Autobranche Deutschland Eine Marke im Qualifying

Das Renommee bekommt Kratzer. Die Probleme mit der Elektronik der aktuellen E-Klasse sind nicht die einzigen, die Mercedes-Chef Eckhard Cordes schnell aus der Welt schaffen muss. Ein Ansporn mehr: Mit knappem Vorsprung hat Erzrivale BMW die Stuttgarter kürzlich bei den Verkaufszahlen überholt. Der fünfte Teil der mm.de-Serie.
Von Christian Buchholz

Hamburg - Im vergangenen Jahr war Mercedes-Benz als Automarke aus dem Stuttgarter Konzern noch die wertvollste der Welt. In diesem Jahr hat Toyota  den "guten Stern auf Deutschlands Straßen" nach der maßgeblichen Studie des Beratungsunternehmens Interbrand überholt: "Mercedes" ist zwar noch unter den Top Ten im weltweiten, branchenübergreifenden Markenranking, Toyota stieß aber auf Platz neun vor.

Die goldenen Zeiten für die Ertragsperle im Reich von DaimlerChrysler  sind damit natürlich nicht automatisch beendet. Aber vieles deutet darauf hin, dass der Ruf der Marke künftig ohne Veränderungen bei Produktion und Positionierung kein Selbstläufer sein wird.

Derzeit herrscht beispielsweise Flaute. Zwar startet die neue A-Klasse, die Euphorie bei der E-Klasse ist aber bereits verklungen und die C-Klasse in die Jahre gekommen. Wobei Mercedes-Benz zuletzt stolz meldete, die Produktionskapazitäten für die C-Klasse in den deutschen Werken Bremen und Sindelfingen seien voll ausgelastet - insgesamt rollen 1300 Einheiten täglich vom Band. 1,5 Millionen Fahrzeuge der Klasse sind seit der Markteinführung im Frühjahr 2000 in den Verkehr gebracht.

Mercedes CLS: Kraftpaket in eleganter Hülle. Mit neu entwickeltem 3,5-Liter-Sechszylinder entwickelt der CLS mit 272 PS, als Fünfliter-V8 gehen 306 PS zu Werke. Beschleunigung von 0-100 km/h in 7 Sekunden, auf Wunsch mit ausgereifter Siebengang-Automatik

Mercedes CLS: Kraftpaket in eleganter Hülle. Mit neu entwickeltem 3,5-Liter-Sechszylinder entwickelt der CLS mit 272 PS, als Fünfliter-V8 gehen 306 PS zu Werke. Beschleunigung von 0-100 km/h in 7 Sekunden, auf Wunsch mit ausgereifter Siebengang-Automatik

Mercedes E-Klasse: Neuerdings auch mit Allradantriebs 4MATIC. Das obere Ende der Leistungsskala markiert derzeit der E 55 AMG, dessen Motor baugleich mit dem 5,5-Liter-V8-Kompressormodell ist. Die sparsamste Ausführung ist der E 200 CDI mit 123 PS. Der Verbrauch liegt bei 6,3 Litern NEFZ-Gesamtverbrauch, die Höchstgeschwindigkeit bei 203 km/h

Mercedes E-Klasse: Neuerdings auch mit Allradantriebs 4MATIC. Das obere Ende der Leistungsskala markiert derzeit der E 55 AMG, dessen Motor baugleich mit dem 5,5-Liter-V8-Kompressormodell ist. Die sparsamste Ausführung ist der E 200 CDI mit 123 PS. Der Verbrauch liegt bei 6,3 Litern NEFZ-Gesamtverbrauch, die Höchstgeschwindigkeit bei 203 km/h

Neue Mercedes A-Klasse: Drei Benzin- und drei Dieselmotoren stehen in der Leistungsskala von 82 bis 140 PS zur Wahl. Neu ist bei dem Konkurrenten des VW Golf das stufenlose Automatikgetriebe Autronic, das sich auf den Fahrer individuell einstellen soll - je nach Fahrweise ändert es das Schaltverhalten von sparsam bis sportlich.

Neue Mercedes A-Klasse: Drei Benzin- und drei Dieselmotoren stehen in der Leistungsskala von 82 bis 140 PS zur Wahl. Neu ist bei dem Konkurrenten des VW Golf das stufenlose Automatikgetriebe Autronic, das sich auf den Fahrer individuell einstellen soll - je nach Fahrweise ändert es das Schaltverhalten von sparsam bis sportlich.


