Samstag, 18. Januar 2020

Autobranche Deutschland Big Brother aus Detroit

Ehemals waren Opel und Volkswagen Hauptrivalen im Volumensegment. Heute gelten die Unternehmen als größte Krisenfälle der deutschen Autobranche. Anders als bei VW hat bei Opel allerdings eine Konzernmutter aus den USA das Sagen und drangsaliert die hiesigen Dependancen mit einem Spardiktat. Der dritte Teil der mm.de-Serie.

Hamburg - Ein deutscher Autobauer ist Opel schon seit den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts nicht mehr. Damals, mitten in der Wirtschaftskrise, übernahm General Motors (GM) Börsen-Chart zeigen die Mehrheit an dem Unternehmen. Als GM jüngst nach dem Motto "Es kann nur einen geben" verkündete, die europäischen Saab Werke in Trollhättan und die Opel-Dependance in Rüsselsheim auf den Prüfstand stellen zu wollen, brandete der öffentliche Protest dennoch bis in politische Sphären hoch.

 Opel Astra Caravan: Mit "viel Hirnschmalz im Heckabteil" ("Auto-Bild") schicken die Rüsselsheimer in diesem Herbst die Kombiversion des Astra auf die Straßen. Die Erweiterung erntete im Vorfeld bereits das Lob der Beobachter. Opel geht dennoch auf Nummer sicher und forciert den Verkauf des Astra Caravan wie schon beim Grundmodell mit einem Frühbucherrabatt.  Opel Vectra: Das Sorgenkind von Opel heißt Vectra. Die Stufenheckversion floppte. Kein Wunder, das Segment liegt im Sterben. Aber auch bei der Kombi-Version Caravan (Foto) ging die Markteinführung daneben. Weil sich Opel im vergangenen Jahr eine teure Kampagne sparte, wussten die Käufer nichts von der Neuheit.  Opel Insigna: Nur zu gern würde Opel wieder ein Oberklasse vom Schlage des Omegas präsentieren. Die Vorstellung des Insigina bei der IAA 2003 ging in diese Richtung. Allerdings gibt sich GM desinteressiert an dem Projekt.

Opel-Hoffnungen
Bitte klicken Sie einfach auf ein Bild,
um zur Großansicht zu gelangen.

Auf der Streichliste steht nun die Montage in Rüsselsheim, die wie das Saab-Werk in Schweden mit Überkapazitäten hadert. Für Kenner ist dies ein gewöhnlicher Vorgang. "Interne Standortausschreibungen sind in der Industrie normal", sagt Global-Insight-Analyst Christoph Stürmer. Will heißen: Die Montage in Rüsselsheim ist für GM ebenso wie das Saab-Werk nur noch eine Fabrik im GM-Verbund. Welches Logo auf der Haube prangt, und wo die Wagen von den Bändern rollen, spielt beim Sparen eine untergeordnete Rolle.

Verordnete Unternehmenskultur

An diese Linie wird sich "Old Europe" gewöhnen müssen. Entsprechend haben die Amerikaner zuletzt ihren Anspruch nach konsequenterer Führung der Töchter durch die Europa-Zentrale in Zürich bekräftigt. "Wir werden eine einzige Unternehmenskultur für ganz Europa entwickeln, alle Töchter werden an einem Strang ziehen", sagte GM-Chef Rick Wagoner Mitte Juni.

Opel, Saab und auch Vauxhall sollen demnach nicht mehr eigenständig für Schlüsselaufgaben wie Finanzen, Konstruktion, Einkauf, Fertigung, Marketing und Planung verantwortlich sein. Die Zusammenlegung von Produktionsprozessen - bei Opel und Vauxhall bereits Realität - wäre der nächste logische Schritt.

Wagoner muss handeln, steht er doch in Europa unter Druck. Seit vier Jahren schreibt der Bereich rote Zahlen. Allein im zweiten Quartal lag das Minus bei 45 Millionen Dollar. "Unser Europa-Geschäft macht zwar große Fortschritte beim Kostenabbau und der Qualitätsverbesserung", sagte der Unternehmenschef, "dennoch haben wir trotz eines wachsenden Marktanteils hier nicht das Erlöswachstum erzielen können, das wir uns erhofft hatten."

Seite 1 von 2

© manager magazin 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung