Autobranche Deutschland Vier gewinnt

Noch vor zehn Jahren galt Porsche als Sanierungsfall. Heute ist die Sportwagenschmiede einer der profitabelsten Autobauer überhaupt. Nun überrollen die Zuffenhausener den Markt mit zahlreichen neuen Modellen. Letzter Teil der mm.de-Serie.

Hamburg - Wendelin Wiedeking weiß, wie man der Konkurrenz die Show stiehlt. Der Autosalon in Paris hatte noch nicht begonnen, da feuerte der Porsche-Vormann die erste Erfolgssalve ab.

Porsche 911 Turbo: Das Design nennt Porsche "eine konsequente Fortsetzung der über 40-jährigen Elfer-Story"

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Porsche Cayenne: Rückrufaktionen werfen ihre Schatten auf den Erfolg des Geländemodells. So musste Porsche einige Fahrzeuge in die Werkstätten rufen, weil eine Feder der Feststellbremse an einen Kabelstrang scheuern könnte

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Der neue Porsche Boxster: Optisch hat sich beim Nachfolgemodell kaum etwas getan. Porsche verfolgt beim Boxster das Konzept der kleinen Schritte bei vielen Details

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Porsche-Parade:
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Die Sportwagenschmiede habe im Ende Juli abgelaufenen Geschäftsjahr 2003/04 nach vorläufigen Zahlen erstmals einen Gewinn von mehr als einer Milliarde Euro erzielt. Absatz und Umsatz seien vor allem dank des Geländewagens Cayenne kräftig gestiegen, meldete die Dr. Ing.h.c.F.Porsche AG Mitte September. Für das laufende Geschäftsjahr 2004/05 gab sich das Unternehmen ungeachtet konjunktureller Unwägbarkeiten "ausgesprochen zuversichtlich".

Neues in 2004

Ein Auftakt nach Maß, wobei Wiedeking es nicht damit beließ. Mit der Präsentation des neuen Boxster nutzte Porsche die Branchenschau in Paris, um das aufpolierte Einsteigermodell medienwirksam in den Markt einzuführen. Der Boxster ist bereits die zweite Neuauflage in 2004. Im Sommer hat Porsche zwei neue 911er-Modelle auf den Markt gebracht.

Beobachter mutmaßen, dass der Doppelschlag nicht ganz freiwillig erfolgte. Zwar übertraf Porsche  im Geschäftsjahr 2003/2004 bei einem Absatz von 76.827 Fahrzeugen die selbst gesteckte Zielmarke von 75.000. Den Erfolg aber verdankt der Autobauer vor allem dem Cayenne.

Von dem sportlichen Geländewagen wurden 39.913 Fahrzeuge verkauft, fast doppelt so viele wie im Vorjahr. Vom ebenfalls neuen Supersportwagen Carrera GT, der wie der Cayenne im Werk Leipzig gebaut wird, verkauften sich im ersten Jahr 222 Stück. Im ureigenen Kerngeschäft mit 911er und Boxster fielen die Verkaufszahlen dagegen schwächer aus.

911er und Boxster unter Druck

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Die in die Jahre gekommenen Modelle gerieten zusehends unter Druck, da BMW mit dem Z4 und Mercedes mit dem SLK unlängst ebenbürtige Gegner ins Rennen geschickt hatten. Musste Wiedeking also handeln, wie in der Branche vermutet wird, und die Einführung vorziehen?

Der Porsche-Chef verneint dies natürlich. Und selbst wenn es so wäre: Damit würde der Autobauer nur ein weiteres Mal unter Beweis stellen, wie schnell er auf Herausforderungen reagieren kann. Seit Wiedeking 1992 die Führung übernahm, hat er Porsche nach japanischem Vorbild auf Effizienz getrimmt, das Unternehmen flexibilisiert und die Kosten radikal gedrückt.

Gleichzeitig ist der Fremdanteil bei der Wertschöpfung durch Zulieferer bei Porsche traditionell hoch. Beim Cayenne liegt der Wert bei 90 Prozent, bei den Sportwagen bei 80 Prozent. So wird der Boxster im finnischen Valmet zusammengeschraubt.

Lohnprivilegien nicht in Gefahr

Das hat Vorteile, was Beweglichkeit und Kosten angeht. Die finanziellen Folgen der zwei Rückrufe beim Cayenne wegen technischer Mängel etwa seien "minimal" gewesen, sagte Porsche-Finanzchef Holger Härter. Den Löwenanteil der Kosten habe der betroffene Zulieferer gezahlt.

Der Cayenne ist erfolgreich platziert, die Attacken der Konkurrenz hinreichend beantwortet, die Porsche-Fangemeinde hat neue Spielzeuge in der Garage. Und Wiedeking bereitet die nächste Attacke vor. Zur möglichen vierten Baureihe sagte der Konzernlenker, diese würde nicht unterhalb des Preisniveaus des Boxster angeboten.

In der Branche wird auf einen viertürigen Luxussportwagen spekuliert. Wiedeking will 2005 über die neue Serie entscheiden. Die Serienproduktion könnte dann 2009 anlaufen.

Rosige Aussichten, nicht nur für Management und Aktionäre. Auch die Belegschaft kann frohlocken. Während der Rest der Republik über die Abkehr von Lohnprivilegien streitet, bleibt bei Porsche alles wie es ist. So verkündete das Unternehmen Anfang Oktober, dass jeder Mitarbeiter auch in diesem Jahr zusätzlich zum Weihnachtsgeld eine Gratifikation in Höhe von 3000 Euro erhalten wird.


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