streiks lehnt die Gewerkschafterin zum derzeitigen Zeitpunkt ab. "Streik ist das allerletzte Mittel, das Beschäftigten bleibt, wenn sie ihre Interessen in Verhandlungen nicht ausreichend geltend machen können", erklärte Mönig-Raane. Von diesem Stadium sei man noch weit entfernt.

Millionenpaket geschnürt

In den Verhandlungen um den Beitrag der Belegschaft zur Karstadt-Sanierung haben die Arbeitnehmer Einsparungen beim Warenhauspersonal von 483 Millionen Euro angeboten. Diese sollten durch Einschnitte bei übertariflichen Leistungen aufgebracht werden, sagte Verdi-Sprecherin Franziska Wiethold. Man habe jedoch, den Eindruck, dass dieser Vorschlag von der Arbeitnehmerseite nicht akzeptiert werde, um einen Abbau im Tarifbereich durchsetzen zu können.

Außerdem habe man eine Arbeitszeitverkürzung angeboten, fügte Wiethold hinzu. Bedingung der Gewerkschaft sei vor allem eine Beschäftigungssicherung. Hier sowie bei der zweiten wichtigen Forderung nach Erhalt der Standorten habe die Arbeitnehmerseite zwar teilweise verhandlungsfähige erste Vorschläge unterbreitet. Diese seien dann aber in den Verhandlungen wieder verwässert worden. Der Eindruck sei, dass die Gegenseite im Grunde nicht bereit sei, vor allem bei den zur Veräußerung anstehenden kleineren Warenhausfilialen entsprechende Zusagen zu geben.