KarstadtQuelle Nägel mit Köpfen

In der kommenden Woche will das KarstadtQuelle-Management gemeinsam mit den Beschäftigten verbindliche Lösungen für einen Ausweg aus der Krise finden. Betriebsbedingte Kündigungen sind nach Informationen von Quelle-Chef Arwed Fischer bereits beschlossen.

Düsseldorf/Mainz - Die Gespräche mit Arbeitnehmervertretern und der Gewerkschaft Verdi in der kommenden Woche sind nach Angaben eines KarstadtQuelle-Sprechers entscheidend für die Zukunft des Konzerns. "Die nächste Woche ist die Woche der Entscheidung", sagte ein KarstadtQuelle-Sprecher am Freitag in Essen.

"Die Gewerkschaften müssen sich bewegen - es hilft nichts", betonte er. KarstadtQuelle  hatte bereits erklärt, die von Verdi angedeuteten Zugeständnisse bei übertariflichen Leistungen reichten nicht aus. Bislang hatte der Konzern auf eine Verständigung mit der Arbeitnehmerseite über das einschneidende Sanierungskonzept des Vorstands bis Ende Oktober gedrängt. Andernfalls sei die geplante Kapitalerhöhung gefährdet. Dieser Zeitplan bis Ende Oktober steht nun offensichtlich nicht mehr.

Der Aufsichtsrat des angeschlagenen Essener Handelsriesen kommt am Donnerstag (14. Oktober) zu einer Krisensitzung zusammen. Auf der Tagesordnung des außerordentlichen Treffens steht das Sanierungsprogramm von Vorstandschef Christoph Achenbach und insbesondere die geplante Kapitalerhöhung im Volumen von 500 Millionen Euro. Eine außerordentliche Hauptversammlung könnte dann in der zweiten Novemberhälfte darüber entscheiden.

"Es kann und wird betriebsbedingte Kündigungen geben"

Über die Zukunft der Karstadt-Filialen in Rheinland-Pfalz haben sich bereits am Freitag Wirtschaftsminister Hans-Artur Bauckhage (FDP), Karstadt-Betriebsräte und Gewerkschaftsvertreter beraten. Bei dem Gespräch im Wirtschaftsministerium in Mainz sollte ein gemeinsames Vorgehen der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und der Landesregierung vereinbart werden, teilte die Gewerkschaft mit.

Quelle-Chef Arwed Fischer informiert am Freitag Mitarbeiter des Versandhauses aus Nürnberg und Fürth über das Sanierungskonzept des KarstadtQuelle-Konzerns. Wie eine Unternehmenssprecherin von Quelle in Fürth erklärte, dürften bei den Betriebsversammlungen keine konkreten Zahlen zu einem geplanten Stellenabbau genannt werden. Sie rechne jedoch damit, "dass die Mitarbeiter darauf hingewiesen werden, dass es zu betriebsbedingten Kündigungen kommen kann und wird", sagte die Sprecherin.

Die Brüder Otto sondieren das Feld

DGB hält Streichung von 3000 Stellen für möglich

Betriebsrat und Unternehmensführung seien jedoch bemüht, die Zahl der betriebsbedingten Kündigungen so gering wie möglich zu halten, sagte sie weiter.

Der mittelfränkische DGB-Vorsitzende Stephan Doll befürchtet allein bei Quelle in Nürnberg einen Verlust von 3000 Arbeitsplätzen. Es könne nicht angehen, dass die Beschäftigten erneut die Zeche für eine verfehlte Unternehmenspolitik zahlen müssen, kritisierte Doll.

Michael und Alexander Otto sondieren das Feld

Bereits in den vergangenen vier Jahren seien rund 15.000 Arbeitsplätze infolge einer "fragwürdigen Geschäftspolitik" beim KarstadtQuelle-Konzern abgebaut worden. Doll verlangte von der Unternehmensleitung ein "klares Sanierungskonzept mit dem Ziel der Sicherung aller Arbeitsplätze", bei dem auch die Banken ihren Beitrag leisten müssten. Der Hamburger Versandhandelskonzern Otto hat unterdessen sein Interesse für eine Übernahme von Teilen des angeschlagenen KarstadtQuelle-Konzerns bekräftigt. "Wir würden uns nicht verschließen, bei einzelnen zum Verkauf stehenden Teilen der KarstadtQuelle-Gruppe eine Prüfung vorzunehmen", sagte Konzernsprecher Thomas Voigt und bestätigte damit einen entsprechenden Bericht des "Hamburger Abendblatts" (Freitagausgabe).

Berichte des Blattes, wonach sich das Unternehmen von Vorstandschef Michael Otto für Fachgeschäfte wie Runners Point interessiere, bezeichnete Voigt als Spekulationen. Nach Informationen aus Branchenkreisen dürften für den Otto-Konzern vor allem die Logistik und das Versandgeschäft von KarstadtQuelle von Interesse sein.

Sprecher Voigt wies darauf hin, das Interesse des Versandhändlers Otto habe nichts mit dem ebenfalls geäußerten Interesse der Hamburger Immobiliengesellschaft ECE zu tun, die von Michael Ottos Bruder, Alexander Otto, geleitet wird. ECE soll im Gegensatz zum Otto-Konzern eher auf die Warenhäuser schauen.

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