KarstadtQuelle Neckermanns Albtraum

"Mit voller Wucht" sei man von der Branchenflaute getroffen worden, schreibt Neckermann-Chef Arwed Fischer in einem Brief an die Mitarbeiter. Nicht das einzige Sorgenkind im KarstadtQuelle-Konzern. Christoph Achenbach, dritter Vorstandschef binnen vier Jahren, will nun ein dickes Sanierungskonzept vorstellen.

Essen - 120 Tage nach seinem Amtsantritt will KarstadtQuelle-Chef Christoph Achenbach nun die Karten auf den Tisch legen. Mit einer "Neuausrichtung ohne Tabus" will der 46-jährige Manager Europas größten Warenhauskonzern nach tiefroten Zahlen in der Vergangenheit wieder auf Kurs bringen.

Das mit Spannung erwartete Sanierungskonzept soll am Montagabend kommender Woche zunächst dem Aufsichtsrat präsentiert werden, bevor die Öffentlichkeit am Dienstag bei einer Pressekonferenz informiert werden soll.

Heute schon macht die Meldung von der Versandtochter Neckermann deutlich, wie bedrohlich die Krise ist: Das Management stuft das Unternehmen als Sanierungsfall ein. Die Stimmung in der Belegschaft sei "geprägt von Angst und Sorge" zitiert die "Süddeutsche Zeitung" den Betriebsratsvorsitzenden Thomas Schmidt. Verhandlungen über Arbeitsplatzabbau und mögliche Entlassungen sollen im Oktober beginnen. Für Neckermann rechnet das Management derzeit nur noch mit 1,15 Milliarden Euro Netto-Umsatz, was deutlich unter den Planungen der vergangenen Jahre liegt. Bei Quelle wurden die Erwartungen von vier Milliarden Euro Netto-Umsatz - Zielvorgaben für 2003 und 2004, jetzt für 2005 um eine halbe Milliarde gesenkt.

Achenbach ist innerhalb von nur vier Jahren der dritte Konzernchef, der versucht, bei dem angeschlagenen "Dampfer" KarstadtQuelle das Ruder herumzureißen. Bei einer Hauptversammlung im Jahr 2000 hatte zunächst der langjährige Konzernlenker Walter Deuss seinen Sessel vor dem Hintergrund fallender Börsenkurse und einer verfehlten Fusionsprognose überraschend räumen müssen. Seinem Nachfolger Wolfgang Urban gelang die erwartete Kursänderung jedoch nicht.

Beschäftigte sollen mehr auf Kunden eingehen

Wenige Monate, nachdem Urbans Vertrag zunächst um fünf Jahre verlängert worden war, erwiesen sich ein Gewinneinbruch und eine verfehlte Prognose im Frühjahr dieses Jahres als Stolpersteine für den damals 58-jährigen Manager. Kaum im Amt, ließ der neue Chef Christoph Achenbach nur wenig Gutes über Urban verlauten.

Neben "fehlender Entschluss- und Umsetzungsfreudigkeit" lastete der als nüchtern und analytisch geltende Achenbach seinem glücklosen Vorgänger auch die Verantwortung für ein schlechtes Betriebsklima in dem krisengeschüttelten Unternehmen an. Trotz eines harten Sanierungskurses kündigte er stattdessen einen "deutlich menschlicheren Umgangston" an. Von den Beschäftigten erwarte er, sie sollten wieder mehr auf die Kunden und deren Bedürfnisse eingehen, so Achenbach.

Jedes siebte Warenhaus ist unrentabel

Jedes siebte Warenhaus ist unrentabel

Während Analysten nun von dem neuen Chef einen "drastischen Rundumschlag" mit harter Hand fordern, muss Achenbach nun auch der Belegschaft die bittere Pille schmackhaft machen. Zusammen mit Aufsichtsratschef Thomas Middelhoff wird er dabei das mehr als 100 Jahre alte Konzept der Warenhäuser in den Innenstädten gründlich auf den Prüfstand stellen müssen.

Der Abbau von mindestens 4000 der 47.000 Stellen im Warenhausbereich gilt bereits als sicher. Mehr als jedes siebte der 188 Kaufhäuser schreibt rote Zahlen, viele Häuser gelten zudem als zu klein. Viele Kunden zieht es zudem zunehmend an die Kassen der Discounter auf der grünen Wiese, die ihr Sortiment schon lange über die Grenzen des reinen Lebensmittelhandels ausgeweitet haben.

Mindestens 25 der 180 Warenhäuser gelten somit als unrentabel. Warenhauschef Helmut Merkel hatte im August von einer "Exitstrategie" für diese Häuser gesprochen, aber offen gelassen, ob dies deren Schließung bedeuten könnte. Auch beim Versandhandelshaus Neckermann erwartet die Beschäftigten ein harter Kurs.

Neckermann-Chef Arwed Fischer habe den Mitarbeitern in einem internen Schreiben betriebsbedingte Kündigungen in größerem Umfang angekündigt, berichtet die "Süddeutsche Zeitung", der das Schreiben nach eigenen Angaben vorliegt. "Unser Konzern ist in eine tiefe Umsatz- und Ertragskrise geraten, die insbesondere die Warenhäuser, aber auch den Universalversand in Deutschland mit voller Wucht getroffen hat", heißt es in dem Schreiben.

Auch die Versandtochter Quelle hat bereits Stellenstreichungen angekündigt. Probleme bereiten dem Konzernchef daneben viele Aktivitäten außerhalb des Kerngeschäfts - vom Handel mit Reisen über Dienstleistungen bis hin zu Fitness- Studios.

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