Negativ-Trend 5 Millionen Arbeitslose im Winter?

Knapp 4,3 Millionen Arbeitslose im September - die aktuellen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit liegen höher als erwartet. BA-Chef Frank-Jürgen Weise erklärt, dass der Aufschwung "noch nicht kräftig genug" sei, um für Entspannung am Arbeitsmarkt zu sorgen. Im Gegenteil: Ein anhaltender Anstieg wird erwartet.

Nürnberg - Die Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt hat sich im September weiter eingetrübt. Die Zahl der Arbeitslosen stieg im September saisonbereinigt stärker als erwartet. Sie sei um 27.000 zum Vormonat geklettert, teilte die Bundesagentur für Arbeit am Dienstag in Nürnberg mit.

Von der Agentur AFX befragte Volkswirte hatten im Durchschnitt lediglich mit einem Anstieg von 6.000 gerechnet. In Westdeutschland stieg die Arbeitslosenzahl saisonbereinigt um 12.000 und in Ostdeutschland um 15.000.

Die Arbeitslosenquote liegt jetzt bei 10,3 Prozent oder 4,2557 Millionen Betroffenen. In Westdeutschland waren 2,7 Millionen Arbeitslose gemeldet, in Ostdeutschland 1,557 Millionen.

Der Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, sagte, trotz einer positiven wirtschaftlichen Entwicklung sei noch keine Besserungstendenz auf dem Arbeitsmarkt zu erkennen. "Der Aufschwung ist noch nicht kräftig genug, damit in der Summe Arbeitslosigkeit abgebaut werden kann."

Die Zahl der Arbeitslosen könne im kommenden Winter sogar auf fünf Millionen steigen. BA-Vorstandmitglied Heinrich Alt sagte, im Monat Februar sei ein Anstieg über diese Marke nicht auszuschließen. Es seien dabei aber eine Reihe von Einflussfaktoren unklar, etwa ob die geschätzen 300.000 Sozialhilfeempfänger, die ab Januar das Arbeitslosengeld II beziehen würden, dem Arbeitsmarkt tatsächlich zur Verfügung stünden. Ungeklärt sei auch, ob Menschen, die ab dann keinen Anspruch mehr auf Geldleistungen hätten, weiter arbeitslos gemeldet blieben.

30 Prozent Arbeitslose im Kreis Uecker-Randow

In Mecklenburg- Vorpommern stieg die Zahl der Erwerbslosen im Vergleich zum Vorjahresmonat um 4,4 Prozent. Im September waren in Mecklenburg-Vorpommern 178.700 Menschen arbeitslos gemeldet. Das waren 600 oder 0,3 Prozent mehr als im August. Die Arbeitslosenquote blieb gegenüber August mit 20 Prozent unverändert, im Kreis Uecker- Randow betrug sie 29,4 Prozent.

In Sachsen sind rund 384.000 Menschen ohne Arbeit. Die Arbeitslosenquote - bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen - lag im September bei 17,4 Prozent. Vor einem Jahr betrug sie 17,0 Prozent, im August 17,7 Prozent.

Ganz anders das Bild in Bayern. Hier ist die Zahl der Arbeitslosen im September - hauptsächlich saisonbedingt - um 12.400 auf 422.500 gesunken. Die Arbeitslosenquote sank um 0,2 Punkte auf 6,5 Prozent.

Bereits in der vergangenen Woche hat die Tageszeitung "Bild" gemeldet, bundesweit seien im September 4,26 Millionen Arbeitslose gezählt worden. Inklusive der 80.000 Teilnehmer an Trainingsmaßnahmen, die seit Januar 2004 nicht mehr in der offiziellen Statistik berücksichtigt werden, sei dieser Wert (der die nun offiziellen Angaben exakt traf) die höchste September-Arbeitslosigkeit seit der Wiedervereinigung.

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