Autobranche Deutschland Von Kapital nach Cashflow

Den deutschen Autobauern droht die Zweiklassen-Gesellschaft. Während BMW und Porsche Erfolge in Serie verbuchen, hadern Opel und VW mit zu hohen Kosten. Welche Route schlägt die Branche ein, die hier zu Lande zu den wichtigsten Arbeitgebern zählt?

Hamburg - In Paris Auto zu fahren, gehört wohl zu den schlimmsten Erlebnissen überhaupt. Entweder staut sich der Verkehr auf den Ein- und Ausfallautobahnen. Und wenn es läuft, ist das Resultat zumeist Anarchie auf Asphalt. Dennoch avanciert die französische Hauptstadt derzeit zum Mekka der Automobilindustrie.

Die Branche erhofft sich von der Messe "Mondial de l' Automobile", die bis zum 10. Oktober dauert, Impulse für das Geschäft. Dies gilt umso mehr, da die Internationale Automobilausstellung IAA in Frankfurt am Main als wichtiges Branchenbarometer erst wieder im kommenden Jahr stattfindet. Alle Blicke richten sich also auf den Autosalon in Paris.

Derzeit aber sieht es finster aus. Die anhaltende Absatzflaute, Konkurrenten aus Fernost und wilde Rabattschlachten hinterlassen Spuren in den Bilanzen vieler Hersteller.

Politur für die Kompaktklasse: Der neue Alfa Romeo 147

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Chefsache: Frankreichs Präsident Jacques Chirac (r.) besucht den Autosalon in Paris

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Benzinfreie Zukunft: BMW zeigt das Wasserstoffauto H2R

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Glanz und Glamour in Paris - Neuheiten beim Autosalon
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Auch mit Folgen für den Standort Deutschland. Hier zu Lande firmieren mit Porsche, Volkswagen und Co. mehrere Weltmarken. Um die Autobauer herum haben sich zahlreiche Industriekomplexe angesiedelt. Vom Zulieferer über den Autoverkäufer bis zur freien Werkstatt - nach Angaben des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) hängt jeder siebte Arbeitsplatz am fahrbaren Untersatz. Deutschland ist Autoland, und Autoland ist angebrannt - teilweise jedenfalls. Denn einige deutsche Autobauer kommen gramgebeugt, andere erhobenen Hauptes nach Paris.

Da gibt es BMW  und Porsche , die auf Rekordfahrt sind. "Wir werden beim Vorsteuergewinn die Milliardengrenze überspringen", kündigte Porsche-Chef Wendelin Wiedeking unlängst an. Auch BMW-Vormann Helmut Panke will im Jahresverlauf bei Absatz und Umsatz neue Spitzenwerte erreichen.

Da gibt es Mercedes und Ford, die das Schlimmste offenbar hinter sich haben. Die Kölner Ford-Werke haben ihr Sparziel für 2004 erreicht. Demnächst will der Konzern eine Modelloffensive starten. Mercedes hat sich erst im Sommer nach hartem Kampf mit der Gewerkschaft auf ein Sparpaket geeinigt und attackiert die Konkurrenz nun ebenfalls mit Neuheiten.

Und da gibt es VW und Opel, die mitten im Umbruch stecken. Bei VW stehen harte Tarifverhandlungen an. Es geht um eine Nullrunde beim Gehalt, die von der Gewerkschaft rundweg abgelehnt wird. Bei Opel, Tochter des US-Autobauers General Motors , drohen angesichts der hohen Verluste im Europa-Geschäft Werkschließungen. Auch in Rüsselsheim verhandeln Betriebsrat und Management.

Das Auto wird zum Konsumgut

Cashflow statt Kapital

Immer wieder geht es um die Kosten. Der Autostandort Deutschland ist zu teuer. "Jahr für Jahr müssen die Hersteller die Kosten um 5 Prozent senken, um wettbewerbsfähig zu sein", erklärt Wolfgang Meinig von der Forschungsstelle Automobilwirtschaft. Und weil die Zulieferer häufig bis zur Schmerzgrenze niederverhandelt wurden, richten sich die Blicke jetzt auf die eigenen Bänder.

Aber das allein ist es nicht. Zu beobachten ist ein Paradigmenwechsel, den einige Konzerne schon hinter sich haben, während andere - getrieben von katastrophalen Geschäftszahlen und selbstbewussten Importeuren - erst damit beginnen. "Ich glaube, es ist nicht übertrieben, zu sagen, dass wir heute vor einer der wichtigsten Herausforderungen der Wettbewerbsfähigkeit unseres Standortes insgesamt stehen", sagte entsprechend VDA-Präsident Bernd Gottschalk kürzlich der "Stuttgarter Zeitung".

Tatsächlich erwarten Beobachter gerade bei den Volumenherstellern eine Neuausrichtung des Geschäftsmodells. "Autobauer orientieren sich nicht mehr ausschließlich an der Größe Kapital, sondern zunehmend am Cashflow. Das Auto wandelt sich vom Investitionsgut zum Konsumgut", skizziert Christoph Stürmer, Autoexperte beim Prognoseinstitut Global Insight, den Wandel.

Ausgeschöpfte Spielräume

Statt die Produktion wie bisher auf Spitzenkapazitäten auszulegen, gilt es, die vorhandenen Anlagen besser auszulasten, um auch in schlechten Zeiten Geld zu verdienen. Die gesamte Wertschöpfungskette kommt auf den Prüfstand.

Japaner machen es schon lange so, US-Konkurrenten haben damit begonnen. Und nun sind die Deutschen dran. Entsprechend äußerte sich Volkswagen-Chef Bernd Pischetsrieder in der Mitarbeiterzeitung "Autogramm": Kurzzeitig könne man zwar über seine Verhältnisse leben, bei Volkswagen sei dieser Spielraum aber "jetzt ausgeschöpft".

Es ist bezeichnend, dass gerade Pischetsrieder das Ende des negativen Cashflows fordert. Er wird es angesichts der Größe von Volkswagen am schwersten haben, seinen Konzern auf Effizienz zu trimmen. Bezeichnend auch, dass Porsche und BMW schon länger nach diesem Prinzip arbeiten und damit erfolgreich sind.

Wie sind also die Perspektiven für den Autostandort Deutschland? Kommen VW und Opel aus der Krise? Werden BMW und Porsche auf Rekordkurs bleiben? In den kommenden Tagen berichtet manager-magazin.de über die Situation bei Volkswagen, Opel, Ford, Mercedes, BMW und Porsche.

Volkswagen: Piëchs Altlasten Opel: Big Brother aus Detroit Ford: Die haben was getan Mercedes: Eine Marke im Qualifying BMW: Starker Antrieb, kaum Abrieb Porsche: Vier gewinnt


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