Lufthansa "Große Schritte" in China

Mehr Flüge nach China, eine gemeinsame Luftfrachtgesellschaft mit Shenzhen Airlines sowie die Ausweitung einer bereits bestehenden Kooperation mit Air China: Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber sieht das Reich der Mitte als "Quell" neuer Geschäfte.

Peking - Die Zahl der Flugverbindungen nach China soll in drei Jahren um 50 Prozent auf 60 pro Woche ausgebaut werden. Ferner hofft Lufthansa  auf den baldigen Abschluss der Gespräche über die Gründung einer Luftfrachtgesellschaft mit der chinesischen Shenzhen Airlines.

Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber hob am Montag in Peking auch die vereinbarte Verlängerung und Ausweitung der Kooperation mit der Air China bei der Wartung und Überholung von Flugzeugen um weitere 25 Jahre als "Meilenstein" hervor.

"In diesem Land können wir noch große Schritte tun", sagte Mayrhuber, der zur Feier des 15-jährigen Bestehens des Gemeinschaftsunternehmens Ameco nach Peking gereist war. Die Verhandlungen über die gemeinsame Frachtgesellschaft mit Shenzhen Airlines, die zunächst regional, aber später auch international tätig werden soll, werden nach den Hoffnungen von Cargo-Chef Stefan Lauer voraussichtlich "in den nächsten Wochen zu positiven Ergebnissen führen".

25 Prozent an neuer Cargo-Airline

Die Lufthansa will sich mit 25 Prozent an der neuen Cargo-Airline beteiligen. Nach den Plänen soll Shenzhen Airlines 51 Prozent und die Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft DEG die restlichen 24 Prozent übernehmen. Mit den bereits bestehenden Beteiligungen an den Cargo-Zentren am internationalen Flughafen Pudong in Schanghai sowie in der südchinesischen Metropole Shenzhen sei Lufthansa dann "in China gut positioniert", sagte Lauer.

Der Umsatz des Ameco-Joint-Ventures in Peking soll nach Angaben seines Geschäftsführers Hans Schmitz in diesem Jahr von 1,3 auf 1,5 Milliarden Yuan (150 Millionen Euro) steigen. 60 Prozent des Umsatzes werde mit Air China gemacht, 20 Prozent mit anderen chinesischen und 20 Prozent mit internationalen Fluggesellschaften. Allein bei den Überholungsarbeiten liege der internationale Anteil sogar bei 60 Prozent, was die Wettbewerbsfähigkeit unterstreiche, wie Schmitz sagte.

Lufthansa-Chef Mayrhuber unterstrich die Bedeutung des asiatischen Marktes als "Quell" neuer Geschäfte. Nach dem Einbruch durch die Lungenkrankheit Sars im vergangenen Jahr sind die Passagierzahlen der Lufthansa mit Asien in den ersten acht Monaten dieses Jahres im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2002 um 19 Prozent gestiegen. Bei den China-Flügen, wo Lufthansa europäischer Marktführer ist, lag der Zuwachs in den zwei Jahren bei 15 Prozent.

Die Aktie der Lufthansa  gab trotz der zuversichtlichen Prognosen des Managements deutlich ab. Händler machten den hohen Ölpreis für den weiteren Kursverfall verantwortlich: Der Preis für ein Barrel Rohöl hat in New York am Montag mit 49,41 Dollar ein neues Rekordhoch erreicht.

Personalkosten: Mayrhuber droht mit Verlagerung auf Partnerfirmen

Unterdessen hat Lufthansa-Chef Mayrhuber den Druck auf die Gewerkschaften erhöht, den Konzern bei der Senkung der Personalkosten zu unterstützen. Sollte eine Einigung über geringere Personalkosten scheitern, werde die Fluggesellschaft den innereuropäischen Flugverkehr stärker auf Partnerfirmen verlagern, sagte Mayrhuber in Peking, wie die Financial Times Deutschland (Dienstagsausgabe) vorab berichtet. Er wolle auch bei einem neuen Tarifabschluss nicht darauf verzichten, Strecken an Kooperationspartner zu vergeben, und teilte damit entsprechenden Forderungen der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit eine Absage.

Die Lufthansa verhandelt seit fast einem Jahr mit ihren Gewerkschaften darüber, wie die Personalkosten im Kerngeschäft Flugbetrieb gesenkt werden können. In diesem Jahr ist sie von den eigenen Personalkostenzielen noch weit entfernt.

Im Kern berühren die Verhandlungen vor allem die Zukunft des Europageschäftes. Verhandlungsführer und Personalvorstand Stefan Lauer will sich noch in dieser Woche mit den Gewerkschaften zu einer neuen Gesprächsrunde treffen.

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