KarstadtQuelle Auch Otto zeigt Interesse

Firmenjäger, Fondsgesellschaften und der Hamburger Otto-Clan bereiten sich auf den Ausverkauf bei KarstadtQuelle vor. Außer den Warenhäusern gilt besonders die Logistiksparte als attraktiv. Noch ist es aber nicht soweit, kommen von den Gläubigerbanken doch auch positive Signale.

Frankfurt am Main - Der Einkaufszentren-Betreiber ECE hat Interesse an Warenhäusern des angeschlagenen Handelskonzerns KarstadtQuelle  gezeigt. "Zehn bis zwölf Standorte könnten interessant sein", sagte ECE-Chef Alexander Otto der in Frankfurt erscheinenden Fachzeitschrift "TextilWirtschaft". Die der Versandhandelsfamilie Otto gehörende ECE Projektmanagement GmbH betreibt 76 Shopping-Center und Stadtteilzentren und gilt als Marktführer in Europa.

Auch ein Sprecher des Düsseldorfer Bekleidungsunternehmens Peek & Cloppenburg (P&C) sagte, dass sein Unternehmen mit KarstadtQuelle derzeit Verhandlungen führe. "Wir sind nicht an den Warenhäusern interessiert, höchstens an Wehmeyer- oder SinnLeffers-Standorten", sagte P&C-Prokurist Dirk Schürmann der Zeitschrift.

Zu potenziellen Bietern für einen Teil der Karstadt-Warenhäuser zählt auch die US-Fondsgesellschaft Cerberus. Cerberus erwäge eine Übernahme von Karstadt-Warenhäusern, sollten diese angeboten werden, berichtet die Tageszeitung "Die Welt" unter Berufung auf Branchenkreise. Solche Offerten wären für alle Investmentfonds interessant, die sich mit Immobilien beschäftigten.

Am Dienstag hatte bereits die US-Investmentgesellschaft Blackstone generelles Interesse an den Immobilien von KarstadtQuelle geäußert. Eine Komplettübernahme des Konzerns hatte Blackstone ausgeschlossen.

Außerdem soll die Hamburger Immobiliengruppe AGIV Real Estate nach Informationen aus Unternehmenskreisen ein Auge auf die Karstadt-Immobilien geworfen haben.

Der Interessentenkreis wird größer

Blackstone und CG wollen für Logistik bieten

Das Interesse der Private-Equity-Gesellschaft Blackstone bezieht sich aber nicht nur auf die Karstadt-Immobilien. Gemeinsam mit der Beteiligungsgesellschaft CG Beteiligungs- und Management GmbH will Blackstone ein Angebot für die Logistiksparte des angeschlagenen Handelskonzerns abgeben.

"Wir haben nach Rücksprache mit Blackstone unser nachhaltiges Interesse beim Vorstand von KarstadtQuelle signalisiert und klar gemacht, dass wir in relativ kurzer Zeit ein gutes Angebot vorlegen werden", sagte CG-Chef Cornelius Geber der "Financial Times Deutschland" (FTD).

Deutsche Post bekommt als Bieter Konkurrenz

"Von Interesse sind für uns die Logistiklager, die Töchter Optimus und Servicelogiq sowie die Versandlogistik von Quelle und Neckermann", sagte Geber. Als Interessenten für die Logistik gelten auch die Deutsche Post/DHL und die Logistikunternehmen Kühne & Nagel und Fiege. Laut "FTD" liegt der Wert der Logistiksparte von KarstadtQuelle bei rund 350 Millionen Euro.

"Unsere Vorstellung ist, gegebenenfalls auch zusammen mit einem strategischen Investor das gesamte Logistikpaket von KarstadtQuelle zu übernehmen und daraus einen eigenständigen, weltweit arbeitenden Retaillogistikdienstleister zu entwickeln", sagte Geber, der früher Vorstandsmitglied bei Kühne & Nagel war. Damit entstünde ein ernsthafter Wettbewerber für die Deutsche Post , die ebenfalls Interesse an dem Gesamtpaket hat.

"Mittelfristig wäre es unser Ziel, das Unternehmen, nachdem wir es weiterentwickelt haben, an die Börse zu bringen oder an einen strategischen Investor zu veräußern", sagte Geber.

Positive Signale der Banken

Positive Signale der Banken

Die Gläubigerbanken haben dem Handelskonzern unterdessen offenbar Unterstützung bei der Sanierung signalisiert. Wie am Donnerstag in Bankenkreisen verlautete, laufen die Gespräche über eine Umschuldung des Konzerns "sehr konstruktiv" und für KarstadtQuelle  "in die richtige Richtung". Es gehe darum, kurzfristige Verbindlichkeiten in Kredite mit einer Laufzeit von drei Jahren umzuwandeln, um dem Essener Konzern so etwas Luft für die anstehende Sanierung zu verschaffen.

Die Koordinierung unter den Banken habe die BayernLB übernommen, die mit rund 250 Millionen Euro größter Kreditgeber von KarstadtQuelle sei, hieß es weiter. Das Münchener Institut wollte diese Informationen allerdings nicht kommentieren. Die anderen großen Gläubiger - unter ihnen die Dresdner Bank, die Commerzbank , die HypoVereinsbank  und die Helaba - haben nach Angaben aus den Kreisen jeweils Engagements von rund 100 Millionen Euro beziehungsweise auch darunter.

Am Mittwoch hatte bereits die WestLB als erste Institut Entgegenkommen signalisiert. Die Bank ist nach eigenen Angaben in Gesprächen mit KarstadtQuelle darüber, wie sie die Umstrukturierung weiter begleiten kann. In den vergangenen Tagen hatten Äußerungen von Management und Betriebsrat des in die Krise geratenen Unternehmens, wonach bei Nicht-Einigung eine Insolvenz nicht auszuschließen sei, für Unruhe gesorgt und den Aktienkurs auf Talfahrt geschickt.

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