KarstadtQuelle Auf Metros Spuren

Ausverkauf im deutschen Einzelhandel: KarstadtQuelle vollzieht derzeit einen ähnlich tiefen Schnitt wie einst der Handelskonzern Metro. Was nicht zum Kerngeschäft gehört, soll verkauft werden. Doch so einfach ist das nicht, wie der Fall Metro zeigt.

Düsseldorf - Die Liste der im Angebot stehenden Unternehmen und Filialen wird immer länger. Sie reichte bereits vom Bekleidungshändler Adler, über die Schuhkette Reno bis hin zum Computerhändler Vobis, die früher einmal zur Metro  gehörten. Jetzt kommen eine Reihe von Fachmarktketten von KarstadtQuelle  hinzu. Die Textilketten SinnLeffers, Wehmeyer und die Sportausrüster RunnersPoint und Golfhouse sowie der Musikhändler World of Musik (WOM) sollen möglichst bald verkauft werden. Außerdem steht jedes zweite der rund 180 Karstadt-Warenhäuser zum Verkauf.

Der KarstadtQuelle-Konzern vollzieht damit jetzt einen ähnlich tiefen Schnitt, wie ihn der Branchenprimus Metro schon vor sechs Jahren machte. Nicht zum Kerngeschäft gehörende Beteiligungen kamen damals in das "Körbchen" Divaco, eine Verwertungsgesellschaft. Die Firmen machen zusammengerechnet Milliardenumsätze und haben bundesweit mehr als 10.000 Mitarbeiter. Auch kleine Warenhausfilialen wurden damals mit ausgegliedert. Der Musterfall Divaco zeigt aber auch, dass die Veräußerung von Handelsfirmen ein langer und steiniger Weg sein kann.

Investoren stehen nicht Schlange

Die Vorstellung, dass ausländische Investoren mit dickem Scheckheft Schlange stehen, hat sich als Illusion erwiesen. Der deutsche Handel ist mit Rabattschlachten, geringen Gewinnmargen, dem Flächenüberhang und der Konsumflaute nicht gerade ein Magnet für Kapitalanleger. Im Vergleich zu Großbritannien wird in Deutschland fast doppelt so viel Verkaufsfläche je Einwohner unterhalten. Der Umsatz pro Quadratmeter Ladenfläche ist in Großbritannien drei Mal höher als in Deutschland.

Auch Wal-Mart zahlte bereits Lehrgeld

Schon mehrere ausländische Konzerne machten die bittere Erfahrung, dass hier zu Lande mit besonders harten Bandagen gekämpft wird. So musste der weltweit größte Händler, der US-Konzern Wal-Mart, in Deutschland Lehrgeld zahlen. Unmittelbar nach dem Markteintritt 1997 verbuchte die Tochter Wal-Mart Germany Medienberichten zufolge Verluste in Millionenhöhe. Auch der bisher einzig nennenswerte Verkauf eines Handelsunternehmens aus der Divaco, der Kaufhalle, wurde keine große Erfolgsstory. Die Italiener schlossen Filialen.

"Alles unter einem Dach" funktioniert nicht mehr

Die Kaufzurückhaltung der Bundesbürger traf die Warenhäuser mit dem Sortiment in der mittleren Preislage besonders hart. Statt Lustkäufen war bei vielen Verbrauchern "Geiz ist geil" angesagt. Neben Fachmärkten auf der grünen Wiese machen auch Lebensmittel-Discounter wie Aldi den Warenhäusern bei Textilien und Elektronik Konkurrenz.

"Alles unter einem Dach" funktioniert nicht mehr

Die Idee "Alles unter einem Dach" ist nicht mehr Erfolg versprechend. Das hat Kaufhof früher erkannt und umgesetzt als Karstadt. Die Metro-Tochter gab in den vergangenen 8 Jahren 42 Filialen auf, neue Häuser wurden an besseren Standorten aufgemacht. Mit dem Galeria-Konzept der Warenwelten bietet der Kaufhof Fachmärkten Paroli.

Einzelhandel: 35.000 Stellen fallen weg

Die Krise des deutschen Einzelhandels geht unterdessen weiter. "Unsere lange Talfahrt scheint immer noch nicht beendet", meint der Präsident des Branchenverbandes HDE, Hermann Franzen. Der Branchenumsatz werde in diesem Jahr zum dritten Mal in Folge sinken. Bis Jahresende fallen dem Rotstift etwa 35.000 Stellen zum Opfer, die Sparmaßnahmen von KarstadtQuelle noch nicht einbezogen.

Kostensenkungen sind nach einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young das Topthema im Handel. Die tiefe Branchenkrise zeigt sich auch in steigenden Pleitezahlen. Anfang September meldete die Schuhkette Salamander Insolvenz an. Sie könnte demnächst wieder zum Verkauf stehen.

Volker Danisch (dpa)

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