Samstag, 18. Januar 2020

Autobranche Deutschland Piëchs Altlasten

Ohne Zweifel haben VW und die Stadt Wolfsburg Ferdinand Piëch viel zu verdanken. Dennoch müssen sich beide schnell vom einstigen Technokraten emanzipieren. Zur Not auch unter Schmerzen. Der zweite Teil der mm.de-Serie.

Hamburg - Die Konkurrenz aus Stuttgart überflügelt, die Rivalen aus München distanziert und die Wettbewerber aus Bochum und Kaiserslautern weit hinter sich gelassen. In Wolfsburg herrscht Ende September allerbeste Stimmung. Damit keine Missverständnisse entstehen, die Rede ist von der VfL Wolfsburg Fußball GmbH, den Bundesligakickern, denen derzeit die mit "GTI" dekorierte Brust schwillt. Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte Tabellenführer in der Bundesliga zu sein, macht selbstbewusst.

In Wolfsburg kann auch noch gejubelt werden: Zumindest bei den Kickern vom VfL
Beim Sponsor Volkswagen Börsen-Chart zeigen sind Siegesgesten hingegen zurzeit eher Mangelware. Ganz im Gegenteil häufen sich in den vergangenen Monaten die Negativschlagzeilen - Absatzkrise, Währungsverluste und Abu Dhabi lassen grüßen. Da klingt es schon fast zynisch, wenn die GTI-Variante des Golf V jüngst ausgerechnet mit dem Slogan "Revival of the fittest" präsentiert wurde.

Denn unter den gut 103.000 tariflich bezahlten Mitarbeitern in den deutschen Standorten der Kernmarke VW geht die Angst um, den Kampf ums berufliche Überleben zu verlieren. Wenn die Gewerkschaften sich nicht auf die Forderungen des Unternehmens einlassen, seien 30.000 Arbeitsplätze hier zu Lande in Gefahr, hatte Volkswagen-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch die Stimmung vor dem Beginn der laufenden Tarifrunde noch angeheizt. Volkswagen-Chef Bernd Pischetsrieder setzt dennoch auf eine friedliche Lösung. "Ich glaube nicht, dass irgendjemand einen Streik will", sagte er Anfang der Woche der französischen Zeitung "Les Echos". Dennoch schließt er einen Arbeitskampf nicht aus.

Erfolgsgeschichte "5000 mal 5000"

Insgesamt beschäftigt der Volkswagen-Konzern in Deutschland knapp 173.000 Mitarbeiter, davon gut 58.000 bei Audi in Ingolstadt und Neckarsulm. Die aktuellen Gehaltsverhandlungen betreffen die VW-Werke in Wolfsburg (50.200 Beschäftigte), Hannover (15.000), Braunschweig (6600), Kassel (15.300), Emden (9500) und Salzgitter (7200). Darüber hinaus beschäftigen die Volkswagen Sachsen GmbH in Chemnitz und Mosel rund 7100, die Gläserne Manufaktur in Dresden (Phaeton, demnächst eventuell Bentley) 450 und die Auto 5000 GmbH in Wolfsburg circa 3200 Mitarbeiter.

 Golf V: Mit Klimaanlage den Verkauf angheizt  Touran: Der Minivan kam spät, aber dann gewaltig  Phaeton: Technik top, Image mau

Volks-Wagen?
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Gerade das von Personalvorstand Peter Hartz erfundene Modell "5000 mal 5000" zeigt, dass auch in Deutschland wettbewerbsfähige Autos gebaut werden können. Der Touran gehört zu den am häufigsten verkauften Autos in Deutschland, bei den Minivans ist er Marktführer. Und dass, obwohl Volkswagen nun nicht gerade als Vorreiter in diesem Segment bezeichnet werden kann.

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