Deutsche Bahn Mehdorn spaltet die Nation

Soll er gehen? Soll er bleiben? Nachdem die Börsenpläne der Bahn ad acta gelegt wurden, fordert eine knappe Mehrheit der Deutschen den Rücktritt von Konzernchef Hartmut Mehdorn.

Hamburg/Berlin - Während sich 41 Prozent der Deutschen in einer Forsa-Umfrage für einen Rücktritt von Hartmut Mehdorn aussprachen, bestätigte fast ebenso viele, nämlich 40 Prozent, den Bahnchef in seinem Amt, berichtet das Magazin "Stern", in dessen Auftrag die Umfrage durchgeführt wurde. 19 Prozent waren unentschieden.

Mehdorn und die Verkehrspolitiker des Bundestages haben ihren bedrohlich aufgeheizten Streit um die geplatzten Börsenpläne des bundeseigenen Konzerns unterdessen entschärft. Vor dem Verkehrsausschuss räumte Mehdorn am Mittwoch Fehler ein und ging auf die Parlamentarier zu.

Es sei nicht gewollt, die Abgeordneten zu verprellen, zu missachten oder zu umgehen, sagte er nach DPA-Informationen in der Sitzung. Der Ausschussvorsitzende Eduard Oswald (CSU) sprach danach von einem "Neubeginn". Rücktrittsforderungen an den Bahn-Manager wurden nach dem Treffen nicht aufrechterhalten.

Derweil hat sich der Betriebsverlust der Deutschen Bahn im Juli ausgeweitet. Nach den ersten sieben Monaten habe er 85 Millionen Euro betragen, berichtete die Zeitung "Die Welt" am Mittwoch unter Berufung auf unternehmensnahe Kreise. Nach sechs Monaten hatte der Verlust noch bei 62 Millionen Euro gelegen.

Das 2003 gescheiterte neue Preissystem der Bahn habe rund 600 Millionen Euro gekostet, berichtete die Zeitung. Mitte August hatte die Bahn erklärt, wegen anhaltender Probleme im Fernverkehr die eigenen Ergebniserwartungen verfehlt zu haben.

Damit setzt sich der Reigen von schlechten Nachrichten für den Schienenkonzern fort. Erst vor einer Woche legten die Verantwortlichen den Börsengang auf Eis. Für das Projekt hatte sich vor allem Konzernchef Hartmut Mehdorn vehement eingesetzt.

Der Börsengang vor der Sommerpause 2006 sei angesichts der derzeitigen Rahmenbedingungen "nicht realistisch", hieß es. An dem Ziel, die Bahn für den Gang an die Börse vorzubereiten, werde aber festgehalten.