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Nur, auf Erfolgen sollte man sich nicht zu lange ausruhen. Ein schickes Nischenmodell wie der CLK oder das Super-Luxusmodell Maybach, von dem in diesem Jahr 600 Stück verkauft werden sollen, können gegen die Zyklen-Effekte der Volumenmodelle nur wenig ausrichten.

Qualitätsoffensive frisst Gewinne

Schon gespannter wird die Resonanz auf die neue M-Klasse erwartet: Neben den erfolgreichen SUV-Edelmodellen von VW (Touareg), Porsche (Cayenne) und BMW (X3 und X5), die besonders auf dem US-Markt reüssieren, wird es der Konkurrenz aus Stuttgart aber schwerer fallen als beispielsweise vor einem Jahrzehnt, sich zu behaupten. Damals hatten die voll geländetauglichen M-Modelle fast schon ein Alleinstellungsmerkmal.

Der ehemalige Mercedes-Chef Jürgen Hubbert hatte eine rückläufige Gewinnentwicklung in 2004 schon erwartet. Während der weltweit ökonomischste Konzern Toyota seine Umsatzrendite über die 9-Prozent-Marke schrauben konnte, sank sie bei Mercedes-Benz im ersten Halbjahr von mehr als 6 auf unter 5,5 Prozent. Auch weil zusätzliche Mittel für eine Qualitätsoffensive eingesetzt werden mussten.

Kostensteigerungen und Währungseffekte trugen weiter dazu bei, dass der Konzern 2004 nicht zu den besten Jahren des Unternehmens zählen kann.

Qualitätsprobleme, das gab Hubbert unumwunden zu, gibt es beispielsweise bei der Elektronik aber auch bei einzelnen Teilen, die von Zulieferern der zweiten oder dritten Kategorie stammten. Toyota, nicht nur im ADAC-Zuverlässigkeitstest immer auf den vorderen Plätzen vertreten, wirbt dagegen damit, dass selbst einzelne Schrauben aus eigener Produktion stammen - und damit "Verlässlichkeit aus einem Guss" in jedem Auto stecke.

Luxus-Mobil begegnet Vorurteilen

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Im Maybach (V12 mit 550 Bi-Turbo-PS), der für rund 400.000 Euro verfügbar ist, steckt dagegen eine Außenwirkung, die nicht komplett kongruent mit dem Zeitgeist ist. "Im derzeitigen Umfeld nach dem 11. September 2001 zögern die Leute, in solch einem Fahrzeug gesehen zu werden", sagte Hubbert, der das Konzept der Edelkarosse aber für "nach wie vor überzeugend" hält.

Erst im kommenden Jahr wird die Mercedes Car Group von der Markteinführung der neuen A- und M-Modelle sowie neuen Versionen der S-Klasse profitieren. Die Profitabilität der zweiten Generation dieser Fahrzeuge soll nach Konzernangaben gegenüber den ersten Modelltypen steigen.

Überwachen wird das Hubberts Nachfolger Eckhard Cordes, der Anfang Oktober an die Mercedes-Spitze rückte. Der wird - aus heutiger Sicht der Dinge - zumindest keine Probleme mit der Belegschaftsstärke bekommen. Sein Vorgänger zurrte ein Programm fest, das mehr als 500 Millionen Euro Kosteneinsparungen verspricht - und Arbeitsplatzgarantien für die Beschäftigten bis 2012. Gemessen wird Cordes an der Qualität der Modelle.

BMW hat Mercedes überholt

Rufschädigende Probleme, wie sie derzeit bei der Bordelektronik der E-Klasse auftreten, kann sich die Marke künftig kaum mehr erlauben, ohne dass nachhaltige Blessuren in der Bilanz bleiben. Nach diesem Ziel folgt als zweites, BMW  wieder den Vorsprung bei der Zahl der verkauften Autos abzunehmen. 769.086 Fahrzeuge konnten die Münchener von Januar bis Ende August 2004 absetzen (inklusive Mini) - die Mercedes Car Group schaffte (inklusive Smart) 8786 Einheiten weniger. Nur zu gern setzt Cordes zum Überholvorgang an.

BMW - starker Antrieb, kaum Abrieb


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