KarstadtQuelle Verkaufen, feuern, schließen und sanieren

Konzernchef Christoph Achenbach will offenbar hart durchgreifen. Karstadt Kiel und vier weitere Warenhäuser sollen laut Medienberichten geschlossen, die Hälfte der verbleibenden Filialen ausgegliedert und zwei Topmanager ersetzt werden.

Essen - Beim Kaufhaus- und Versandhandelskonzern KarstadtQuelle  sollen nach der anstehenden Sanierung offenbar nur noch die Hälfte der Warenhäuser im bisherigen Stil betrieben werden. 89 Kaufhäuser sollten wie bisher fortgeführt werden, berichtet die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" (WAZ, Samstagausgabe).

Am späten Freitagabend war von der Konzernleitung keine Stellungnahme zu dem Bericht erhältlich. Die öffentliche Vorstellung seines Sanierungsplans hat Konzernchef Achenbach für den kommenden Dienstag angekündigt.

77 weitere Häuser, meist in mittelgroßen Städten und mit einer Verkaufsfläche von weniger als 8000 Quadratmetern, sollten laut WAZ ausgegliedert werden, aber auf Dauer unter dem Dach des Karstadt-Konzerns bleiben. Das Sortiment dieser Filialen solle jedoch deutlich verkleinert werden. Derzeit betreibt Karstadt insgesamt 181 Waren- und 34 Sportkaufhäuser.

Fünf der übrig bleibenden 15 Filialen sollten geschlossen werden, schreibt die Zeitung. In den meisten Fällen seien diese Pläne vor Ort bereits bekannt. Dazu zählten die Häuser in Kiel und Krefeld. In den übrigen zehn "Projektfilialen" würden Kooperationen mit anderen Partnern gesucht. Dies könne ein kompletter Verkauf sein, aber auch eine gemeinsame Nutzung. Wie viele Arbeitsplätze über die bereits bekannten 4000 Stellen hinaus von der Radikalkur betroffen wären, stehe noch nicht fest.

Bertelsmann-Chef Thielen bestätigt Kaufgespräche

Unterdessen laufen die Verhandlungen über ein Sanierungskonzept und Verkäufe von Unternehmensteilen weiter auf Hochtouren. KarstadtQuelle-Sprecher Jörg Howe bestätigte die Absicht des Unternehmens, rund 75 Prozent der Anteile an der Karstadt Hypothekenbank zu verkaufen.

In einem Gespräch mit der "Süddeutschen Zeitung" bestätigte Bertelsmann-Chef Gunter Thielen Kaufgespräche mit dem Essener Konzern über dessen Anteile der Nürnberger Druckerei Maul Belser.

Matthias Bellmann, bisher bei Siemens  in der Festnetzsparte ICN tätig, wird laut WAZ neuer Personalvorstand der KarstadtQuelle-Holding. Neuer Finanzchef der Warenhaus AG soll Jan-Christoph Maiwaldt werden, der früher bei Douglas  und dann für Fielmann  arbeitete. Neuer Finanzvorstand des Konzerns wird nach Informationen von manager-magazin.de Harald Pinger, der in gleicher Funktion beim Gasehersteller Messer einen Börsengang vorbereiten sollte.

"Die Uhren müssen nun auf Null gestellt werden"

Aktionärsschützer haben unterdessen dazu aufgerufen, bei der bevorstehenden Sanierung nicht allein die Arbeitnehmer die Zeche zahlen zu lassen. "Ganz wichtig ist nun ein ausgewogenes Konzept, das alle Betroffenen mit einbezieht", sagte Marc Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) der Nachrichtenagentur dpa: "Es muss so sein, dass alle bezahlen, nicht nur die Arbeitnehmer."

Das Unternehmen habe nun die große Chance, ein umfassendes Konzept vorzulegen. "Die Uhren bei KarstadtQuelle müssen nun auf Null gestellt werden", forderte er. "Dienstag ist ein Schicksalstag für KarstadtQuelle", sagte Tüngler weiter. Von dem neuen Konzernchef Achenbach werde ein "hartes Durchgreifen" erwartet.

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