KarstadtQuelle Notprogramm und Kapitalerhöhung

Der Aufsichtsrat des angeschlagenen Warenhauskonzerns hat dem Sanierungsprogramm zugestimmt und einen neuen Finanzvorstand ernannt. Die Neuausrichtung soll 1,4 Milliarden Euro kosten. Außerdem soll es eine Kapitalerhöhung in Höhe von 500 Millionen Euro geben. Handelsexperten sind skeptisch, ob die Sanierung gelingt.

Essen - Wie KarstadtQuelle  nach der Aufsichtsratssitzung mitteilte, sieht das Paket im Wesentlichen die Konzentration auf das Kerngeschäft, die Trennung von Randaktivitäten und die Stärkung von Wachstumsbereichen vor. Zu einem möglichen Stellenabbau wurden vorerst keine Angaben gemacht. Das Kontrollgremium, in dem zur Hälfte auch Vertreter der Arbeitnehmerseite sitzen, habe dem vom Vorstand ausgearbeiteten Programm zugestimmt. Weitere Einzelheiten will der Konzern am Dienstag Vormittag bekannt geben.

Die Kosten für die Restrukturierung beziffert das Unternehmen in diesem Jahr auf 1,4 Milliarden Euro. Zur Stärkung der Eigenkapitalbasis sowie zum Abbau der Nettoverschuldung ist eine Kapitalerhöhung mit einem Emissionsvolumen von 500 Millionen Euro vorgesehen.

Analysten hatten im Vorfeld über einen Finanzierungsbedarf für notwendige Restrukturierungen in dieser Höhe spekuliert. Die langfristigen Finanzverbindlichkeiten hatten sich im Vergleich zum Vorjahr per Ende Juni um 15,5 Prozent auf mehr als 2,3 Milliarden Euro erhöht. Zugleich war das Eigenkapital um 14,4 Prozent abgesackt auf 1,29 Milliarden Euro.

Operativ sollen 2005 wieder schwarze Zahlen vorliegen

Bereits im Geschäftsjahr 2005 soll ein deutlich positives Ergebnis vor Steuern und Abschreibungen (Ebta) erreicht werden, hieß es weiter. So ist im stationären Einzelhandel eine Konzentration auf die Kernaktivitäten mit einem Umsatz von 4,5 Milliarden Euro geplant. Andere Engagements mit einem Umsatzvolumen von 700 Millionen Euro sollen abgegeben werden. Auf die Frage, wann der Konzern auch unter dem Strich wieder schwarze Zahlen schreiben wird, gingen die Verantwortlichen nicht ein.

Bisher rechnete der seit Juni amtierende neue Konzernchef Christoph Achenbach für das Gesamtjahr mit einem Umsatzrückgang von 4,5 bis fünf Prozent und einem operativen Verlust (Ebta) von 160 bis minus 200 Millionen Euro. Darin waren allerdings ausdrücklich noch nicht außerordentliche Restrukturierungsaufwendungen eingerechnet.

Es werde zudem geprüft, die Immobilienaktivitäten vom Handelsgeschäft abzutrennen und Prozesse auszulagern (Outsourcing). Im Versandhandel steht die Neupositionierung der Marken Quelle und Neckermann sowie die Konzentration auf die Wachstumsbereiche Spezialversand, Ausland und E-Commerce im Vordergrund.

Zu befürchteten Stellenstreichungen machte das Unternehmen am späten Montagabend keine Angaben. Nach Medienberichten sieht das Konzept den Abbau von bis zu 8500 der rund 100.000 Stellen im Konzern vor. Mehr als jedes dritte der insgesamt 181 Warenhäuser soll nach Medieninformationen in seiner bisherigen Form nicht mehr bestehen bleiben. Für die anderen seien neue Betriebsformen vorgesehen.

Neuer Finanzvorstand berufen

Neuer Finanzvorstand berufen

Die Details des Sanierungsprogramms sollten an diesem Dienstag bekannt gegeben werden. Für Mittwoch sind nach Angaben der Gewerkschaft Verdi bundesweit Betriebs- und Mitarbeiterversammlungen geplant.

Der Aufsichtsrat hat außerdem Harald Pinger (44) zum neuen Finanzvorstand ernannt. Wie das Unternehmen am Dienstag in Essen mitteilte, wird der bisheriger Finanz-Geschäftsführer der Messer Griesheim GmbH am 1. Oktober sein neues Amt antreten. Die Position war seit dem Weggang von Norbert Nelles vor einem Jahr nicht mehr besetzt.

Umstrittenes Deinvestitionsprogramm

Das gesamte und zum Teil bereits eingeleitete Deinvestitionsprogramm soll dem Konzern nach eigenen Angaben in diesem und im kommenden Jahr insgesamt 1,1 Milliarden Euro einbringen. KarstadtQuelle prüfe in diesem Zusammenhang auch, die Immobilien vom eigentlichen Handelsgeschäft zu trennen. Dadurch könnten Wertsteigerungspotenziale realisiert werden, hieß es.

Der Metro-Konzern hatte allerdings Ende vergangenen Jahres eine ähnliche Konstruktion zu den Akten gelegt und auf eine Verwertung seiner Immobilien verzichtet. Auch die Ausgliederung wenig rentabler Geschäftsfelder aus der Bilanz hatte Metro Anfang dieses Jahres unter Inkaufnahme dreistelliger Millionenverluste wieder rückgängig gemacht.

Experten sind skeptisch

Handelsexperten sind entsprechend skeptisch, ob der KarstadtQuelle-Konzern in der derzeitigen Form überhaupt zu sanieren ist. "Es ist richtig, dass der Konzern sich von kleineren Häusern trennt, um sich auf erfolgreiche Häuser und seine Marke zu konzentrieren", sagte Volkhardt Klöppner, Handelsexperte der Unternehmensberatung BBDO Consulting, dem "Tagesspiegel".

Es werde aber schwierig sein, für Warenhäuser und Immobilien in kleinen und mittleren Städten Käufer oder andere Nutzer zu finden, sagte Klöppner. Auch James Bacos von der Unternehmensberatung Mercer sagte der Zeitung: "Ich glaube nicht, dass ein strategischer Käufer die kleineren Standorte übernehmen würde." Von den 181 Karstadt-Häusern arbeiten nach Informationen der Zeitung aus Branchenkreisen nur 26 profitabel.

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