KarstadtQuelle Erste Gebote für Häuser und Logistik

Die Gläubigerbanken wollen dem Konzern die Kredite fürs Weihnachtsgeschäft offenbar noch gewähren. Frisches Geld könnte ein Verkauf der Logistik bringen, neben der Post hat auch Kühne & Nagel Interesse. Auch für zwölf Immobilien werden angeblich Gebote vorbereitet. Ist das Überleben gar ohne staatliche Finanzspritze möglich?

Düsseldorf/Zürich - Der sanierungsbedürftige KarstadtQuelle-Konzern kann offenbar vorerst auf die Unterstützung seiner Gläubigerbanken setzen. Aus Bankenkreisen hieß es am Freitag, der Konzern erhalte die nötigen Mittel zum Einkauf der wichtigen Weihnachtsware.

Unterdessen gibt es offenbar mehrere Interessenten für Teile der zum Verkauf stehenden Bereiche von KarstadtQuelle . Das Grevener Logistikunternehmen Fiege und die schweizerische Logistikgruppe Kühne & Nagel bekundeten ihr Interesse an der Logistiksparte. Auf politischer Ebene soll es in der kommenden Woche zudem Gespräche geben, an denen neben Karstadt-Managern unter anderem Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) teilnehmen wird.

Branchenkreisen zufolge haben zudem die Deutsche Post-Tochter DHL  und die Bertelsmann-Tochter Arvato ihr Interesse an der Logistik-Sparte von Karstadt-Quelle bekundet. Auch erste Interessenten für einzelne Warenhaus-Immobilien meldeten sich. Der Konzern wollte sich zum Stand der Verkaufsgespräche nicht äußern, aus Unternehmenskreisen hieß es aber, noch sei nichts entschieden.

Gläubigerbanken: "Die Situation kann gelöst werden"

Aus dem Umfeld der Gläubigerbanken verlautete, die Banken hätten die erforderlichen Kredite für den Einkauf der Ware für das Weihnachtsgeschäft zugesichert. Das Unternehmen könne auf seine üblichen Kreditlinie zurückgreifen, um die Waren zu beschaffen.

Eine Bedingung dafür sei aber, dass das angeschlagene Unternehmen ständig in engem Kontakt mit den Gläubigern bleibe. Mit Blick auf finanzielle Engpässe bei KarstadtQuelle hieß es: "Die Situation kann gelöst werden." Am Vortag hatte Reuters aus Kreisen der Gläubiger erfahren, dass sie bis Weihnachten still halten wollten. Die zeitlich kurze Kreditlinie des Essener Konzerns solle auf 1,75 Milliarden Euro von bislang 1,6 Milliarden Euro erhöht und die Laufzeit zugleich verlängert werden.

Nach dem bereits vereinbarten Verkauf größerer Teile seiner IT-Sparte Itellium steht KarstadtQuelle nun offenbar vor der Veräußerung eines noch bedeutenderen Bereichs, der Logistik. Der Grevener Logistikunternehmer Hugo Fiege sagte: "Es laufen Gespräche zwischen Fiege und dem KarstadtQuelle-Konzern zur Übernahme bedeutender Teile." Zum Stand der Gespräche wollte er sich nicht äußern.

Post-Chef im Interessenkonflikt?

Kauf der Logistk-Sparte für Post-Chef Zumwinkel brisant

Auch der schweizerische Logistikkonzern Kühne & Nagel meldete Interesse an. "Kühne & Nagel ist prinzipiell an der Übernahme solcher Tätigkeiten interessiert. Das gilt besonders für die internationale Beschaffungslogistik," sagte eine Sprecherin. Ein Sprecher von Arvato sagte lediglich, zu Spekulationen nehme man keine Stellung.

Der Essener Handelskonzern wollte sich nicht zu den Namen der Interessenten äußern. "Es laufen Gespräche mit mehreren Interessenten, aber es gibt noch keine Entscheidung."

Nach Angaben aus Branchenkreisen ist auch die Deutsche Post interessiert. Für Post-Chef Klaus Zumwinkel bahnt sich damit ein Interessenkonflikt an, denn er ist auch im Aufsichtsrat von KarstadtQuelle vertreten und war in den 80er Jahren Vorstandschef bei Quelle.

Die Bahn-Tochter Stinnes hingegen erklärte am Freitag, sie habe kein Interesse. "Es finden keine Gespräche statt. Wir haben da kein Interesse," sagte ein Sprecher.

Zu verkaufen: Logistkbereich mit 2000 Mitarbeitern

Der Logistikbereich von KarstadtQuelle umfasst die Gesellschaft Optimus Logistik mit 290 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von zuletzt 618,4 Millionen Euro sowie den Dienstleister Servicelogiq mit rund 1000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 72 Millionen Euro. Außerdem gehören acht große Warenverteilzentren dazu, wobei jedoch nach Angaben eines Sprechers nicht die Quelle-Zentren zur Disposition stehen. Insgesamt seien bei dem zum Verkauf bestimmten Logistikbereich gut 2000 Menschen beschäftigt, sagte ein Sprecher.

