Rückzieher Deutsche Bahn verschiebt Börsengang

Eigentlich hatte Bahn-Chef Hartmut Mehdorn den Börsengang für 2006 fest eingeplant - ein Datum, das viele Skeptiker von Anfang an für recht ambitioniert hielten. Sie sollen Recht behalten: Aus dem Vorhaben wird nichts. Nach offizieller Sprachregelung, abgestimmt mit der Bundesregierung, wird der Zeitplan "neu definiert".

Berlin - Bahn-Aufsichtsratschef Michael Frenzel teilte am Mittwoch mit, er habe sich im Einvernehmen mit dem Bund als Eigentümer der Bahn und mit dem Vorstand darauf verständigt, auf den ursprünglich vorgesehenen Zeitplan für den Börsengang der Bahn zu verzichten.

Der Schritt vor der Sommerpause 2006 sei angesichts der derzeitigen Rahmenbedingungen "nicht realistisch". An dem Ziel, die Bahn für den Gang an die Börse vorzubereiten, werde aber festgehalten. Der Bund unterstütze nachhaltig die Arbeit von Bahn-Chef Hartmut Mehdorn, die Bahn zu einem leistungsfähigen und modernen Verkehrsanbieter auszubauen.

Für die wirtschaftliche Entwicklung der Bahn sei der Erhalt des integrierten Bahnkonzerns unabdingbar, hieß es weiter in einer Mitteilung des Bahn-Aufsichtsratschefs. Bislang wollte Mehdorn die Bahn 2006 an die Börse bringen.

Am Vormittag hatte die "Wirtschaftswoche" unter Berufung auf einen streng vertraulichen "Quartalsbericht Juni 2004" berichtet, dass das Untenehmen im ersten Halbjahr in wesentlichen Kennziffern hinter den Planungen zurückgeblieben sei.

Dem Bericht zufolge lagen die Einnahmen der Sparte Fernverkehr von Januar bis Juni um 92 Millionen Euro oder rund sechs Prozent unter Plan. Statt wie erhofft nur noch 114 Millionen Euro Verlust hätten ICE und Intercity 214 Millionen Euro Defizit eingefahren - fast doppelt so viel wie geplant. Dennoch habe der Verlust 50 Millionen Euro unter dem Minus des Vorjahreszeitraums gelegen. Dazu trug dem Bericht zufolge bei, dass Rückstellungen in Höhe von 76 Millionen Euro aufgelöst wurden. Ein Teil davon wurde nach Angaben der Bahn für laufende Rationalisierungs- und Restrukturierungsmaßnahmen verwendet.

In der Sparte Regionalverkehr Umsatz, Verkehrsleistung sowie die Überweisungen der Länder für Nahverkehrsleistungen lägen die Ergebnisse nur unwesentlich unter denen des Vorjahres und teilweise unter Plan. Dennoch habe der Gewinn fast um das Doppelte zugelegt und mit 243 Millionen Euro die Planung um rund 28 Prozent übertroffen. Das Plus von 113 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ergebe sich unter anderem aus geringeren Personalkosten (minus 25 Millionen), weniger Materialaufwand (minus 14 Millionen) und einem Abbau der Forderungen gegenüber der Konzernkasse, über die alle Einnahmen laufen, um 114 Millionen Euro.

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