Autobranche Deutschland Big Brother aus Detroit

Ehemals waren Opel und Volkswagen Hauptrivalen im Volumensegment. Heute gelten die Unternehmen als größte Krisenfälle der deutschen Autobranche. Anders als bei VW hat bei Opel allerdings eine Konzernmutter aus den USA das Sagen und drangsaliert die hiesigen Dependancen mit einem Spardiktat. Der dritte Teil der mm.de-Serie.

Hamburg - Ein deutscher Autobauer ist Opel schon seit den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts nicht mehr. Damals, mitten in der Wirtschaftskrise, übernahm General Motors (GM)  die Mehrheit an dem Unternehmen. Als GM jüngst nach dem Motto "Es kann nur einen geben" verkündete, die europäischen Saab Werke in Trollhättan und die Opel-Dependance in Rüsselsheim auf den Prüfstand stellen zu wollen, brandete der öffentliche Protest dennoch bis in politische Sphären hoch.

Opel Astra Caravan: Mit "viel Hirnschmalz im Heckabteil" ("Auto-Bild") schicken die Rüsselsheimer in diesem Herbst die Kombiversion des Astra auf die Straßen. Die Erweiterung erntete im Vorfeld bereits das Lob der Beobachter. Opel geht dennoch auf Nummer sicher und forciert den Verkauf des Astra Caravan wie schon beim Grundmodell mit einem Frühbucherrabatt.

Opel Astra Caravan: Mit "viel Hirnschmalz im Heckabteil" ("Auto-Bild") schicken die Rüsselsheimer in diesem Herbst die Kombiversion des Astra auf die Straßen. Die Erweiterung erntete im Vorfeld bereits das Lob der Beobachter. Opel geht dennoch auf Nummer sicher und forciert den Verkauf des Astra Caravan wie schon beim Grundmodell mit einem Frühbucherrabatt.

Opel Vectra: Das Sorgenkind von Opel heißt Vectra. Die Stufenheckversion floppte. Kein Wunder, das Segment liegt im Sterben. Aber auch bei der Kombi-Version Caravan (Foto) ging die Markteinführung daneben. Weil sich Opel im vergangenen Jahr eine teure Kampagne sparte, wussten die Käufer nichts von der Neuheit.

Opel Vectra: Das Sorgenkind von Opel heißt Vectra. Die Stufenheckversion floppte. Kein Wunder, das Segment liegt im Sterben. Aber auch bei der Kombi-Version Caravan (Foto) ging die Markteinführung daneben. Weil sich Opel im vergangenen Jahr eine teure Kampagne sparte, wussten die Käufer nichts von der Neuheit.

Opel Insigna: Nur zu gern würde Opel wieder ein Oberklasse vom Schlage des Omegas präsentieren. Die Vorstellung des Insigina bei der IAA 2003 ging in diese Richtung. Allerdings gibt sich GM desinteressiert an dem Projekt.

Opel Insigna: Nur zu gern würde Opel wieder ein Oberklasse vom Schlage des Omegas präsentieren. Die Vorstellung des Insigina bei der IAA 2003 ging in diese Richtung. Allerdings gibt sich GM desinteressiert an dem Projekt.


Opel-Hoffnungen
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Auf der Streichliste steht nun die Montage in Rüsselsheim, die wie das Saab-Werk in Schweden mit Überkapazitäten hadert. Für Kenner ist dies ein gewöhnlicher Vorgang. "Interne Standortausschreibungen sind in der Industrie normal", sagt Global-Insight-Analyst Christoph Stürmer. Will heißen: Die Montage in Rüsselsheim ist für GM ebenso wie das Saab-Werk nur noch eine Fabrik im GM-Verbund. Welches Logo auf der Haube prangt, und wo die Wagen von den Bändern rollen, spielt beim Sparen eine untergeordnete Rolle.

