HDW Torpediert Babcock die Werftenfusion?

Der insolvente Maschinenbaukonzern Babcock Borsig verlangt von der Ex-Tochter HDW 524 Millionen Euro zurück. Die Attacke kommt für die Kieler Werft zur Unzeit, zumal das Unternehmen mitten in den Fusionsverhandlungen mit ThyssenKrupp steht.

Oberhausen/Hamburg - Babcock-Insolvenzverwalter Helmut Schmitz habe eine Forderung über 524 Millionen Euro gegen die einstige Konzerntochter Howaldtswerke-Deutsche Werft AG (HDW) geltend gemacht, sagte ein Unternehmenssprecher am Samstag und bestätigte damit einen Bericht des Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL.

Grundlage sei ein Rechtsgutachten, dass zu dem Schluss gekommen sei, HDW habe sich beim Verkauf der Babcock-Anteile von 50 Prozent an den US-Finanzinvestor One Equity Partners (OEP) "selbst bezahlt". Dies sei nach dem Aktiengesetz unzulässig, sagte ein Babcock-Borsig-Sprecher der Nachrichtenagentur DPA.

Ende der 90er Jahre hatte die Kieler Werft Darlehen in Höhe von insgesamt 524 Millionen Euro an die finanziell angeschlagene Mutter gegeben. Beim Einstieg der Amerikaner in die Werft habe OEP die Schulden der Babcock bei der Tochter mit Einverständnis von HDW mit übernommen.

Damit hätten die Kieler nach Auffassung des juristischen Gutachtens ihr Eigenkapital gefährdet, wodurch nun insolvenzrechtlich die Forderung von Babcock begründet sei. Bei einer ausbleibenden Einigung mit dem ehemaligen Mutterunternehmen drohte Insolvenzverwalter Schmitz mit einer Klage.

HDW: "Juristisch völlig unbegründet"

In einem ähnlichen Verfahren hatte Babcock Borsig unlängst wegen strittiger Unternehmensbewertungen eine Feststellungsklage gegen den Touristikkonzern Tui  eingereicht. Dabei geht es nach Angaben des Sprechers um eine Summe "im dreistelligen Millionenbereich". Hintergrund ist die 1999 erfolgte Übernahme von Tui-Beteiligungen an der Kieler Werft HDW, der Preussag Noell GmbH und der Preussag Wasser- und Rohrtechnik durch Babcock.

HDW wies dagegen am Sonntag in Kiel die Forderungen des Insolvenzverwalters als "juristisch völlig unbegründet" zurück. "Einen gleich hohen Betrag hatte sich die Babcock bereits im Rahmen ihres früheren 'Cash Clearing' aus Mitteln ihrer ehemaligen Tochtergesellschaft HDW zufließen lassen", hieß es in einer Pressemitteilung der Werft. Das von Babcock Borsig genannte Gutachten sei "unvollständig und längst widerlegt".

Attacke zur Unzeit

Die Attacke von Babcock kommt zur Unzeit für HDW. ThyssenKrupp  will die Werft vom US-Finanzinvestor OEP übernehmen. Zusammen mit Blohm + Voss in Hamburg und den Nordseewerken in Emden - die beiden gehören schon Thyssen - soll ein Werftenverbund entstehen. HDW warf dem Babcock-Insolvenzverwalter in einer Stellungnahme vom Sonntag vor, in der Schlussphase der Verhandlungen zwischen OEP und ThyssenKrupp über den geplanten Werftenverbund Druck auf die Beteiligten ausüben und daraus Kapital schlagen zu wollen.

Die Amerikaner bekommen 25 Prozent am neuen Unternehmen und 240 Millionen Euro. Die Führung hat Thyssen. Bisher war die Arbeit an Militärprojekten an verschiedene Standorte verteilt. So wurden U-Boote vom selben Typ in Kiel und in Emden gebaut. Der Konzern erhofft sich von der neuen Struktur Einsparungen.

Rund 5000 HDW-Mitarbeiter haben am Samstag für den Erhalt der Kieler Universalwerft demonstriert. Sie wollen sich dagegen wehren, dass sie im Zuge der Fusion mit ThyssenKrupp-Werften auf den Bereich U-Boot-Bau reduziert wird. Landes-Politiker von SPD und CDU wie Vertreter der IG Metall sprachen sich für den Fortbestand der Werft in ihrer bisherigen Form aus.

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