Samstag, 25. Januar 2020

Autobranche Deutschland "Deutschland ist abgehakt"

Sind die Zulieferer nur hilflose Marionetten der großen Automobilhersteller? Der Druck, Kosten zu senken, wächst. Ein Grund für die Branche, sich zunehmend in Richtung Osteuropa und China zu orientieren.

Hamburg - Zwar erbringen sie zwei Drittel der Wertschöpfung. Doch Zulieferer zählen zu den bevorzugten Opfern, wenn krisengeschüttelte Autohersteller den Rotstift zücken. Insbesondere Ford Börsen-Chart zeigen ist in der Branche dafür berüchtigt, die Preise für Autoteile zu drücken. Sparzwänge reicht der Autohersteller so direkt an seinen Zulieferer weiter.

Opel-Werk in Rüsselsheim: Wenig beliebt bei den Zulieferern
Von "eiskalten Preisdiktaten" sprach Wolfgang Meinig, Leiter der Bamberger Forschungsstelle Automobilwirtschaft (FAW). Die Preissenkungen, die Ford zu Beginn dieses Jahres einforderte, hätten für ihn "nichts mehr mit Kooperation, geschweige denn mit einer fairen Hersteller-Lieferanten-Beziehung zu tun."

Hintergrund der Kritik war das Ergebnis des aktuellen Zulieferer-Zufriedenheitsindex, den die FAW alle drei Jahre erstellt: Ford ist demnach besonders unbeliebt. Auch Opel oder Volkswagen Börsen-Chart zeigen werden als eher unangenehme Geschäftspartner empfunden.

"Das Verhältnis zwischen Automobilzulieferern und Herstellern ist sehr kritisch - und es ist in den vergangenen zwei Jahren noch kritischer geworden", sagt Stefan Tittel, Geschäftsführer von Indatex. Das Unternehmen betreibt gemeinsam mit T-Systems eine Plattform für Datenaustausch zwischen Zulieferern und Herstellern. Beide Seiten, so Tittel, redeten viel zu wenig darüber, "wie sie effektiver miteinander umgehen können."

Schneiden sich Autokonzerne ins eigene Fleisch?

Indatex initiiert am morgigen Dienstag (28. September) das fünfte Jahrestreffen der Automobil Supplier, zum dem auch führende Vertreter von Automobilherstellern erscheinen werden. Der Versammlungsort soll die Bedeutung des Kongresses unterstreichen: Man trifft sich im Plenarsaal des ehemaligen Bundestags in Bonn - als sollte die Forderung nach fruchtbarer Kooperation am Ende Gesetzescharakter erhalten.

Initiative für mehr Dialog

Beim ihrem fünften Jahrestreffen am morgigen Dienstag (28. September) beschäftigen sich die Autozulieferer vor allem mit dem Thema Datenaustausch: Wie können Hersteller und Lieferanten effizienter kommunizieren? Zudem steht der globale Standortwettbewerb auf der Agenda - vor allem im Hinblick auf die Konkurrenz aus den Niedriglohnländern. ...mehr .
"Die Hersteller, die erfolgreich am Markt sind, haben immer vernünftige Beziehungen zu ihren Zulieferern", sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer, Geschäftsführer des Prognoseinstituts B&D-Forecast. Das bedeutet im Umkehrschluss: Wer seine Zulieferer nicht ehrt, hat keinen Erfolg. Für Dudenhöffers Kollegen Meinig von der FAW ist es kein Wunder, dass BMW Börsen-Chart zeigen trotz schwacher Autokonjunktur Rekordergebnisse erzielt: "BMW hat eine gute Unternehmenskultur und einen guten Draht zu den Zulieferern", darüber hinaus "die Fähigkeit, Informationen an den Partner zu geben."

In welchem Ausmaß die Autobauer für den wachsenden Kostendruck bei den Zulieferern verantwortlich sind, ist umstritten. Fest steht: Wegen Absatzproblemen bei Autokonzernen rutscht auch mancher Zulieferer in die roten Zahlen - unlängst geschehen am US-Markt. Als Ford seinen Produktionsplan für das vierte Quartal reduzierte, musste der Autoteileproduzent Visteon Börsen-Chart zeigen seine Gewinnprognose im Papierkorb verschwinden lassen.

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