KarstadtQuelle Kleinen Kaufhäusern droht Auslagerung

Der Kaufhaus- und Versandhandelskonzern KarstadtQuelle plant nach Angaben aus Unternehmenskreisen einen erheblichen Personalabbau. Fast die Hälfte der 180 Warenhäuser sollen offenbar in eine neue Betriebsform ausgelagert werden.

Frankfurt/Main - Die Großaktionäre stünden hinter dem Sanierungsplan von Vorstandschef Christoph Achenbach, den der Aufsichtsrat am Montag Nachmittag diskutierte, meldete Reuters unter Berufung auf Unternehmenskreise. Der Konzern solle gesundschrumpfen, zur Neuausrichtung sei ein erheblicher Personalabbau nötig. Gut die Hälfte aller 180 Warenhäuser will der angeschlagene Essener Versandhandel- und Kaufhauskonzern zudem in eine andere Betriebsform auslagern, hieß es.

Einem Bericht des SPIEGEL zufolge wird der Vorstand von KarstadtQuelle  wohl auch massive Wertberichtigungen vornehmen müssen und erwägt daher eine Kapitalerhöhung. Das Unternehmen wollte bis zum Nachmittag, als die Sitzung des Aufsichtsgremiums noch andauerte, keine Stellungnahme dazu abgeben.

Die Aktien von KarstadtQuelle  gaben im Nebenwerteindex MDax zeitweise bis zu neun Prozent auf 13,05 Euro nach. Analysten erwarteten vom Vorstand einen radikalen Sanierungskurs.

Abbau von bis zu 8500 Vollzeitstellen

"Der Abbau von insgesamt rund 8500 Arbeitsplätzen ist vorgesehen," verlautete laut Reuters aus den Konzernkreisen. Das Unternehmen mit insgesamt rund 100.000 Beschäftigten - dabei etwa 76.000 Vollzeitstellen - hatte bisher den Wegfall von 4000 Jobs in den Warenhäusern und rund 500 Arbeitsplätzen im Versandhandel angekündigt.

Von den Warenhäusern sollten noch 89 in ihrer bisherigen Form weitergeführt werden, für die übrigen Häuser mit einer Verkaufsfläche von unter 8000 Quadratmetern seien hingegen neue Betriebsformen vorgesehen, hieß es in den Kreisen. Die Gewerkschaft Verdi wollte sich zu der Entwicklung nicht äußern.

"Es darf und wird bei dieser Neuausrichtung keine Tabus geben", hatte der erst seit Juni amtierende Konzernchef Achenbach bereits angekündigt. Früheren Berichten zufolge will der Hauptaktionär Schickedanz den Konzern neu ausrichten, bevor ein neuer Großinvestor einsteigen solle.

Spekulationen um Auslagerung

Rückendeckung für Achenbach

"Die Großaktionäre stehen hinter Achenbachs Kurs", verlautete aus den Konzernkreisen. Der größte Einzelaktionär, der Aktienpool um Madeleine Schickedanz, hatte im August nach der Ablösung des damaligen Konzernchefs Wolfgang Urban seinen Anteil an den Stimmrechten auf 41,55 Prozent von zuvor 36,40 Prozent erhöht.

Die Riedel Holding hatte zugleich ihren Anteil auf 9,02 Prozent verringert. Weitere 10,5 Prozent werden von der Münchener Allianz AG gehalten, 9,7 Prozent hält der Konzern selber und 29,2 Prozent liegen im Streubesitz.

Ob die Auslagerung defizitärer oder ertragsschwacher Filialen in neue Betriebsformen auch eine Ausgliederung dieser Häuser aus der Bilanz des Konzerns bedeutet, blieb zunächst offen.

Spekulationen um neue Struktur

Der zum Metro-Konzern gehörende Konkurrent Kaufhof hatte bereits vor Jahren seine ertragsschwachen Sparten in eine Auffanggesellschaft ausgelagert und dabei zugleich aus der Bilanz geschafft. Allerdings war Metro letztlich mit dem Plan gescheitert, diese Unternehmen verlustfrei zu verkaufen.

Aufsichtsratschef Middelhoff hatte am Wochenende deutlich gemacht, dass bei KarstadtQuelle die Existenz auf dem Spiel stehe. "Es geht ums Überleben. Es geht für alle Beteiligten um alles." Zu einzelnen Maßnahmen hatte er sich nicht geäußert.

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