Das Management der zum KarstadtQuelle-Konzern gehörende Sportfachhandelskette Runners Point rechnet trotz eines möglichen Verkaufs nicht mit Auswirkungen auf das Filialnetz und die rund 1000 Beschäftigten."Runners Point ist sehr gut im Markt aufgestellt und verzeichnet seit Jahren Wachstumsraten, die deutlich über dem Durchschnitt des Sportfachhandels liegen", sagte Geschäftsführer Otto Hurler am Freitag in Recklinghausen. Runners Point betreibt derzeit bundesweit 124 Filialen.

Immobiliengruppe Brockhoff bietet mit

Brockhoff nennt Kaufinteressenten für 12 Filialen

Der Essener Konzern will sich nach anhaltenden Umsatzeinbrüchen nicht nur vom Logistikgeschäft, sondern von fast der Hälfte seiner 181 Warenhäuser, allen 305 Fachgeschäften sowie den Starbucks-Kaffeehäuser und den Fitness-Centern trennen.

Die Essener Immobiliengruppe Brockhoff will einem Vorabbericht der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) zufolge zwei Häuser kaufen, um die Flächen selber zu entwickeln. Zwei Brockhoff-Kunden hätten zudem Interesse an einem "großen Paket" von mehr als zehn Karstadt-Filialen, sagte der geschäftsführende Gesellschafter Eckard Brockhoff der WAZ (Samstagausgabe).

Der Karstadt-Betriebsrat wehrt sich dagegen, dass 77 kleinere Warenhaus- Filialen ausgegliedert und verkauft werden sollen. Die Bürgermeister aller Karstadt-Standorte in Nordrhein-Westfalen werden sich am Dienstag zu einem"Karstadt-Gipfel" im Düsseldorfer Wirtschaftsministerium treffen.

Neben dem Vorstandschef der Karstadt Warenhaus AG, Helmut Merkel, wird auch Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) an dem Gespräch teilnehmen. Das kündigte NRW- Wirtschafts- und Arbeitsminister Harald Schartau (SPD) am Freitag in Düsseldorf an. Bei dem Treffen mit den 70 Bürgermeistern sollen mögliche Auswirkungen des Konzern- Sanierungsprogramms auf die Gemeinden erörtern werden.

Zu heftigen Diskussionen über ein Eingreifen der Politik bei der bevorstehenden Sanierung des KarstadtQuelle-Konzerns war es bereits am Freitag gekommen. Karstadt-Betriebsratschef Wolfgang Pokriefke sagte der dpa:"Wir sind kein Holzmann-Fall und brauchen keine Begleitung durch die Bundesregierung". Zu der Kritik von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) am Karstadt-Management meinte Pokriefke:"Der Herr Bundeskanzler sollte sich lieber an die eigene Nase fassen und seine Fehler korrigieren". Das deutsche Handwerk hat in scharfer Form gegen Hilfsangebote der rot-grünen Bundesregierung an den angeschlagenen Warenhauskonzern protestiert.

"Die Menschen wollen Karstadt!"

Betriebsratschef mahnt Innenstadt-Belebungen an

Pokriefke, der auch im Aufsichtsrat des Unternehmens sitzt, forderte statt einer "direkten Einmischung der Politik" einen Umschwung bei der Praxis der Ausweisung von immer neuen Gewerbeflächen auf der grünen Wiese." Es muss darum gehen, die Innenstädte als Standorte für Warenhäuser wieder attraktiver zu machen", sagte Pokriefke. Denn: "Die Menschen wollen Karstadt!".

Über eine Strategie für die bevorstehenden Gespräche mit dem Karstadt-Vorstand werde die Tarifkommission zusammen mit der Gewerkschaft ver.di am kommenden Montag in Kassel beraten, kündigte Pokriefke an. Das Zusammentreffen mit den Karstadt-Verantwortlichen sei für den nächsten Tag in Frankfurt vorgesehen. Ziel sei es, noch in diesem Monat zu einem Ergebnis zu kommen.

Handwerkspräsident Dieter Philipp sagte der"Berliner Zeitung": "Das Handwerk nimmt mit Empörung zur Kenntnis, welchen Stellenwert die Bundesregierung der angeschlagenen Aktiengesellschaft KarstadtQuelle gibt." Ausdrücklich bezog Philipp seine Kritik auf die Ankündigung von Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD), wonach die Regierung den Mitarbeitern des Warenhauskonzerns mit allen verfügbaren Instrumenten zur Seite stehe. Der Vorsitzende der Mittelstands-Union, Hans Michelbach, meinte: "Bei den großen Firmen kommt der Kanzler, bei den kleinen Firmen der Gerichtsvollzieher."

Brandner (SPD) schließt Finanzspritze kategorisch aus

Der arbeitsmarktpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Klaus Brandner, hat finanzielle Hilfen des Bundes für KarstadtQuelle ausgeschlossen. "Es kann nicht sein, dass der Staat jetzt in irgendeiner Form in die Steuerschatulle greift und KarstadtQuelle aus der Problemzone heraushilft", sagte Brandner am Freitag im ZDF. Der Wirtschaftspolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Werner Schulz, sagte im Südwestrundfunk:"Die Politik kann in solchen Momenten nicht helfen, das hat man ja bei Holzmann im übrigen auch gesehen, und es hat ja im Endeffekt nichts gebracht."

Die Karstadt-Aktie schloss am Freitag mit einem leichten Plus bei 12,61 Euro. Seit Wochenbeginn hat sie jedoch fast acht Prozent verloren.