Fernsehduell Kerry greift an, Bush kontert kühl

Die erste TV-Debatte hat John Kerry zu scharfen Angriffen auf US-Präsident George W. Bush genutzt. Er könne die Welt sicherer machen, weil er auf internationale Bündnisse setze, sagte Kerry. Bush konterte gelassen und gab sich als Mann des Volkes. Beobachter sahen einen Punktsieg, aber keinen entscheidenden Triumph für Kerry.

Coral Gables - Dem demokratischen Präsidentschaftskandidaten John Kerry ist bei dem ersten Fernsehduell mit US-Präsident George W. Bush mit heftiger Kritik am Irakkrieg zumindest ein Achtungserfolg gelungen. Dies signalisierten die ersten Blitzumfragen der US-Fernsehsender CNN, ABC und CBS kurz nach Ende der 90-minütigen Debatte am Donnerstagabend (Ortszeit) in der Universität von Miami (Florida). Alle Sender sahen den detailreich argumentierenden Kerry als Sieger des Rededuells - doch auch Bush gab sich keine Blöße und wirkte sehr gelassen.

Als erster Redner sprach Kerry. Und es ging gleich um die Irak-Frage. "Der Präsident hat einen kolossalen Irrtum begangen," bekräftigte er seine ablehnende Haltung zum Irak-Krieg. Das Zentrum des Terrors sei nicht der Irak sondern Afghanistan. "Ich kann Amerika sicherer machen als Präsident Bush", sagte Kerry. Die USA müssten sich verstärkt um breitere Bündnisse im Kampf gegen den internationalen Terrorismus bemühen. Nur eine solche Politik werde auch die USA sicherer machen. Zudem habe es keinen realistischen Plan für die Nachkriegszeit gegeben.

Bush antwortete: "Ich wache jeden Morgen mit dem Gedanken auf, wie Amerika am besten geschützt werden kann. Das ist mein Job!" Das amerikanische Volk wisse, dass er führen könne. Der Welt gehe es besser ohne Saddam Hussein, griff er sarkastisch einen früheren Ausspruch Kerrys auf. Er brauche niemanden, der ihm sage, er solle sich an die Uno wenden. Das könne er selbst.

"Mein Gegner denkt ständig um"

Die USA müssten auch weiterhin im Kampf gegen den Terrorismus eine offensive Politik verfolgen, sagte Bush. "Mein Gegner denkt ständig um," warf Bush Kerry vor, "das kann man nicht als Präsident." Den Vorwurf der Wankelmütigkeit wiederholte er - wie schon im Wahlkampf - genüsslich mehrfach.

Die US-Truppen würden den Irak erst dann verlassen, wenn die Iraker selbst für die Sicherheit verantwortlich sein könnten und das Land frei und stabil sei. "Was für eine Nachricht ist das, die mein Gegner unseren Truppen gibt: 'Falscher Krieg, falscher Ort, falsche Zeit'. Keine Nachricht, die ein Oberbefehlshaber gibt."

Streit um Nordkorea und Iran

Streit um Nordkorea und Iran

"Wir müssen doch jetzt Lösungen erarbeiten," konterte Kerry. "Ich habe einen Plan, wie wir diesen Krieg beenden können. Der Präsident hat keinen." Bushs Devise sei: Weiter so. Seinen Meinungsumschwung in Sachen Irak-Krieg verteidigte er mit den Worten: "Man muss doch seine Meinung ändern können, wenn neue Erkenntnisse auf den Tisch kommen." Den Bush-Vorwurf wankelmütig zu sein, wies er zurück.

Auch zu Nordkorea, Iran und Russland vertraten Bush und Kerry entgegengesetzte Positionen. Kerry hielt dem Präsidenten vor, dass in seiner Amtszeit Nordkorea und Iran Fortschritte mit ihren Atomwaffenprogrammen gemacht hätten. Er werde standfest und entschlossen führen, und die USA seien in Irak zum Erfolg verurteilt. Es sei zwar ein Fehler gewesen, den Krieg anzufangen, nun könne man sich aber kein Scheitern leisten. "Ich weiß, dass wir Erfolg haben können", sagte Kerry. "Ich glaube aber nicht mit diesem Präsidenten." Bush sagte, Kerry habe diesmal eine stimmigere Position vertreten. Aber: "Das einzige beständige an der Position meines Kontrahenten ist, dass er unbeständig ist."

Details gegen Emotionen

Bush verfolgte die Vorwürfe seines Gegners mit einer manchmal missmutigen Miene, sah hin und wieder angewidert weg. Kerry machte sich oft Notizen, wenn der Präsident sprach. Anfänglich hatten beide nervös gewirkt, was sich jedoch bald legte.

Kerry versuchte mit Fakten und detailreichen Ausführungen bei den Zuschauern zu punkten. Bush setzte auf die emotionale Karte: "Wir haben einen riesigen Berg erklommen. Nun sehe ich das Tal unten liegen. Es ist ein Tal des Friedens."

Beim Thema Sudan waren Bush und Kerry relativ nahe beieinander. Bush sprach sich gegen die Entsendung von US-Truppen in das afrikanische Land aus. Die Regierung des Sudan müsse durch internationalen Druck dazu gebracht werden, den Völkermord in der Provinz Darfur zu stoppen. Auch Kerry wandte sich sich gegen eine US-Truppen in dem Krisengebiet.

50 Millionen Zuschauer

Das Podium war in der Basketball-Halle der Universität Miami aufgebaut, die beiden Kandidaten wurden im Stehen von dem Fernsehjournalisten Jim Lehrer befragt.

Jeder Kandidat hatte 90 Sekunden für seine Antwort und 30 Sekunden, um seinem Konkurrenten zu entgegnen. Insgesamt dauerte das Streitgespräch 90 Minuten. Es wurde landesweit im Fernsehen übertragen und dürfte bis zu 50 Millionen Zuschauer erreicht haben.

Die insgesamt drei Fernsehdebatten zwischen den beiden Kandidaten könnten eine entscheidende Rolle spielen, weil sich Umfragen zufolge rund ein Viertel der Wähler davon beeinflussen lassen.

Jetzt folgen zwei weitere Debatten am 8. und 13. Oktober; am kommenden Dienstag treffen die Vizepräsident Dick Cheney und Kerrys Kandidat für das Stellvertreteramt, John Edwards, aufeinander.

Die US-Bürger wählen am 2. November ihren Präsidenten.

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