Alexander Falk "Er ist einer der reichsten Deutschen"

Gegen den inhaftierten Millionenerben Alexander Falk ermitteln Staatsanwälte unter anderem wegen des Verdachts auf besonders schweren Betrug. Zudem versuchen Anwälte im Auftrag des Ision-Käufers Energis, Schadenersatz einzuklagen - mit guten Chancen, wie sie im Interview mit manager-magazin.de erklären.
Von Martin Scheele

mm.de:

Wie hat Alexander Falk den Telekommunikationsanbieter Energis  beim Verkauf seiner Internetfirma Ision angeblich getäuscht, welche Tricks hat er Ihrer Meinung nach angewandt?

Jäger: Wir haben festgestellt, dass Herr Falk und die anderen Angeschuldigten unsere Mandantin Energis über die Höhe des Umsatzes der Ision Internet AG im Jahre 2000 und insbesondere über die Umsatzentwicklung täuschten.

Sie spiegelten Umsatzsteigerungen bis einschließlich des dritten Quartals des Jahres 2000 vor, obwohl der Umsatz der Gesellschaft zu diesem Zeitpunkt in Wahrheit bereits fiel. Zu Zwecken der Täuschung wurde über ein kompliziertes Geflecht von Herrn Falk gehörenden Gesellschaften ein zweistelliger Millionenbetrag aus der Schweiz an die Ision Internet AG durchgereicht. Bei der Ision Internet AG wurden die ohne Gegenleistung erhaltenen Gelder als "Umsatz" gebucht.

Getarnt wurde der Umstand fehlender Gegenleistungen durch zahlreiche fingierte Verträge, fingierte Rechnungen und fingierte Abnahmeprotokolle. Ohne den hierdurch erzeugten falschen Anschein eines umsatzstarken und gegen den Markttrend sogar wachsenden Unternehmens hätte Energis die Ision Internet AG nicht gekauft.

mm.de: Wieso sind Sie so sicher, dass Sie vor Gericht Erfolg haben werden, obwohl Falk und die anderen Beschuldigten die Vorwürfe vehement abstreiten?

Rakob: Die Beweislage ist gut. Herr Falk und die anderen Angeschuldigten haben selbst eine Vielzahl von schriftlichen Beweisen produziert, die der Staatsanwaltschaft Hamburg und uns vorliegen. Insbesondere haben die Angeschuldigten belastende Korrespondenz per E-Mail geführt, die nunmehr als Beweismittel gegen sie dient.

Es gibt ferner Teilgeständnisse von Angeschuldigten und zahlreiche weitere belastende Dokumente, wie insbesondere Buchführungsunterlagen. Die Buchführung der Ision Internet AG wurde durch Spezialisten ausgewertet und lässt klar erkennen, dass binnen weniger Tage im Oktober 2000 alle Scheinumsätze auf einmal gebucht wurden. Hinzu kommen die über 70 Zeugenaussagen bei der Staatsanwaltschaft Hamburg.

Wir haben bisher keine Argumente gehört, die die Erfolgsaussichten einer Zivilklage gefährden. Bislang sind die Zivilgerichte der Argumentation von Energis gefolgt und haben das Verteidigungsvorbringen nach eingehender Analyse als nicht begründet erachtet.

"Schadenersatzklage binnen weniger Wochen"

mm.de: Wie hoch schätzen Sie das Vermögen von Herrn Falk?

Jäger: Sehr hoch. Herr Falk ist einer der reichsten Deutschen.

mm.de: Haben Sie Kenntnis davon, wo er es angelegt hat?

Rakob: Ja, er hat zum Beispiel erhebliches Geldvermögen und Grundbesitz in Südafrika. Weitere Details möchten wir hierzu nicht preisgeben.

mm.de: Wie wollen Sie erreichen, dass Herr Falk eine eidesstattliche Versicherung zu seinen Vermögensverhältnissen abgibt?

Jäger: Auf der Basis zweier Arreste über 30 Millionen und weitere zehn Millionen Euro hat Energis bereits zwei zivilrechtliche Haftbefehle gegen Herrn Falk erwirkt, um Herrn Falk zur Abgabe der eidesstattlichen Versicherung zu bewegen. Weitere Arrest- und Haftverfahren gegen Herrn Falk und gegen die Alexander Falk Holding GmbH, deren Geschäftsführer und einziger Gesellschafter Herr Falk ist, schweben. Die so genannte "zivile Überhaft" ist bei der Untersuchungshaftanstalt Holstenglacis in Hamburg notiert.

Das bedeutet: Selbst wenn die Strafgerichte Herrn Falk von der Untersuchungshaft verschonen würden, muss Herr Falk erst die eidesstattliche Versicherung abgeben, bevor er freikommt. Herr Falk hat also die Wahl, entweder sein Vermögen offen zu legen oder im Gefängnis zu bleiben.

mm.de: Warum hat Energis einen Schaden erlitten? Dieses bestreiten ja die Anwälte von Herrn Falk.

Rakob: Energis zahlte am 30. Januar 2001 einen Kaufpreis in Form von Bargeld und eigenen Aktien im Gesamtwert von zusammen 763 Millionen Euro. Wären jedoch die Täuschungen damals bekannt geworden, hätte Energis die Ision Internet AG überhaupt nicht gekauft. Ein Gesamtwert von 763 Millionen Euro befände sich nach wie vor bei unserer Mandantin. Den damals geleisteten Betrag haben Herr Falk und die anderen Angeschuldigten zu erstatten.

Jäger: Die von Ihnen angesprochenen Behauptungen zu Energis' angeblicher Überschuldung und angeblicher fehlerhafter Bilanzierungspraxis sind falsch und ein durchsichtiger Versuch, das Opfer als Täter hinzustellen.

mm.de: Wie steht es um das Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Hamburg wegen Verdachts des Betrugs und der Untreue gegen Energis-Verantwortliche?

Jäger: Davon wissen wir nichts.

mm.de: Wann glauben Sie beginnt der Prozess gegen Herrn Falk? Wann wird er enden?

Rakob: Wir rechnen mit einem Beginn des Strafprozesses im Dezember 2004. Die Prozessdauer können wir nicht abschätzen. Sie hängt von vielen Faktoren ab, auf die unsere Mandantin keinen Einfluss hat.

mm.de: Wie steht es um die Schadenersatzklage von Ihnen?

Jäger: Unsere Mandantin wird die Schadenersatzklage gegen Herrn Falk und bestimmte weitere Angeschuldigte binnen weniger Wochen erheben. Prozesskostenhilfe spielt dafür auf Grund einer Gesetzesänderung keine Rolle mehr.

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