Verordnete Unternehmenskultur

An diese Linie wird sich "Old Europe" gewöhnen müssen. Entsprechend haben die Amerikaner zuletzt ihren Anspruch nach konsequenterer Führung der Töchter durch die Europa-Zentrale in Zürich bekräftigt. "Wir werden eine einzige Unternehmenskultur für ganz Europa entwickeln, alle Töchter werden an einem Strang ziehen", sagte GM-Chef Rick Wagoner Mitte Juni.

Opel, Saab und auch Vauxhall sollen demnach nicht mehr eigenständig für Schlüsselaufgaben wie Finanzen, Konstruktion, Einkauf, Fertigung, Marketing und Planung verantwortlich sein. Die Zusammenlegung von Produktionsprozessen - bei Opel und Vauxhall bereits Realität - wäre der nächste logische Schritt.

Wagoner muss handeln, steht er doch in Europa unter Druck. Seit vier Jahren schreibt der Bereich rote Zahlen. Allein im zweiten Quartal lag das Minus bei 45 Millionen Dollar. "Unser Europa-Geschäft macht zwar große Fortschritte beim Kostenabbau und der Qualitätsverbesserung", sagte der Unternehmenschef, "dennoch haben wir trotz eines wachsenden Marktanteils hier nicht das Erlöswachstum erzielen können, das wir uns erhofft hatten."

Minus 30 Prozent bei Arbeitskosten

Minus 30 Prozent bei den Arbeitskosten

Für die Opel-Mitarbeiter an den Standorten Rüsselsheim (19.700), Bochum (10.000), Eisenach (1900) und Kaiserslautern (5000) bedeutet das nichts Gutes. "Was ich sehen will, ist eine massive Reduzierung in der Lohnabrechnung", legte GM-Europa-Präsident Carl-Peter Forster der Nachrichtenagentur Reuters zu Beginn des Pariser Autosalons nach. Eine Senkung der Arbeitskosten in Europa um 30 Prozent sei ein gutes Ziel bis zum Ende dieses Jahrzehnts, fügte der frühere Opel-Chef hinzu.

Die Lage ist tatsächlich kritisch. Die Vectra-Produktion am Wackelstandort Rüsselsheim hadert ebenso mit Überkapazitäten wie die Produktion in Eisenach. Als Reaktion auf die Nachfrageschwäche vor allem in Deutschland seien im November und Dezember durchschnittlich 15 Tage Kurzarbeit pro Mitarbeiter vorgesehen, verkündete der Betriebsratschef von Opel Eisenach am Dienstag.

Brisant dabei: Bei Opel laufen derzeit Tarifverhandlungen. Die Belegschaftsvertreter wollen unter anderem einen Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen bis 2010 erreichen. Das Unternehmen soll das bestehende Einkommensniveau der Beschäftigten sowie die existierenden Tarifverträge garantieren. Die Gespräche sollen bis Ende Oktober abgeschlossen sein.

Sparkurs als Bumerang

Der harsche Sparkurs könnte sich als Bumerang erweisen. "Bei GM Europe gibt es eine klare Fokussierung auf Kostenersparnis, die andere Aspekte wie Markenidentität und Marktdurchdringung in den Hintergrund drängen könnte", warnt Autoexperte Stürmer. Dabei haben die Rüsselsheimer mit dem neuen Astra gezeigt, dass sie das Autobauen nicht verlernt haben. Auch der Kompakt-Van Zafira gilt als Erfolgsmodell.

Im schlimmsten Fall aber könnten die Amerikaner Opel kaputtsparen. Wie das geht, zeigte sich im vergangenen Jahr, als die Markteinführung des wichtigen Vectra Caravan gründlich daneben ging. Es wusste schlicht niemand, dass da ein neues Modell in den Schauräumen stand, weil die Verantwortlichen eine teuere Kampagne nicht für nötig hielten.

Beobachter jedenfalls sehen den Big-Brother-Effekt kritisch. "Die Nähe zur US-Mutter tut Opel nicht gut", sagt etwa Jürgen Pieper, Autoanalyst beim Bankhaus Metzler. General Motors habe selbst Probleme. Wenn die jetzt auch auf Opel übertragen werden, fürchtet Pieper, rückt die Gesundung in weite Ferne.


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