KarstadtQuelle 8500 Jobs in Gefahr

Europas größter Kaufhaus- und Versandhandelskonzern steckt offenbar tiefer in der Krise als angenommen. Nach den Worten von AR-Chef Thomas Middelhoff geht es beim Konzept zur Sanierung, das heute beraten wird, "ums Überleben". Bis zu 8500 Jobs sind offenbar bedroht. Ohne Kapitalerhöhung droht das Aus.

Frankfurt/Main - Die Zukunft von KarstadtQuelle  werde von "tiefen Einschnitten und weit reichenden Schritten geprägt sein", sagte der Chef des Kontrollgremiums dem SPIEGEL. Middelhoff fügte hinzu, zur Disposition stehe alles, was nicht Stammgeschäft sei. Er forderte für den unter Umsatz- und Gewinnverfall leidenden Konzern "einen echten Solidarpakt von Mitarbeitern wie Führungskräften, Gesellschaftern und Banken".

Über die Sanierung des Essener Unternehmens wird der Aufsichtsrat am heutigen Montag Nachmittag beraten. Am Tag darauf will der seit Juni amtierende neue Vorstandschef Christoph Achenbach die Pläne der Presse vorstellen.

Das angekündigte Sanierungsprogramm hatte der KarstadtQuelle-Aktie am vergangenen Freitag noch zu einem Kursplus verholfen. Am Montag gab die Aktie von KarstadtQuelle  jedoch wieder deutlich nach. Bis zum Mittag rutschte das Papier um rund sechs Prozent auf 13,40 Euro.

Alles muss raus - rund 80 Häuser bedroht

In allen drei Kernbereichen - Kaufhäusern, Versandhandel und Dienstleistungen - sei die Lage "sehr ernst", wird Middelhoff im SPIEGEL zitiert. Nach jüngsten Berichten will sich der Vorstand von 77 der 180 Warenhäuser trennen, dreimal soviel wie vermutet.

Vom Konzernumbau betroffen sein könnten auch die defizitären Modehäuser Sinn Leffers und Wehmeyer. Der Versandhandel von Quelle und Neckermann muss sich laut Middelhoff ebenfalls auf einen "schmerzhaften Personalabbau" einstellen. Erwogen wird nach Presseberichten zudem der Verkauf der konzerneigenen Hypothekenbank.

Trennen will sich KarstadtQuelle ebenfalls von der amerikanischen Kaffeehauskette Starbucks, wie die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" aus Aufsichtsratskreisen berichtet. Die Beendigung dieses Joint Ventures gehöre zum Sanierungsprogramm, mit dem Achenbach den angeschlagenen Warenhaus- und Versandhandelsriesen 2005 in die operative Gewinnzone zurückführen soll.

Ohne Kapitalerhöhung droht die Pleite

Ohne Kapitalerhöhung droht die Pleite

Nach Informationen aus Aufsichtsratskreisen wird es dem SPIEGEL zufolge auch um enorme Wertberichtigungen gehen. Sie sollen mit einer kräftigen Kapitalerhöhung aufgefangen werden, weil dem Konzern sonst die Pleite drohe. Im ersten Halbjahr 2004 hat KarstadtQuelle den Angaben zufolge einen Verlust von 300 Millionen Euro verbucht.

Die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" hatte am Donnerstag berichtet, die Sanierungsgespräche kämen offenbar voran. Es seien Fortschritte erzielt worden und die Zuversicht, am Montag im Aufsichtsrat ein konstruktives Ergebnis zu erzielen, sei gewachsen.

Bis zu 8500 Jobs bedroht

Karstadt hatte angekündigt, dass ohne zusätzliche Einsparungen im Warenhausbereich 4000 Vollzeitarbeitsplätze gestrichen werden müssten. Zur Kostensenkung sollten die Wochenarbeitszeit auf 40 bis 42 Stunden erweitert, fünf Urlaubstage gestrichen und weitere tarifliche Einschnitte vereinbart werden.

Aus Managementkreisen verlaute, man sehe Chancen, betriebsbedingte Kündigungen weitgehend zu vermeiden. Bei 47.000 Beschäftigten schieden pro Jahr ohnehin über 2000 Mitarbeiter durch normale Fluktuation aus. Beim Versandhandel sollten rund 1000 Arbeitsplätze gestrichen werden.

Nach Angaben aus Unternehmenskreisen von Montag könnten sogar bis zu 8500 Vollzeitstellen wegfallen. "Der Abbau von insgesamt rund 8500 Arbeitsplätzen ist vorgesehen," hieß es.

Neue Struktur für kleine Warenhäuser?

Neben den 89 Warenhäusern, die ihre bisherige Form behalten sollen, seien für die übrigen Häuser, die eine Verkaufsfläche von weniger als 8000 Quadratmeter aufweisen, neue Betriebsformen vorgesehen, hieß es in den Kreisen. Ein Konzernsprecher von KarstadtQuelle wollte sich zu Einzelheiten der Sanierungsmaßnahmen nicht äußern. Er verwies auf die für Dienstag anberaumte Pressekonferenz.

Sanierung wird teurer als erwartet

Laut LRP-Analyst Christian Schindler wird die Restrukturierung des Konzerns wohl teurer als erwartet - er rechnet mit 700 Millionen Euro, falls das neue Programm umgesetzt wird. Laut Händlern waren zuvor rund 500 Millionen erwartet worden. Der Druck auf die Aktien resultiere auch aus der Diskussion um eine Kapitalerhöhung.

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